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USA: 10-jähriges Vergewaltigungsopfer durfte nicht abtreiben

04. Juli 2022 · Lesedauer 2 min

Nur wenige Tage nach der umstrittenen Höchstgerichtsentscheidung ist eingetreten, was Kritiker und Kritikerinnen befürchtet hatten: Einem 10-jährigen Mädchen wird nach einer Vergewaltigung die Abtreibung in Ohio untersagt.

Ende Juni hatte das Oberste Gericht der USA ein Gesetz gekippt, das seit beinahe 50 Jahren Abtreibungen bundesweit erlaubte. Die Bundesstaaten können nun selbst entscheiden, ob sie Schwangerschaftsabbrüche erlauben oder nicht - und unter welchen Bedingungen. 

In Ohio wurde nun einem erst 10-jährigen Mädchen, das nach einer Vergewaltigung schwanger wurde, die Abtreibung untersagt. Das Mädchen ließ die Behandlung schließlich im Bundesstaat Indiana durchführen. Dort ist das - noch - bis zur 22. Schwangerschaftswoche möglich. Amerikanische Medien berichten, dass die Nachfrage nach Schwangerschaftsabbrüchen in Indiana seit der Gerichtsentscheidung gestiegen sei.

Die Ärztin Caitlin Barnard, die den Schwangerschaftsabbruch bei der 10-Jährigen durchführte, soll der "Indianapolis Star" zufolge einen Anruf von einem Kollegen aus Ohio bekommen haben - nur drei Tage, nachdem der Supreme Court das Abtreibungsgesetz gekippt hatte.

Auch in Indiana drohen strengere Regeln

Der Arzt aus Ohio therapiert Kinder mit Missbrauchserfahrung und berichtete Barnard von einer 10-jährigen Patientin, die in ihrem Bundesstaat keine Abtreibung mehr vornehmen lassen konnte. Denn dort ist die Behandlung bereits ab dem Punkt illegal, an dem der Embryo eine Herztätigkeit aufweist. Das Mädchen soll ihren Ärzten zufolge sechs Wochen und drei Tage schwanger gewesen sein, als sie erstmals medizinische Hilfe aufsuchte.

Doch auch in Indiana, wohin Abtreibungswillige aus anderen Staaten ausweichen, könnte das Abtreibungsrecht verschärft werden. Ende Juli soll das entsprechende Gesetz auf Bundesstaatenebene diskutiert werden – und könnte aufgrund der republikanischen Mehrheit verschärft werden.

Barnard sagte, es sei "schwer vorstellbar, dass wir in ein paar Wochen keine Möglichkeit mehr haben werden, diese medizinische Versorgung anzubieten". 

Republikaner unter Druck

Jene Republikaner, die die Gesetzesverschärfungen vorangetrieben haben, setzt der Fall allerdings unter Druck. Kristi Noem, die Gouverneurin von South Dakota, die als mögliche Vizepräsidentschaftskandidatin Trumps im Jahr 2024 gehandelt wird, wurde auf CNN etwa dazu befragt – in ihrem Bundesstaat ist Abtreibung ebenso strafbar wie in Ohio, außer das Leben der Schwangeren ist in Gefahr - Inzest oder Vergewaltigungen sind explizit keine Ausnahmen mehr. Der Fall der Zehnjährigen sei aber kein Anlass, die Gesetze nochmals zu evaluieren, sagte sie: "Jedes Leben ist kostbar", so die Republikanerin.

Quelle: Redaktion / koa