APA - Austria Presse Agentur

US-Wahl: In diesen Bundesstaaten wird die Wahl entschieden

04. Nov 2020 · Lesedauer 5 min

Die US-Präsidentschaftswahlen haben sich zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen entwickelt. Beide Kandidaten können noch gewinnen. Ein Überblick über die Lage in den wichtigen Schlüsselstaaten.

Laut dem derzeitigen Auszählungsstand der "Associated Press" (Stand: 20:15 Uhr) liegt Biden mit 248 Wahlmännerstimmen knapp vor Amtsinhaber Donald Trump mit 214 Stimmen. Das Ergebnis kann sich aber noch drehen. Trump sagte in seinem ersten Statement nach der Schließung der Wahllokale ja bereits, dass er gewonnen habe.

Wer bei der Wahl die meisten Stimmen in einem Bundesstaat bekommt, dem werden in den USA alle Wahlleute zugeschlagen, die für die Präsidenten-Mehrheit entscheidend sind - selbst wenn am Ende nur wenige hundert Stimmen den Ausschlag geben sollten.

In den folgenden Bundesstaaten gibt es noch kein Ergebnis. Ein Überblick über den aktuellen Stand:

Pennsylvania (20 Wahlleute)

Der Bundesstaat, der zu der als Rostgürtel bekannten Industrieregion im Norden der USA gehört, ist besonders umkämpft - und könnte in diesem Jahr die Wahl entscheiden. Sowohl Trump als auch sein Herausforderer Joe Biden von den Demokraten haben hier in den vergangenen Wochen wiederholt Wahlkampfveranstaltungen abgehalten. 2016 siegte Trump in Pennsylvania überraschend mit einem Vorsprung von nur 0,7 Prozentpunkten. In diesem Jahr lag Biden, der in der Stadt Scranton in Pennsylvania geboren wurde, im Umfrageschnitt vor der Wahl zwischen drei und fünf Punkten vor Trump.

In Pennsylvania lag Trump in der Wahlnacht bei der laufenden Stimm-Auszählung mit einem Plus von 618,840 Stimmen klar vor Biden. In dem Bundesstaat hatten aber - wie in den USA insgesamt - viele Wähler per Brief im Vorausb gewählt. Laut der "New York Times" sind 1,8 Millionen Stimmen hier noch nicht ausgezählt worden. Nach Angaben der Website Elections Project waren mehr als 60 Prozent von ihnen als Wähler der Demokraten registriert, und diese Stimmen waren zu großen Teilen zunächst noch nicht ausgezählt.

Trump-Gegner gingen daher davon aus, dass sich das Ergebnis noch gewaltig zugunsten von Biden verschieben könnte. Mit einer endgültigen Auszählung der Stimmen wurde frühestens am Donnerstag, womöglich sogar erst am Freitag gerechnet. 

Michigan (16 Wahlleute)

Der an den Großen Seen gelegene Bundesstaat mit der Autometropole Detroit gehört ebenfalls zum Rostgürtel. Trump hatte das eigentlich demokratisch geprägte Michigan 2016 mit nur 0,2 Prozentpunkten - weniger als 11.000 Stimmen - Differenz gewonnen. Zuletzt stand der Bundesstaat im Zentrum der Aufmerksamkeit, weil rechte Extremisten die demokratische Gouverneurin Gretchen Whitmer entführen wollten, die immer wieder Ziel von Attacken des Präsidenten ist. Im Umfrageschnitt hatte Biden dort vor der Wahl einen Vorsprung von fünf bis acht Punkten.

In Michigan liegt Trump laut den "New York Times" derzeit 1,4 Prozentpunkte (64.520 Stimmen) vor Biden. Jedoch sind 970.000 Stimmen noch nicht ausgezählt.

Wisconsin (10 Wahlleute) ging an Biden

Clinton versäumte es 2016, dem Bundesstaat im Wahlkampf einen Besuch abzustatten, so fest glaubte sie an einen Erfolg. Ein Fehler: Trump gewann Wisconsin mit nur rund 22.700 Stimmen Vorsprung. Die Demokraten hielten im August ihren - wegen Corona letztlich weitestgehend virtuell ausgetragenen Parteitag - in Wisconsin ab, ein Zeichen, wie wichtig sie den Bundesstaat nahmen. Im Umfrageschnitt hatte Biden vor der Wahl hier zwischen sechs und acht Prozentpunkte Vorsprung.

In der Wahlnacht lag zunächst Trump bei der Stimmenauszählung vorne, dann kam Biden immer näher an seinen Rivalen heran. Am frühen Mittwochmorgen, als schon rund 90 Prozent der Stimmen ausgezählt waren, zog Biden sogar knapp an Trump vorbei. Biden führt laut den "New York Times" derzeit mit 0,2 Prozentpunkten (7.121 Stimmen) vor Trump. Es sind noch 400,000 Stimmen ausständig.

Wahlbeobachter gehen davon aus, dass Wisconsin an Biden gehen wird. Dabei rechnen sie mit einem Überhang an demokratischen Wählern, die via Briefwahl abgestimmt haben. Und so kam es auch, kurz nach 20 Uhr (MEZ) wurde der Bundestaat für Biden gezählt.

North Carolina (15 Wahlleute)

Trump und Biden lieferten sich auch in dem konservativ geprägten Bundesstaat an der US-Ostküste ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Die Republikaner hielten hier ihren - wie bei den Demokraten letztlich weitgehend virtuell ausgetragenen - Parteitag ab. Im Durchschnitt lag Biden hier vor der Wahl rund fünf Prozentpunkte vor Trump.

Nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen war der Abstand zwischen beiden am Mittwochmorgen recht knapp. Trump lag laut "New York Times" mit 76.737 Stimmen (1,4 Prozent) vor Biden - bei noch 290.000 auszuzählenden Stimmen. 

Mit einem Ergebnis wurde ursprünglich noch in der Wahlnacht gerechnet, am Mittwochmorgen lag dies aber immer noch nicht vor.

Georgia (16 Wahlleute)

Auch der Südstaat Georgia ist seit Jahrzehnten fest in Republikaner-Hand, aber auch hier ist die demokratische Wählerschaft angewachsen. Biden machte sich deswegen Hoffnung auf einen möglichen Erfolg. In Umfragen vor der Wahl lagen Biden und Trump etwa gleichauf.

Und tatsächlich: In der Wahlnacht hatte laut "New York Times" Trump nur einen kleinen Vorsprung von 2 Prozent (102.134 Stimmen) vor Biden, wobei dort schon über 90 Prozent der Stimmen ausgezählt waren.

Mit einem Ergebnis wurde aber erst am Tag nach der Wahl gerechnet, weil laut "CNN" ein wichtiger Bezirk, zu dem Atlanta und seine bevölkerungsreichen Vorstädte gehören, die Stimmenauszählung unterbrach und erst am Mittwoch um 08.00 Uhr (Ortszeit, 14.00 Uhr MEZ) fortsetzen wollte.

Alle Ergebnisse der US-Wahl finden sie hier.

Quelle: Agenturen / Redaktion / apb