APA - Austria Presse Agentur

Umfrage: ÖVP stürzt ab, bleibt aber stärkste Kraft

13. Okt 2021 · Lesedauer 3 min

Sebastian Kurz ist als Kanzler zurückgetreten. Laut einer aktuellen Umfrage dürfte von der folgenden Regierungskrise vor allem die FPÖ profitieren.

Der Wechsel an der Regierungsspitze schwächt die ÖVP. Würde am Sonntag gewählt werden, käme die Volkspartei nur noch auf 27 Prozent. Das wäre gegenüber der Nationalratswahl von 2019 ein Verlust von rund zehn Prozentpunkten. Dennoch würde das Ergebnis der ÖVP reichen, um den ersten Platz zu belegen. Das geht aus einer Market-Umfrage für den "Standard" hervor.

 

Knapp dahinter würde bei einer Nationalratswahl momentan die SPÖ landen - sie käme laut der Umfrage mit leichten Zugewinnen auf 25 Prozent. Von der Regierungskrise dürfte momentan aber vor allem die FPÖ profitieren: Sie käme auf 21 Prozent, bei der letzten Nationalratswahl kamen die Blauen auf 16,2 Prozent.

NEOS vor Grünen

Auch der Regierungspartner der ÖVP, die Grünen, kämen derzeit nur noch auf 11 Prozent, bei den Nationalratswahlen erreichten sie noch 13,9 Prozent. Die NEOS (13 Prozent) würden die Grünen derzeit erstmals überholen.

Grün-Wähler sehen Grüne gestärkt

Market fragte in der Umfrage auch ab, welche Parteien aus den aktuellen Vorgängen gestärkt und welche geschwächt hervorgehen. Wenig überraschend ist, dass die ÖVP auch in den Augen der Bevölkerung (und selbst in denen ihrer eigenen Wähler) stark gelitten hat. Dasselbe trifft aber auch auf die Grünen zu, die von jedem zweiten Wahlberechtigten als geschwächt gesehen werden – ihre eigene Wählerschaft sieht sie dagegen mehrheitlich als gestärkt an.

Market-Institutschef David Pfarrhofer betont gegenüber dem "Standard", dass Sonntagsfragen immer nur Momentaufnahmen seien. Während eines Wahlkampfes könnten sich die Präferenzen rasch wieder ändern - schließlich könnten sich bis dahin auch die Spitzenkandidaten der Parteien ändern. 

ÖVP-Wähler wollen Kurz an der Spitze

Etwa zwei von drei erklärten ÖVP-Anhängern etwa wünschen sich abermals eine Kandidatur von Kurz, nur jeder neunte ÖVP-Wähler ist für Schallenberg als Spitzenkandidaten. Unter den erklärten Anhängern anderer Parteien zeigen vor allem Freiheitliche und Grüne in hohem Maße Interesse, dass die ÖVP weder mit Kurz noch mit Schallenberg, sondern mit einer anderen Person antritt.

Gut zwei Drittel der Befragten nehmen an, dass Schallenberg nur Platzhalter für Kurz ist. Nur in der ÖVP-Wählerschaft gibt es eine nennenswert große Minderheit, die Schallenberg Eigenständigkeit zutraut. Überhaupt wird dem neuen – zum Zeitpunkt der Befragung erst seit wenigen Stunden angelobten – Kanzler relativ wenig zugetraut. Weniger als die Hälfte der Befragten rechnet bei ihm mit einer guten Amtsführung. Nur 14 Prozent sagen, dass sie ihm das auf jeden Fall zutrauen.

Mehrheit sieht Kurz' Rücktritt als unvermeidbar an

Dabei wird aber gleichzeitig der Abgang von Kurz als richtig gesehen. 77 Prozent sagen, der Rücktritt sei unvermeidlich gewesen – Männer und höher gebildete Befragte betonen das besonders, und selbst von den ÖVP-Wählern sieht das jeder zweite so. 36 Prozent der Bevölkerung sind mehr oder weniger dafür, dass Kurz zurückkehrt, wenn sich die Vorwürfe als gegenstandslos erweisen würden. Die ÖVP-Wählerschaft befürwortet eine Rückkehr von Kurz ins Kanzleramt weitgehend geschlossen – die Anhänger anderer Parteien sind mit großer Mehrheit der Ansicht, dass Kurz selbst dann nicht zurückkehren sollte, wenn er von allen Vorwürfen reingewaschen wird.

Durchgeführt wurde die Online-Befragung von Market mit 800 Beteiligten von 11. bis 12. Oktober, also nach dem Rücktritt von ÖVP-Obmann Sebastian Kurz als Bundeskanzler.

Quelle: Redaktion / koa