Ukraine: Wenn Amateur-Kämpfer in den Krieg ziehen

11. März 2022 · Lesedauer 4 min

Sowohl Russland als auch die Ukraine sprechen im Krieg immer mehr über angebliche Kämpfer aus Drittstaaten, die sich ihnen anschließen würden. Das ist teils Propaganda, teils gibt es diese Personen wirklich. Ihre Absichten könnten unterschiedlicher nicht sein.

So groß derzeit die Fluchtbewegungen aus der Ukraine sind - einige nehmen auch die andere Richtung. Glaubt man den Informationen beider Kriegsparteien, dann entschließen sich immer mehr Menschen aus anderen Ländern, in der Ukraine zu kämpfen.

Tatsächlich hat PULS 24 an der polnisch-ukrainischen Grenze sogenannte Söldner getroffen. Ihre Motive könnten unterschiedlicher nicht sein. Henrik und Kristian etwa kommen aus Skandinavien. Sie wollen in die Ukraine - vorerst, um zu helfen, wenn es nötig ist, wollen sie auch kämpfen.

"Das ist auch unser Kampf"

Das müssen sie aber erst entscheiden, sagen sie. "Das ist vor unserer Haustüre. Von da wo wir herkommen ist das hier näher als Paris. Wenn Russland Schweden angreift dann wissen wir jetzt, wie das aussehen würde. Das ist auch unser Kampf. Das ist für uns genauso wichtig hier mitzumachen, wie in Schweden zu kämpfen", sagt etwa Kristian. Angst haben die beiden keine. Sagen sie zumindest. "Wir sind in der schwedischen Armee ausgebildet. Das ist nicht neu für uns", so Henrik.

Ein Australier, der sich Mr. List nennt, schildert wiederum: "Ich weiß nicht genau, was passieren wird, aber ich möchte nicht mehr dort leben wo ich gelebt habe in Australien, wo ich mir einen Job suchen müsste". Er sei noch jung und möchte sich "ausleben". "Und dann wenn ich älter bin, möchte ich wieder nach Australien zurückkehren und den australischen Traum leben. Aber jetzt möchte ich noch die Welt entdecken". Er hat keine Kampferfahrung. Seine Eltern wissen nicht, dass er vor hat, in der Ukraine zu kämpfen.

Kämpfen in der Ukraine: "Das ist auch unser Krieg"

Es kommen aber auch Ukrainer an die Grenze, die eigentlich schon länger im Ausland leben. Einer kommt aus Spanien und schildert: "Am Montag werden wir uns im Rekrutierungsbüro melden. Und danach folgen wir den Vorgaben der Regierung." Es sind teilweise erfahrene Krieger, aber auch junge Menschen ohne jegliche Kriegserfahrung, die sich freiwillig melden.

Propaganda und Kanonenfutter

Seit Ausbruch des Krieges nutzen beide Kriegsparteien ausländische Söldner für ihre Propaganda. Der russische Präsident etwa wirbt seit Neuestem um Söldner aus dem Nahen Osten: Wenn es Menschen gibt, die freiwillig und kostenlos dorthin gehen, dann "sollten wir ihnen den Wunsch erfüllen und ihnen helfen, das Kampfgebiet zu erreichen, sagte der russische Machthaber am Freitag. Syrien soll laut Angaben Russlands Propaganda rund 16.000 Söldner zur Verfügung stellen. 

Andere Kämpfer aus dem Ausland wiederum schließen sich den Kriegsparteien aus ideologischen Gründen an. Ein mögliches Ziel ist die ukrainische Splittergruppe "Azow". "Das sind sehr rechtsnationale, rechtsextremistisch gesinnte Truppen, die auch entsprechende Abzeichen tragen und sich sozusagen wie eine bessere Wehrsportgruppe dort bewegen", erklärt der Terrorismus-Experte Nicolas Stockhammer. Diese Truppen könnten daher ein Anziehungspunkt für rechtsextreme Gruppen und Milizen aus Ganz Europa sein, sagt der Experte.

Syrische Kämpfer könnten als "Kanonenfutter vorgeschickt werden"

Klar ist jedoch: Wer sich an den Kampfhandlungen beteiligt, dem droht der Verlust seiner Staatsbürgerschaft. Und die viel größere Problematik: Viele lassen sich auf etwas ein, wo sie nicht wissen, was da eigentlich dahintersteckt", so Stockhammer. Auch er sagt, dass es unterschiedliche Typen geben würde, die sich kämpfen anschließen könnten. Neben selbsternannten "Kriegsabenteurern" und Söldnern, die das gegen Geld machen, können eben auch Extremisten dabei sein. Gemeinsam sei ihnen, dass sie oft in Bataillons landen würden, die "große Verluste" erleiden würden und als "Kanonenfutter" eingesetzt werden könnten, so Stockhammer. 

Das Innenministerium teilte PULS 24 zuletzt jedenfalls mit, dass die Ausreise von Österreichern in Richtung Krieg in der Ukraine noch nicht bekannt sei, man die Entwicklungen aber beobachten würde.

Quelle: Redaktion