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Ukraine-Krieg: "Maximale Intensität" bei Kämpfen um Donbass

26. Mai 2022 · Lesedauer 3 min

Um den Donbass im Osten der Ukraine wird nach Angaben aus Kiew immer erbitterter gekämpft. "Der Kampf hat seine maximale Intensität erreicht", sagte Vize-Verteidigungsministerin Ganna Malyar am Donnerstag.

 "Die feindlichen Truppen stürmen die Positionen unserer Truppen gleichzeitig aus mehreren Richtungen." Angesichts dieses Vorrückens der russischen Armee hätten die ukrainischen Soldaten "eine extrem schwierige und lange Kampfphase" vor sich.

Russland hat seine Truppen aus dem Zentrum und Norden der Ukraine in den Osten verlagert, um dort seine militärischen Erfolge zu konsolidieren. Seitdem dringen russische Soldaten langsam, aber stetig immer tiefer in die Donbass-Region vor. Strategisch wichtige Städte wie Sewerodonezk und Lysytschansk werden von der russischen Armee belagert.

"Die Lage bleibt schwierig, und es gibt Anzeichen für eine weitere Verschärfung", sagte Malyar bei einer Pressekonferenz. "Wir müssen begreifen, dass das ein Krieg ist, und dass, leider, Verluste auf unserer Seite unvermeidlich sind."

Schwere Schäden an ziviler Infrastruktur

Der Gouverneur der zum Donbass gehörenden Region Luhansk, Serhij Gajdaj, schilderte in einer Videobotschaft im Messengerdienst Telegram, "schwere" russische Bombardements auf Lysytschansk hätten schwere Schäden an ziviler Infrastruktur angerichtet, darunter an einem Zentrum für humanitäre Hilfe. Bei den jüngsten russischen Angriffen kamen demnach drei Menschen ums Leben.

Tödliche russische Angriffe wurden auch aus der ostukrainischen Stadt Charkiw gemeldet. Bei russischen Bombardements seien nach vorläufigen Angaben vier Menschen getötet und sieben weitere verletzt worden, teilte Regionalgouverneur Oleg Sinegubow am Donnerstag via Telegram mit. Er rief die Bewohner auf, in Schutzräumen zu bleiben. Die ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform sprach von zehn Verletzten, darunter einem Kind.

Welche Stadtteile von den Angriffen betroffen waren, teilte Sinegubow nicht mit. Wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete, wurde ein Wohngebiet im Viertel Pawlowe Pole im nördlichen Zentrum von Charkiw angegriffen.

Bangen in Charkiw

Charkiw, das unweit der Grenze zu Russland im Nordosten der Ukraine liegt, war zu Beginn des russischen Angriffskriegs vor gut drei Monaten schwer beschossen worden. Mitte Mai kehrte in der Stadt, in der vor dem Krieg etwa eineinhalb Millionen Menschen gelebt hatten, aber relative Ruhe ein, weil Russland die Eroberung der Stadt aufgab und seine Truppen weiter in den Osten und den Süden der Ukraine verlegte.

Nach AFP-Informationen hält die russische Armee aber immer noch Stellungen im Osten von Charkiw, die sie für Angriffe auf den Ostteil der Stadt sowie auf umliegende Dörfer nutzt. In Vorbereitung auf eine erneute russische Offensive haben die Menschen in Charkiw Sperren aus Betonblöcken und Sandsäcken errichtet und Kontrollpunkte an Straßen eingerichtet.

Auch Kiew weiter bedroht

Zur Sicherheitslage in Kiew sagte Vize-Verteidigungsministerin Malyar, auch die Hauptstadt sei weiterhin bedroht: "Denn Kiew zu zerstören und die ukrainische Regierung zu stürzen, ist der schnellste Weg, die Ukraine zu erobern." Auch Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko sagte am Donnerstag beim Weltwirtschaftsforum in Davos, er könne den Bewohnern seiner Stadt "keine Sicherheitsgarantien" geben.

Nach Angaben von Reuters räumte ein ukrainischer General am Donnerstag ein, dass Russland in der Region Luhansk überlegen sei. "Russland ist im Vorteil, aber wir tun alles, was wir können", sagte General Olexij Gromow. Die Ukraine habe demnach zudem beobachtet, dass Russland Iskander-K-Raketensysteme in die Region Brest im Westen Belarus' verlege. Dies könnte neue Angriffe auf den Westen der Ukraine bedeuten.

Quelle: Agenturen