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Ukraine-Konflikt: "Begrenzter Angriff" Russlands wahrscheinlich

16. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

Der estnische Geheimdienst hält es nach eigenen Angaben für wahrscheinlich, dass Russland einen "begrenzten Angriff" auf die Ukraine startet und dort Schlüsselgebiete besetzt. In der Ukraine wird währenddessen ein isolierter Betrieb des Stromnetzes getestet.

"Derzeit gehen wir davon aus, dass sie bevölkerungsreiche Städte meiden werden, weil die Kontrolle dieser Gebiete viele Kräfte benötigen würde", sagt der Chef des Außengeheimdienstes, Mikk Marran, bei der Vorlage des Jahresberichtes.

Russische Flieger haben am Wochenende nach US-Angaben über dem Mittelmeer drei Flugzeuge der US-Marine abgefangen und sich dabei in einem Fall der Maschine gefährlich genähert. Bei verschiedenen Vorfällen seien drei US-Seefernaufklärer vom Typ P-8A auf "unprofessionelle" Weise abgefangen worden, erklärte ein Pentagon-Sprecher am Mittwoch. Die US-Flugzeuge hätten sich jeweils "im internationalen Luftraum über dem Mittelmeer" befunden.

Flugzeuge an der Grenze

Nach Angaben eines US-Vertreters kam ein russisches Flugzeug einem US-Flieger in einem Fall gefährlich nahe. Das "Wall Street Journal" sprach von einem Abstand von nur eineinhalb Metern. Demnach handelte es sich bei den russischen Flugzeugen um Kampfjets vom Typ Su-35.

"Es kam zwar niemand zu Schaden, aber solche Interaktionen könnten zu Fehleinschätzungen und Fehlern verleiten, die zu einem gefährlicheren Ergebnis führen", erklärte der Sprecher des US-Verteidigungsministeriums. Die USA hätten gegenüber Russland über "diplomatische Kanäle" protestiert.

Die USA würden weiterhin "sicher, professionell und in Übereinstimmung mit dem internationalen Recht in internationalen Gewässern und im internationalen Luftraum operieren", fügte der Sprecher hinzu. "Und wir erwarten von Russland das gleiche."

Isoliertes Stromnetz

In der kommenden Woche will die Ukraine erstmals einen von Russland, Belarus und der EU isolierten Betrieb des eigenen Stromnetzes testen. Der Test ist vom 24. bis 26. Februar geplant, teilte der staatliche Stromnetzbetreiber Ukrenerho am Mittwoch mit. Die Ukraine will sich dabei gemeinsam mit der benachbarten Republik Moldau ohne die Nachbarn mit Strom versorgen. Der Vorgang sei nicht als ein Stresstest zu verstehen, betonte das Unternehmen.

Nach einem weiteren Abkopplungstest im Sommer will sich die Ex-Sowjetrepublik ab dem kommenden Jahr dauerhaft dem Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) anschließen. Damit soll auch beim Stromnetz ein Bruch mit der sowjetischen Vergangenheit vollzogen werden. Seit 2003 ist bereits ein Teil des Stromnetzes in der Westukraine mit den westlichen Nachbarn synchronisiert. Zuletzt hatte Kiew jedoch mangels Kohle und Erdgas auf Stromimporte aus Belarus zurückgreifen müssen.

Separatistengebiete bereits abgetrennt

Die seit 2014 unter Kontrolle von Separatisten stehenden Teile der ostukrainischen Gebiete Donezk und Luhansk an der russischen Grenze wurden von Kiew bereits 2017 abgetrennt. Ein 2015 mit deutsch-französischer Vermittlung vereinbarter Friedensplan sieht eigentlich eine wirtschaftliche Reintegration der Region vor.

Quelle: Agenturen / Redaktion / foj