APA - Austria Presse Agentur

Über 40.000 Teilnehmer und einige Festnahmen bei Anti-Corona-Demos in Wien

04. Dez 2021 · Lesedauer 3 min

Die größte Anti-Corona-Demo fand entlang der Ringstraße in Wien statt. Eine Gruppe von Demonstranten durchbrach eine Polizeisperre bei der Urania am Schwedenplatz. Es kam zu einigen Festnahmen.

Regen Zulauf gab es Samstag Mittag zu diversen Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen in Wien. Der lange Haupt-Demozug bewegte sich vom Heldenplatz über die Ringstraße. Rund 1.200 Polizisten waren im Einsatz. Laut Polizei wurden einige Demonstranten wegen des Verdachts des Widerstandes gegen die Staatsgewalt festgenommen.

Gegen 17.30 Uhr begann sich der große Demozug aufzulösen, anschließend zogen noch größere Gruppen zum Ballhausplatz und Heldenplatz, wo zu lauter Musik gefeiert wurde.
PULS 24 Reporter Paul Batruel berichtet davon, dass die Polizei dann auch mehrere Demonstranten wegen Verstößen gegen die FFP2-Maskenpflicht abgeführt hat.

Die Polizei revidierte am frühen Abend ihre Schätzung zu den Teilnehmerzahlen. Über 40.000 Menschen nehmen demnach an den Protesten teil - zuvor hatte die Polizei von rund 10.000 Menschen gesprochen. Die Teilnehmerzahl bei den Gegendemos wurde von der Exekutive auf rund 1.500 geschätzt.

Demonstranten durchbrechen Polizeisperre

Die Anti-Corona-Demo bewegte sich Richtung Urania am Wiener Schwedenplatz. Dabei durchbrach die Spitze der Demo, angeführt von Rechtsextremen, beim zweiten Versuch eine Polizeisperre. Die Polizei wollte die Impfgegner-Demo eigentlich Richtung dritten Wiener Bezirk umleiten, um einen Zusammenstoß mit der Gegendemo zu verhindern. Trotz des Durchbruchs gelang es den Aggressoren nicht durchzudringen, da die Polizei Absperrgitter aufgestellt hat. 

Kurz nach dem Zwischenfall setzte die WEGA Pfefferspray gegen die Demonstranten ein. Immer wieder kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Dabei warfen Demonstranten auch pyrotechnische Gegenstände in Richtung der Polizei. Kurz nach 15 Uhr wurde der Demonstrationszug mittels einer Polizeikette beim Stadtpark gestoppt. Auf beiden Seiten der Sperre befanden sich Demonstranten.

Die lauteste Kritik der Maßnahmengegner richtete sich gegen die geplante Impfpflicht - Transparente verkündeten etwa "Impfungen sind Völkermord" oder "Ungeimpft = natürlich gesund". Immer wieder trennten sich kleinere und größere Abordnungen vom Demozug, was die Lage unübersichtlich machte.

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Der Medizinhistoriker Herwig Czech im PULS 24 Interview über die Anti-Corona-Demos in Wien.

Häufig gesehene Utensilien waren "Nein zum Impfzwang"-Transparente. Ein großer Teil der Teilnehmer trug Österreich-Fahnen, zu sehen waren aber auch steirische sowie ausländische Flaggen - vereinzelt auch Symbole der QAnon-Verschwörungstheoretiker. Viele Personen dürften aus den Bundesländern angereist seien, dementsprechend häufig waren diverse Dialekte zu hören. Rechte Abordnungen gehörten genauso zum Bild wie offenbar direkt aus dem Bewusstseinsseminar angereiste Trommelgruppen.

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Unter den Teilnehmern befanden sich viele Familien mit Kindern - dementsprechend auch zahlreiche Transparente wie "Für die Liebe, für die Kinder und alle Menschen". Auch Aufschriften wie "Wir sind keine Leibeigenen und keine Untertanen" oder "Wir denken selbst" bzw. diverse Abwandlungen davon wurden getragen. Nicht ganz auf der Höhe der Zeit waren dagegen jene mit traditionellen "Kurz muss weg"-Plakaten - einer behalf sich kurzerhand mit dem Durchstreichen des "muss" und einem darübergeschmierten "ist". Beschallt wurde das Ganze mit selbstgetextetem impfkritischem Rap und umgetexteten Kinderliedern.

Gegendemo am Stephansplatz

Die Gegendemonstranten starteten ihre Kundgebung am Stephansplatz. Motto dort: "Mund-Nasen-Schutz aufsetzen. Gegen Nazis, Staat und Kapital". Mehrere Hundert Demonstranten nehmen laut PULS 24 Reporter Paul Batruel an der Demo teil.

Wegen der zahlreichen Märsche kommt es zu umfangreiche Verkehrsbehinderungen. Laut ÖAMTC muss bis voraussichtlich 18 Uhr mit zeitweisen Sperren von Franz-Josefs-Kai und Ring gerechnet werden.

Quelle: Agenturen