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Tsipras bereitet Vorstellung seiner neuen Linkspartei vor

07. Feb. 2026 · Lesedauer 4 min

Der frühere griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras treibt die Vorbereitungen für die Gründung einer neuen politischen Partei voran. Nach Informationen aus seinem engeren Umfeld soll der formale Start des neuen politischen Projekts ab Mai erfolgen. Ziel ist die programmatische Zusammenführung dreier politischer Strömungen: der Sozialdemokratie, der radikalen Linken und der politischen Ökologie. Ein erster Entwurf wird bereits für Ende März erwartet.

An dem Text arbeite eine Gruppe von Intellektuellen und Politikberatern um den Politikwissenschafter Giorgos Siakantaris, hieß es. Siakantaris ist wissenschaftlicher Direktor von ISTAME (Institut für Strategische und Entwicklungsstudien "Andreas Papandreou"), einer Denkfabrik, die eng mit der sozialdemokratischen Partei PASOK verbunden ist. Er war früher auch Teil einer linken Reformbewegung innerhalb der PASOK. Bis spätestens zum 25. April soll ein zentrales programmatisches Dokument abgeschlossen sein, das als politische Grundsatzerklärung der neuen Partei gilt.

Mit dem Abschluss des Programms sollen in einem nächsten Schritt Name, Symbol und Organisationsstruktur der neuen Partei vorgestellt werden. Parallel dazu intensiviert der ehemalige Vorsitzende der linkspopulistischen SYRIZA-Partei seine öffentlichen Auftritte. Tsipras betonte jüngst, dass er sich nicht von aktuellen Umfragewerten oder dem politischen Momentum anderer Akteure leiten lasse. Stattdessen rücke er programmatische Tiefe und institutionelle Reformen in den Vordergrund. Politische Beobachter sehen vor allem die personelle Zusammensetzung des neuen Projekts als aktuell größte Herausforderung.

Alexis Tsipras (51) war von 2015 bis 2019 während der Staatsschuldenkrise und dem damit verbundenen Konflikt mit der EU Ministerpräsident Griechenlands. Er führte das Land durch die letzte Phase der internationalen Rettungsprogramme. Der linkspopulistischen Partei SYRIZA stand er von 2008 bis 2023 vor.

Mit dem neuen politischen Projekt versucht er nun, einen breiteren progressiven Pol jenseits der bestehenden Parteistrukturen zu formieren. Zentrale Begriffe seines aktuellen politischen Narrativs sind "neue politische Konzepte, die Erneuerung staatlicher Institutionen sowie eine gerechtere Steuerpolitik, die insbesondere große Vermögen stärker belasten soll".

Zuletzt sorgte Tsipras etwa mit der Veröffentlichung eines Buchs mit dem Titel "Ithaka" für Schlagzeilen. In dem fast 800 Seiten dicken Wälzer schildert der ehemalige Chef der linkspopulistischen SYRIZA-Partei seine Sicht der turbulenten Regierungszeit während der Finanz- und Wirtschaftskrise vor rund zehn Jahren.

Auch Mutter von Tempi-Opfer will Partei gründen

In Griechenland zeichnet sich überhaupt eine Neuordnung der Parteienlandschaft ab. Maria Karystianou, Mutter eines Opfers des Zugunglücks von Tempi, will bei den nächsten Wahlen mit einer neuen Partei antreten. Karystianous Popularität liegt laut Medien in Umfragen bei 33 Prozent und damit vor Premier Kyriakos Mitsotakis (26 Prozent) von der konservativen Nea Dimokratia (ND) sowie allen anderen Spitzenpolitikern.

Beim Bahnunglück von Tempi war am 28. Februar 2023 ein Passagierzug, in dem vor allem junge Leute, die meisten Studentinnen und Studenten, unterwegs waren, mit einem Güterzug in der Nähe der Tempi-Schlucht im Zentrum des Landes zusammengestoßen. 57 Menschen kamen ums Leben, zahlreiche weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Die juristische Untersuchung des Unglücks verlief äußerst schleppend, Teile der Zivilgesellschaft warfen der konservativen Regierung von Mitsotakis vor, die Ursachen des Zugunglücks vertuschen zu wollen.

Im März 2025 kam es zu einem Misstrauensvotum gegen die Regierung, das sie vor allem mit Stimmen aus dem eigenen Lager knapp überstand. Zudem gab es mehrere Massenprotestkundgebungen, bei denen die Kinderärztin Maria Karystianou, die bei dem Unglück ihre Tochter verloren hatte, für bewegende Auftritte sorgte.

Ex-Premier Samaras plant Comeback im rechten Parteienspektrum

Zudem arbeitet laut Medien mit Antonis Samaras ein weiterer Ex-Regierungschef an einem Comeback. Samaras war in den Jahren 2009 bis 2015 Vorsitzender der Regierungspartei Nea Dimokratia (ND) und zwischen 2012 und 2015 Ministerpräsident. Jetzt dürfte er versuchen, der ND selbst, aber auch rechtspopulistischen Parteien wie NIKI (Sieg) oder Elliniki Lysi (Griechische Lösung) Wählerinnen und Wähler abspenstig zu machen.

Zusammenfassung
  • Alexis Tsipras plant ab Mai die Gründung einer neuen Linkspartei, die Sozialdemokratie, radikale Linke und politische Ökologie vereinen soll, wobei das programmatische Grundsatzdokument bis spätestens 25. April vorliegen wird.
  • Maria Karystianou, Mutter eines Opfers des Tempi-Zugunglücks mit 57 Toten, will mit einer eigenen Partei antreten und liegt laut Umfragen mit 33 Prozent vor Premier Kyriakos Mitsotakis, der auf 26 Prozent kommt.
  • Auch Ex-Premier Antonis Samaras bereitet ein politisches Comeback im rechten Parteienspektrum vor, um der konservativen ND und rechtspopulistischen Parteien Wähler abzuwerben.