Nach Protesten in Minneapolis will Trump "deeskalieren"
Trump betonte, die angestrebte Deeskalation stelle keinen "Rückzug" der Bundesbehörden aus Minnesota dar, sondern eine "kleine Änderung". Sein Grenzschutzbeauftragter Homan habe sich mit Minneapolis' demokratischem Bürgermeister Jacob Frey und Minnesotas demokratischem Gouverneur Tim Walz getroffen, teilte der US-Präsident mit. "Ich höre, die Dinge laufen sehr gut", sagte Trump. Frey erklärte nach dem Treffen mit Homan, er habe mit ihm über die "ernsthaften negativen Auswirkungen dieses Einsatzes auf Minneapolis" gesprochen und betont, dass die Stadt die Einwanderungsgesetze der Bundesregierung nicht umsetzen werde.
Bezüglich des erschossenen Pretti schlug Trump zurückhaltendere Töne an. Er lehne die Verunglimpfung des 37-Jährigen als "Attentäter" ab, sagte Trump vor Journalisten. Zugleich kritisierte er, dass Pretti eine Schusswaffe getragen habe. "Man darf keine Waffen haben, man darf nicht mit Waffen hereinlaufen, das geht nicht. Mir gefällt nicht, dass er eine Waffe hatte, mir gefällt nicht, dass er zwei vollständig geladene Magazine hatte", sagte der US-Präsident bei einer Rede im US-Staat Iowa, wo er bei einer Wahlkampfveranstaltung um die Gunst der Wähler warb. Mit dem Auftritt wollte der Republikaner seine ländliche Basis vor den wichtigen Kongresswahlen im November stärken.
In Minneapolis setzte die Einwanderungsbehörde ICE unterdessen ihre Razzien fort. Das Außenministerium Ecuadors verurteilte den Versuch eines ICE-Mitarbeiters, in das ecuadorianische Konsulat in Minneapolis einzudringen. Mitarbeiter des Konsulats hätten den Zutritt des ICE-Vertreters verhindert, um "die Ecuadorianer zu schützen, die sich zu diesem Zeitpunkt in dem Konsulat aufhielten", erklärte das ecuadorianische Außenministerium. Die Regierung von Präsident Daniel Noboa, einer der engsten Verbündeten Trumps in Lateinamerika, richtete wegen des Vorfalls eine Protestnote an die US-Botschaft in Quito.
Die Empörung über die Tötung Prettis hatte zuvor offenbar zu personellen Konsequenzen geführt: Bürgermeister Frey kündigte nach einem Telefonat mit Trump für Dienstag den Abzug einer nicht genannten Zahl von Einsatzkräften an.
US-Medien zufolge soll außerdem Grenzschutzkommandeur Gregory Bovino Minneapolis verlassen, der als Gesicht des harten Vorgehens gegen Migranten wie Demonstranten gilt. Trump schien teilweise auf Distanz zu dem umstrittenen Bovino zu gehen. Dieser sei "sehr gut", aber auch "ein ziemlich unkonventioneller Typ", sagte Trump bei Fox News. "In manchen Fällen ist das gut, hier war es vielleicht nicht gut."
Trump hatte zuletzt in Veröffentlichungen auf seinem Onlinedienst Truth Social eine Kehrtwende angedeutet und sich zur Zusammenarbeit mit den eigentlich verfeindeten Demokraten bereit erklärt. Das wurde als Abkehr von der harten Linie von Heimatschutzministerin Kristi Noem verstanden, die bisher auf eine Konfrontation mit Migranten und Demonstranten gesetzt hatte.
Trump unter Druck
Der US-Präsident geriet nach Prettis Tötung und den tödlichen Schüssen auf die unbewaffnete Autofahrerin Renee Good am 7. Jänner angesichts sinkender Umfragewerte auch in den eigenen Reihen unter Druck. Der zuletzt Trump-kritische Senator der Republikaner, Rand Paul, forderte im Onlinedienst X, alle an den Tötungen beteiligten Einsatzkräfte "bis zum Abschluss einer unabhängigen Untersuchung zu beurlauben".
Der Kongressausschuss für Innere Sicherheit, dem Paul vorsitzt, lud zudem die Leiter von drei US-Einwanderungsbehörden vor. Der Leiter der Einwanderungsbehörde ICE, Todd Lyons, der Leiter der Grenzschutzbehörde Customs and Border Protection (CBP), zu der die Grenzkontrolleinheit Border Patrol gehört, Rodney Scott, sowie der Leiter der Einwanderungsbehörde USCIS, Joseph Edlow, sollen am 12. Februar vor dem Ausschuss aussagen.
Die Demokraten verfügen als Druckmittel über den Bundeshaushalt: Parteimitglieder im US-Senat drohen der Trump-Regierung mit einer neuen Haushaltssperre ab Freitagabend, sollten die Auflagen für die Einsatzkräfte nicht verschärft werden. Der nach dem letzten "Shutdown" im November verabschiedete Übergangshaushalt läuft am 30. Jänner aus. Für eine Verlängerung braucht die Regierung die Stimmen der Demokraten.
Trump-Sprecherin Karoline Leavitt hatte am Montag verkündet, das Heimatschutzministerium sowie die Bundespolizei FBI untersuchten die tödlichen Schüsse auf Pretti, die Grenzschutzbehörde CBP habe zudem eine "interne Prüfung" eingeleitet. Von schärferen Auflagen für die Einsatzkräfte war hingegen nicht die Rede. Trump forderte eine "ehrenvolle und ehrliche Untersuchung".
Ein Grenzschützer hatte am Samstag am Rande einer Abschiebe-Razzia in Minneapolis den 37-jährigen Krankenpfleger Pretti erschossen. Das Heimatschutzministerium sprach von "Abwehrschüssen". Videoaufnahmen zeigen den bereits überwältigten Pretti jedoch am Boden und lassen erhebliche Zweifel an dieser Darstellung aufkommen. Ein ICE-Beamter hatte zudem am 7. Jänner tödliche Schüsse auf die unbewaffnete Mutter Good abgegeben.
Omar bei Rede mit unbekannter Flüssigkeit bespritzt
Dienstagabend (Ortszeit) wurde die demokratische US-Kongressabgeordnete Ilhan Omar bei einer Rede in Minneapolis von einem Mann mit einer unbekannten Flüssigkeit aus einer Spritze besprüht. Der Mann wurde von einem Sicherheitsbeamten zu Boden geworfen und abgeführt, wie eine AFP-Journalistin beobachtete. Omar, die häufig von Trump attackiert wird, setzte ihre Rede nach dem Angriff fort.
Die Abgeordnete fuhr fort: "Wir werden standhaft bleiben, egal was sie uns auch entgegenwerfen mögen." Der Vorfall ereignete sich bei einer Bürgerversammlung.
Zusammenfassung
- Nach tagelangen Protesten in Minneapolis wegen der tödlichen Schüsse auf den 37-jährigen Krankenpfleger Alex Pretti fordert US-Präsident Donald Trump eine Deeskalation und spricht sich gegen Waffen bei Demonstrationen aus.
- Trumps Grenzschutzbeauftragter Tom Homan traf sich mit dem demokratischen Bürgermeister Jacob Frey und dem Gouverneur Tim Walz, wobei Frey die negativen Auswirkungen des Einsatzes kritisierte und die Umsetzung der Einwanderungsgesetze ablehnte.
- Die Einwanderungsbehörde ICE setzt ihre Razzien in Minneapolis fort, während ein Vorfall im ecuadorianischen Konsulat zu diplomatischen Spannungen zwischen Ecuador und den USA führte.
- Bürgermeister Frey kündigte nach einem Gespräch mit Trump für Dienstag den Abzug einer nicht genannten Zahl von Einsatzkräften an, zudem soll Grenzschutzkommandeur Gregory Bovino Minneapolis verlassen.
