APA/APA/AFP/ATTA KENARE

Treffen mit Putin: Erdoğan in Sotschi

04. Aug. 2022 · Lesedauer 3 min

Der russische Präsident Wladimir Putin hat dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdoğan für die Vermittlung zum Abschluss des Getreide-Abkommens gedankt. Erdoğan habe nicht nur die Wiederaufnahme der ukrainischen Getreidelieferungen aus den Schwarzmeerhäfen befördert, sagte Putin bei einem Statement mit seinem Amtskollegen in Sotschi vor gemeinsamen Gesprächen am Freitag.

Die beiden Präsidenten trafen sich in der russischen Schwarzmeer-Stadt zum persönlichen Gespräch, hieß es aus dem türkischen Präsidialamt im Vorfeld. Eine Pressekonferenz nach dem Treffen sei vorerst nicht geplant, lautete es von beiden Seiten.

Nach Einschätzung von Experten werde es in den Gesprächen neben dem Krieg in der Ukraine vor allem um die türkischen Pläne zu einer neuen Offensive in Nordsyrien gehen. Russland ebenso wie der Iran, beide Akteure im syrischen Bürgerkrieg, hatten der Türkei von einem solchen Schritt abgeraten.

Situation in Syrien

Die Türkei hält bereits Gebiete in Nordsyrien besetzt und begründet eine erneute Offensive mit "terroristischer Bedrohung" von Seiten der syrischen Kurdenmiliz YPG, die Ankara als Terrororganisation ansieht.

Der Kreml warnte am Freitag die Türkei erneut vor einer Destabilisierung Syriens durch eine neue Militäroffensive. "Die Türkei hat aus Sicherheitsgründen berechtigte Interessen, die wir natürlich berücksichtigen", sagte Sprecher Dmitri Peskow am Freitag. Es sei aber "sehr wichtig, keine Maßnahmen zuzulassen, die zu einer Destabilisierung der Situation in Syrien führen oder die territoriale und politische Integrität Syriens gefährden könnten".

Laut Kreml soll in Sotschi auch über militärtechnische Zusammenarbeit gesprochen werden. Russland hatte kürzlich Interesse an der im Ukraine-Krieg auch von Kiew erfolgreich eingesetzten türkischen Kampfdrohne Bayraktar TB2 gezeigt. Putin habe vorgeschlagen, gemeinsam mit der Türkei an den Drohnen des Unternehmens Baykar zu arbeiten, zitierte der Sender CNN Türk Erdoğan. Eine entsprechende Fabrik könne in den Vereinigten Arabischen Emiraten gegründet werden.

Waffenhandel mit Russland nicht ausgeschlossen

Laut dem Kreml stehen auch mögliche Verkäufe von Kampfdrohnen des NATO-Mitglieds Türkei auf der Tagesordnung. Türkische Quellen bestätigten das vorerst nicht. Erdoğan hatte bereits kurz nach Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine gesagt, er schließe Waffengeschäfte mit Russland nicht aus.

Enge Beziehungen

Erdoğans Schwiegersohn Selçuk Bayraktar ist technischer Direktor (CTO) des Drohnenherstellers, der von seinem Vater Özdemir Bayraktar gegründet worden war. Sein Bruder Haluk Bayraktar, Generaldirektor (CEO) von Baykar, ist ein prononcierter Unterstützer der Ukraine und hatte in einem CNN-Interview im Juli dem Verkauf von Bayraktar-Drohnen an Russland eine Absage erteilt.

Die Türkei pflegt sowohl zur Ukraine als auch zu Russland enge Beziehungen und sieht sich als Vermittler zwischen beiden Parteien. Unter Vermittlung der Vereinten Nationen und der Türkei einigten sich beide Kriegsparteien zuletzt, die Ausfuhr von Getreide aus drei blockierten ukrainischen Häfen wieder aufzunehmen.

Quelle: Agenturen