APA/APA/AFP (Archivbild vom 1. März 2025)/PATRICK MEINHARDT

Touadéra wieder Präsident der Zentralafrikanischen Republik

06. Jan. 2026 · Lesedauer 3 min

Der Präsident der Zentralafrikanischen Republik, Faustin-Archange Touadéra, der sich auf russische Paramilitärs stützt, ist laut Wahlbehörde wiedergewählt worden. Er habe gemäß vorläufigem Ergebnis 76,15 Prozent der Stimmen erzielt, wurde in der Nacht auf Dienstag mitgeteilt. Seine wichtigsten Konkurrenten, die früheren Ministerpräsidenten Anicet-Georges Dologuélé und Henri-Marie Dondra, kamen demnach auf rund 15 beziehungsweise drei Prozent. Beide sprachen von Wahlbetrug.

"Es gab einen methodischen Versuch, das Ergebnis zu manipulieren", hatte Dologuélé bereits vor der Bekanntgabe der Ergebnisse am Freitag gesagt. Touadéra war als Favorit in die Präsidentschaftswahl gegangen. 52,43 Prozent der Wähler gaben demnach bei der Wahl Ende Dezember ihre Stimmen ab, bei der auch die Volksvertretungen auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene bestimmt wurden.

Dologuélé und Dondra kündigten an, die zuständigen Institutionen anzurufen. Der Verfassungsrat hat zwei Wochen Zeit, Einsprüche zu prüfen. Sollte er die Ergebnisse bestätigen, tritt Touadéra eine dritte, nun erstmals siebenjährige Amtszeit an. Der 68 Jahre alte Mathematiker ist seit 2016 im Amt und hatte sich 2023 in einem Verfassungsreferendum die Möglichkeit weiterer Amtszeiten gesichert. Mehrere Oppositionsparteien riefen zum Boykott der Wahl auf. Kritiker werfen der Regierung Einschränkungen der politischen Freiheiten vor.

Der 68-jährige Touadéra machte geltend, dass er das Land in seinen bisherigen zwei Amtszeiten nach einem Bürgerkrieg - mithilfe Russlands und ruandesischer Soldaten - stabilisiert habe. Schon Touadéras Wiederwahl 2020 war von Betrugsvorwürfen überschattet gewesen. Kritik erntete er außerdem für die Durchsetzung einer neuen Verfassung im Jahr 2023, die ihm den Verbleib im Amt erlaubt. Ein Teil der Opposition boykottiert die Wahlen und kritisiert sie als Farce.

Russische Hilfe sorgte für fragile Ruhe

Die Zentralafrikanische Republik zählt trotz reicher Bodenschätze wie Diamanten und Gold zu den ärmsten Ländern der Welt. Das Land mit rund 5,5 Millionen Einwohnern ist seit mehr als einem Jahrzehnt von Gewalt geprägt. Die UNO-Friedensmission MINUSCA sowie militärische Unterstützung aus Ruanda und Russland hatten in den vergangenen Jahren zu einer Stabilisierung beigetragen.

Die Sicherheitslage gilt jedoch weiter als fragil. Rebellen sind weiter im Land aktiv. Russischen Söldnern werden schwere Verbrechen vorgeworfen. In diesem Jahr schloss die Regierung mehrere Abkommen mit Rebellengruppen, was vor den Wahlen für eine vergleichsweise ruhige Lage sorgte. Kritiker zweifeln jedoch an der Nachhaltigkeit dieser Vereinbarungen.

Nach der Bekanntgabe der vorläufigen Ergebnisse riefen politische Akteure, Vertreter der Zivilgesellschaft und internationale Partner zur Ruhe auf. In der Hauptstadt Bangui waren Sicherheitskräfte präsent, darunter gemeinsame Patrouillen von Regierungstruppen und MINUSCA. Auf den Straßen sei die Stimmung ausgelassen, berichtete ein dpa-Reporter.

Armut, Instabilität und ausländische Akteure

Die Lage in der Zentralafrikanischen Republik ist instabil, gut zehn Prozent des Staatsgebiets werden nicht von der Regierung kontrolliert. Außerdem leben 71 Prozent der Zentralafrikaner unterhalb der Armutsschwelle, die Arbeitslosenzahlen sind hoch und die Lebenshaltungskosten steigen und bei der Infrastruktur und im Bildungswesen gibt es große Mängel. Wie in anderen Ländern der Region ist in der Zentralafrikanischen Republik die Officer's Union for International Security (OUIS), ein Tarnname für die ehemalige, paramilitärische, russische Wagner-Gruppe, für die Machthaber aktiv.

Zusammenfassung
  • Die Wahlbeteiligung lag bei 52,43 Prozent, mehrere Oppositionsparteien boykottierten die Wahl und der Verfassungsrat prüft nun mögliche Einsprüche, bevor Touadéra eine dritte, erstmals siebenjährige Amtszeit antreten könnte.
  • Trotz reicher Bodenschätze leben 71 Prozent der rund 5,5 Millionen Einwohner unter der Armutsgrenze, das Land bleibt von Gewalt und Instabilität geprägt, wobei russische und ruandische Militärhilfe zur fragilen Stabilisierung beitrugen.