Thüringen: Mutmaßlicher Angriff Rechtsextremer auf Reporter
Laut Mitteldeutschem Rundfunk (MDR) soll der Angriff einem Team von "Spiegel TV" bei Dreharbeiten vor dem Haus des Rechtsextremisten Thorsten Heise gegolten haben. Unmittelbar danach alarmierten die Medienvertreter die Polizei. Die beiden Tatverdächtigen wurden laut den Beamten gestellt und festgenommen. Ihr Wohnungen wurden durchsucht, wobei mögliches Beweismaterial beschlagnahmt wurde. Die Verdächtigen wurden zudem vom Erkennungsdienst erfasst und später mangels Haftgründen auf Weisung der Staatsanwaltschaft Mühlhausen wieder auf freien Fuß gesetzt.
Zu den genauen Hintergründen der Tat, einschließlich einer möglichen politischen Tatmotivation, sowie der Verwendung von Reizstoffen wurden laut Polizei Ermittlungen wegen Körperverletzung aufgenommen. Diese übernahm später das Thüringer Landeskriminalamt.
Im Jahr 2018 hatten in Fretterode zwei Männer, die der rechtsextremen Szene zugeordnet werden, zwei Journalisten angegriffen. Das Landgericht Mühlhausen verurteilte sie 2022 wegen Sachbeschädigung und gefährlicher Körperverletzung. Im Jahr 2024 hob der deutsche Bundesgerichtshof das Urteil wegen Rechtsfehlern auf. Das Landgericht hatte festgestellt, dass der Mann und der damals Heranwachsende die Journalisten mit einem Auto verfolgt hatten, als diese ein mutmaßliches Treffen von Neonazis auf dem Grundstück des damaligen Chefs der Thüringer NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands), Heise, beobachten und fotografieren wollten.
Der jüngere Angeklagte habe die beiden bemerkt und geglaubt, einen von ihnen der sogenannten Göttinger Antifa zuordnen zu können. Die Angeklagten hätten den Journalisten nach der Verfolgungsjagd verkehrsbedingt den Fluchtweg versperrt, so dass sie mit ihrem Wagen nicht hätten vorbeifahren können. Es sei zu einem Zusammenstoß und einer körperlichen Auseinandersetzung gekommen. Danach habe die Spiegelreflexkamera eines Journalisten gefehlt. Die Angeklagten stehen seit Dezember erneut vor dem Landgericht Mühlhausen. Zu Prozessbeginn waren sie laut MDR 26 und 31 Jahre alt. Der Prozess ist bis Mai terminiert.
Zusammenfassung
- In Fretterode (Thüringen) wurden drei Journalisten bei Dreharbeiten vor dem Haus des Rechtsextremisten Thorsten Heise von zwei Männern im Alter von 22 und 56 Jahren mutmaßlich angegriffen und leicht verletzt.
- Die Angreifer setzten neben körperlicher Gewalt möglicherweise auch Reizstoff ein; nach Festnahme und Wohnungsdurchsuchungen wurden sie mangels Haftgründen wieder freigelassen.
- Das Thüringer Landeskriminalamt ermittelt wegen Körperverletzung und prüft eine politische Motivation, während ein ähnlicher Angriff auf Journalisten in Fretterode bereits 2018 stattgefunden hatte und derzeit erneut vor Gericht verhandelt wird.
