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Teilzeitquote unter Lehrkräften ist weiter gestiegen

Heute, 03:02 · Lesedauer 4 min

Die in Österreich im internationalen Vergleich hohe Teilzeitquote unter Lehrkräften ist zuletzt weiter gestiegen. In den Pflichtschulen (Volks-, Mittel-, Sonder- und Berufsschulen, Poly) haben im aktuellen Schuljahr 35 Prozent keine volle Lehrverpflichtung, in den Bundesschulen (AHS, berufsbildende mittlere und höhere Schulen/BMHS) sind es rund 38 Prozent. Im Westen ist der Anteil der Teilzeitkräfte laut aktuellen Zahlen des Bildungsministeriums weiterhin besonders hoch.

Darunter fallen laut Statistik des Ministeriums alle, die keine volle Lehrverpflichtung haben (seit dem neuen Dienstrecht ab 2019 je nach Fach und Schultyp 20 bis 24 Wochenstunden plus Vor- und Nachbereitung sowie Korrekturen; davor 17 bis knapp 27 Wochenstunden). Das reicht von der Mathematiklehrerin, die ihre Lehrverpflichtung nur um eine Stunde reduziert, bis zum Priester, der einzelne Stunden Religion unterrichtet.

Die höchsten Werte an den Bundesschulen weisen Vorarlberg (47 Prozent), Tirol (43) und Oberösterreich (42) aus, an den Pflichtschulen sind es Vorarlberg (45), Salzburg, Oberösterreich (je 44) und Tirol (42). Am anderen Ende der Skala findet man bei den AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) Kärnten (23), das Burgenland (28) und die Steiermark (33). An den Pflichtschulen ist der Teilzeitanteil am geringsten in Kärnten (20), dem Burgenland (24) und Wien (30).

Nach Schultypen gibt es die höchsten Quoten in den humanberuflichen BMHS und den Bildungsanstalten für Elementarpädagogik (je 44 Prozent), Gymnasien (41) und Volksschulen (40); in einigen Bundesländern wie Oberösterreich, Tirol, Salzburg oder Vorarlberg arbeitet dort teilweise gar die Hälfte oder mehr in Teilzeit. In den Berufsschulen ist der Anteil mit nicht einmal einem Fünftel am geringsten.

Frauen auch im Lehrberuf deutlich öfter in Teilzeit

Eine Analyse des Rechnungshofs (RH) aus 2025 zeigt darüber hinaus deutliche Unterschiede beim Arbeitsausmaß nach Geschlecht und Qualifikation. Während im Schuljahr 2023/24 an den Bundesschulen rund 43 Prozent und an den Pflichtschulen knapp 38 Prozent der weiblichen Lehrkräfte keine Vollzeitstelle hatten, waren es unter ihren männlichen Kollegen 26 bzw. 22 Prozent. Unter Quereinsteigern, die ohne klassisches Lehramtsstudium an Schulen unterrichten, war das Beschäftigungsausmaß wiederum deutlich geringer als im allgemeinen Durchschnitt (73 Prozent gegenüber 84). Im aktuellen Schuljahr hat diese Gruppe 12 Prozent der Neuanstellungen ausgemacht.

Die Teilzeitquoten sind laut RH-Bericht vor allem ab dem Schuljahr 2020/21 gestiegen, damals lagen sie noch bei knapp 31 Prozent an Pflicht- und 32 Prozent an Bundesschulen. Ein Motiv für Teilzeit waren laut darin zitierten Erhebungen des Ministeriums vor allem Betreuungspflichten (Kinder, Pflege), allerdings fast nur bei den Frauen. Dazu kommen eigene gesundheitliche Probleme, wie vor allem im Gefolge der Coronapandemie auch von der Gewerkschaft immer wieder betont wurde.

Junglehrer-Schutzklausel als Treiber

Ein Grund, der laut Bildungsressort zuletzt die Teilzeitquoten noch einmal erhöht hat, sind außerdem die neuen Regeln für Junglehrer, die schon mit dem Bachelorabschluss im Klassenzimmer stehen und parallel zum Unterrichten den Master absolvieren. Wegen des Lehrermangels wurden sie in den vergangenen Jahren trotz Doppelbelastung oft für sehr viele Stunden eingeteilt, seit Herbst 2025 dürfen sie zum Schutz vor Überlastung grundsätzlich nur noch maximal eine halbe Unterrichtsverpflichtung bekommen.

Laut RH-Bericht ist eine Vollbeschäftigung zwar auch wegen "diverser systemimmanenter Faktoren" wie einem unterschiedlich hohen Bedarf an Lehrfächern oder dem komplexen Werteeinheitensystem nicht immer möglich. Eine Reduktion der Teilzeitquote nannte der Rechnungshof als Maßnahme gegen den Lehrermangel trotzdem "unabdingbar".

Aus dem Büro von NEOS-Bildungsminister Christoph Wiederkehr wurde dazu auf APA-Anfrage betont, dass man bei bestimmten Formen der Teilbeschäftigung (Mütter nach der Karenz, Master-Studierende) als Dienstgeber keine Einflussmöglichkeiten habe. In allen anderen Fällen würden "die persönlichen mit den dienstlichen Interessen" abgewogen, wobei - wie per Gesetz vorgesehen - gerade bei Personalmangel darauf geachtet werde, dass die Unterrichtsstunden jedenfalls abgedeckt sind. Per Erlass sei außerdem eine Empfehlung an die Schulleitungen gegangen, zuerst abzufragen, ob bestehendes Personal Stunden aufstocken möchte, bevor Stellen ausgeschrieben werden. Gemeinsam mit den Bildungsdirektionen arbeite man auch an einer besseren Datenlage zum Thema.

Als Oppositionspartei hatten die NEOS in den vergangenen Jahren vom zuletzt ÖVP-geführten Bildungsministerium wiederholt wirksame Maßnahmen zur Steigerung der Vollzeitposten verlangt, etwa durch bessere Arbeitsbedingungen und modernere Arbeitsplätze.

Zusammenfassung
  • Frauen arbeiten im Lehrberuf deutlich häufiger in Teilzeit als Männer: An Bundesschulen sind 43 Prozent der Lehrerinnen und 26 Prozent der Lehrer in Teilzeit beschäftigt, an Pflichtschulen 38 Prozent der Frauen und 22 Prozent der Männer.
  • Ein zusätzlicher Treiber für die steigende Teilzeitquote ist die neue Junglehrer-Schutzklausel, die seit Herbst 2025 gilt und vorsieht, dass Berufseinsteiger maximal eine halbe Unterrichtsverpflichtung übernehmen dürfen.