Tchakarova zur Ukraine: "Es geht um die Existenz des Staates"

25. Feb. 2022 · Lesedauer 3 min

Velina Tchakarova, die Direktorin des Austria Institut für Europa- und Sicherheitspolitik, sieht einen noch nie dagewesenen militärischen Eingriff Russlands in der Ukraine. Sie findet, dass der Westen die Ukraine auch "mit Waffen" unterstützen solle.

"Die Tatsache, dass Russland die Ukraine von allen Seiten angreift, ist präzedenzlos.", meint Velina Tchakarova, die Direktorin des Austria Institut für Europa- und Sicherheitspolitik. Dadurch lässt sich annehmen, dass der russische Präsident Putin dieses militärische Vorhaben bereits "seit Monaten" plane.

Tchakarova hält die Behauptungen Putins für "absurd", dass man die Ukraine entnazifizieren solle oder dass es in der Ukraine einen Genozid an Russen gäbe. Für Tchakarova gibt es "keine Berechtigung" für diesen Angriffskrieg, "den Russland gegen die Ukraine begonnen hat". Zwar gäbe es in der Ukraine bereits seit 2014 Krieg gegen Russland, aber "jetzt sind die Masken gefallen" und "Russland zeige sein wahres Gesicht", so Tchakarova.

"Existenz des Staates"

Die Generalmobilmachung der ukrainischen Bevölkerung ist für Tchakarova ein logischer Schritt. Die Ukraine sei im Kriegszustand, es gäbe neue Angriffe der Russen auf die Hauptstadt. "Russen kommen von allen Seiten ins Land", allerdings sei dies erst "die erste Phase der Kriegsführung". Laut Tchakarova werden weitere Intensivierungsphasen der russischen Seite folgen.

In diesem Konflikt gehe es nicht mehr "nur um die Souveränität eines Staates", sondern um dessen "Existenz", erklärt Tchakarova. Ein Regimwechsel durch Russland sei in Planung. Deswegen "müssen nun alle zur Hilfe kommen". Sowohl die Bewaffnung der Zivilbevölkerung als auch dessen Fluchtbewegung sei eine potenzielle Gefahr. "Das ist ein großes Problem für die ukrainische Führung die Verteidigung zu planen". Tchakarova hält diese Entscheidung allerdings für richtig.

Unionsstaat mit Russland

Eine weitere Gefahr für Tchakarova ist die drohende Verbindung zwischen Belarus und Russland. In Belarus werde gerade alles vorbereitet, um mit Russland in einem Unionsstaat einzutreten, meint Tchakarova. Belarus gibt damit seinen "neutralen Standpunkt" auf, dauerhafte Truppenstützpunkte der Russen im Land sowie eine Stationierung russischer Atomwaffen ist die logische Schlussfolgerung daraus.

Es sei "ironisch", findet Tchakarova, dass Russland von der Ukraine eine "Entmilitarisierung" und "Neutralität" fordere, in Belarus allerdings das genaue Gegenteil mache.

"Waffenmittel" für die Ukraine

Für Tchakarova muss der Westen die Ukraine auch mit "Waffenmittel" unterstützen. Je länger die ukrainischen Truppen gegen Russland bestehen könnten, desto mehr Zeit habe der Westen "um politisch, diplomatischen Druck aufzubauen". Außerdem wisse man nicht, ob sich Putin mit der Ukraine zufrieden geben würde.

Jan ForoboskoQuelle: Redaktion / foj