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Syrisches Militär errichtet neue Sperrzonen bei Aleppo

13. Jan. 2026 · Lesedauer 3 min

Nach dem Abklingen der Gefechte in Aleppo hat die syrische Armee Orte nahe der Millionenstadt erneut zu militärischen Sperrzonen erklärt. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana veröffentliche eine Karte mit den eingezeichneten Zonen. Die Armee warf den kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) vor, sich unter anderem in Tayr Harfa und Maskanah zusammen mit der PKK und Überresten der früheren Assad-Regierung militärisch neu organisiert zu haben.

Bewohner sollten sich von SDF-Stellungen fernhalten. Alle bewaffneten Gruppen seien aufgerufen, sich östlich des angrenzenden Euphrats zurückzuziehen.

Die SDF wiesen die Vorwürfe zurück. In den genannten Gebieten gebe es "keine militärischen Bewegungen oder Truppenaufstockungen", hieß es in einer Presseerklärung. Alle kursierenden Behauptungen seien unbegründet.

In der vergangenen Woche hatte es in Syriens zweitgrößter Stadt Aleppo schwere Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den SDF samt ihren Verbündeten gegeben. Nach tagelangen Gefechten in den de facto kurdisch kontrollierten Stadtteilen wurden die Kämpfe am Sonntag eingestellt. Die kurdischen Kämpfer zogen sich aus den umkämpften Gebieten zurück.

Hintergrund ist der Streit über eine geplante Eingliederung der kurdischen Institutionen und auch der kurdischen Kämpfer in die staatliche Ordnung. Ein Abkommen dazu wurde bisher nicht umgesetzt.

Ilham Ahmad: Zahlreiche Zivilisten getötet

Die Co-Vorsitzende der kurdisch geführten Autonomen Administration von Nord- und Ostsyrien, Ilham Ahmad, warf unterdessen der syrischen Armee vor, bei ihrem Einsatz um Aleppo zahlreiche Zivilisten getötet zu haben. Mehr als 270 Zivilisten seien darüber hinaus von der syrischen Armee entführt worden, sagte Ahmad am Dienstag bei einer Online-Pressekonferenz.

Ahmad machte für die Gewalteskalation um Aleppo auch die Tatsache verantwortlich, dass sie syrische Armee keine einheitliche Armee sei, sondern sich aus zahlreichen unterschiedlichen Milizen mit unterschiedlichen Führungen und Interessen zusammensetze. So seien beim Vorgehen gegen die kurdischen Kämpfer bei Aleppo auch türkische Truppen sowie islamistische Kämpfer der Al-Kaida und des Islamischen Staats (IS) beteiligt gewesen.

Kampf gegen PKK als Vorwand

"Damaskus behauptet, dass sie eine sehr kleine Operation gestartet haben, um gegen die PKK zu kämpfen", sagte Ahmad. Tatsächlich sei die wahre Absicht der syrischen Regierung aber "ein umfassender Angriff" auf kurdische Gebiete, "wobei sie jedes Mal die PKK als Vorwand benutzt, um diese Menschen anzugreifen", kritisierte Ahmad. "Wie wir wissen, hat sich die PKK aufgelöst", fügte sie hinzu. "Was ist das für eine Armee, die auf ihre eigene Bevölkerung schießt?", beklagte Ahmad.

USA sollen "klar Stellung beziehen"

Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa habe wiederholt gesagt, die kurdische Bevölkerung Syriens liege ihm am Herzen, sagte Ahmad. "Wir wollen aber nicht in seinem Herzen sein, sondern wir wollen die Rechte der Kurden in der Verfassung verankert sehen", forderte sie. Die USA forderte Ahmad angesichts der Angriffe der syrischen Armee gegen die kurdische Bevölkerung auf, "klar Stellung zu beziehen".

Zusammenfassung
  • Laut der kurdischen Co-Vorsitzenden Ilham Ahmad wurden bei den Kämpfen um Aleppo zahlreiche Zivilisten getötet und mehr als 270 von der syrischen Armee entführt, während sie die Beteiligung türkischer Truppen und islamistischer Gruppen anprangert.
  • Die SDF bestreiten jegliche militärischen Bewegungen in den genannten Gebieten und Ahmad fordert die USA auf, angesichts der Angriffe der syrischen Armee auf die kurdische Bevölkerung klar Stellung zu beziehen.