Syrische Regierungstruppen rücken in Kurden-Hochburg ein
Damit beginnt die Umsetzung eines von den USA unterstützten Waffenstillstandsabkommens, das die Eingliederung der kurdischen Gebiete unter die Kontrolle von Damaskus vorsieht. Die am Freitag verkündete Einigung sieht eine schrittweise Integration kurdischer Kämpfer in die Streitkräfte der Regierung vor. Die USA bezeichneten das Abkommen als historischen Meilenstein auf dem Weg zur Einheit und Versöhnung in Syrien nach 14 Jahren Bürgerkrieg. Dadurch wurde ein weiterer Konflikt zwischen der Regierung von Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa und den kurdisch geführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) abgewendet. Die SDF hatten im Jänner bereits weite Teile Ost- und Nordsyriens an Regierungstruppen verloren.
Das SDF-Bündnis war einst der wichtigste Verbündete der Vereinigten Staaten im Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS). Die Position der Kurden wurde jedoch geschwächt, da US-Präsident Donald Trump enge Beziehungen zu Sharaa aufbaute. Der ehemalige Kommandant der Al-Nusra-Front, des syrischen Ablegers der Al Kaida, hat inzwischen fast ganz Syrien wieder unter die Kontrolle von Damaskus gebracht.
Während des syrischen Bürgerkriegs haben sich die Kurden eine Selbstverwaltung aufgebaut. Die Stadt Hasaka nahe der irakischen Grenze galt als Verwaltungszentrum und als eine der wichtigsten Städte für die kurdisch kontrollierten Gebiete. Unter der jahrzehntelangen Herrschaft der Assad-Familie in Syrien wurde das Land tief gespalten. Im syrischen Bürgerkrieg gerieten Gebiete unter Kontrolle von verschiedenen Kräften. Im Norden und Nordosten des Landes bauten die Kurden sich eine Selbstverwaltung auf.
Aus kurdischen Kreisen hieß es, rund 100 Mitarbeiter des syrischen Innenministeriums seien in der Stadt eingetroffen. Berichte zu Gefechten gab es zunächst nicht.
Freude und Skepsis
Bewohner sagten der dpa, dass Menschen als Ausdruck der Freude in die Luft geschossen hätten. In der Stadt wurde zuvor eine Ausgangssperre verhängt. "Selbst diejenigen, die nicht auf die Straßen gehen konnten, standen vor ihren Türen, streuten Reis und Süßigkeiten und feuerten Schüsse ab", sagte Mohammed al-Sayed, ein Bewohner Hasakas.
In den kurdisch kontrollierten Gebieten leben nicht nur Kurden, sondern unter anderem auch Araber. Arabische Stammeskämpfer hatten die Regierung bei ihrer kürzlichen Offensive gegen die SDF unterstützt. Vielen von ihnen fühlten sich unter kurdischer Verwaltung diskriminiert und sehen die Übernahme der Regierung als Befreiung.
Die Kurden ihrerseits fürchten einen Verlust ihrer Rechte. Unter der Assad-Herrschaft hatten viele von ihnen keine syrische Staatsangehörigkeit. Die kurdische Selbstverwaltung in Syrien galt als wichtiger Schritt im kurdischen Streben nach einem eigenen Staat. Die Kurden gelten als das größte Volk ohne eigenen Staat.
Zusammenfassung
- Mehr als 30 Fahrzeuge des syrischen Innenministeriums sind am Montagnachmittag in die bisher von Kurden kontrollierte Stadt Hasaka eingerückt, rund 100 Mitarbeiter wurden dort stationiert.
- Mit dem von den USA unterstützten Waffenstillstandsabkommen, das am Freitag verkündet wurde, beginnt die schrittweise Eingliederung der kurdischen Gebiete und Kämpfer unter die Kontrolle von Damaskus.
- Die USA bezeichnen das Abkommen als historischen Meilenstein nach 14 Jahren Bürgerkrieg, viele Kurden fürchten jedoch den Verlust ihrer Rechte, während Teile der arabischen Bevölkerung die Übernahme als Befreiung sehen.
