APA - Austria Presse Agentur

Synagogen-Angriffe: Zadic will Verbotsgesetz überarbeiten

31. Aug 2020 · Lesedauer 2 min

Das Thema sei nach den antisemitischen Vorfällen in Graz "umso brisanter", sagt Justizministerin Alma Zadic.

550 antisemitische Vorfälle gab es  in Österreich im vergangenen Jahr. Das ist eine Steigerung von 9,5 Prozent binnen zwei Jahren. Zuletzt sorgte der tätliche Angriff auf den Präsidenten der jüdischen Gemeinde Graz, Elie Rosen, für Aufsehen. Justizministerin Alma Zadic (Grüne) will deshalb das Verbotsgesetz bald überarbeiten. Das Thema sei jetzt "umso brisanter", sagte Zadic im APA-Gespräch am Rande des Forum Alpbach.

Es habe vor dem Grazer Fall bereits Gespräche mit dem Mauthausen Komitee Österreich und dem DÖW gegeben. Auch im Regierungsprogramm ist eine Evaluierung vorgesehen.

Reform im Regierungsprogramm vorgesehen

Im türkis-grünen Regierungsprogramm ist unter dem Schlagwort "Kampf gegen den Antisemitismus" eine Überarbeitung des Verbotsgesetzes angekündigt. Eine Evaluierung und eine allfällige legistische Überarbeitung des Verbotsgesetzes soll unter anderem das Schließen weiterer Lücken (z.B. Teilleugnung) umfassen. Außerdem soll die Möglichkeit der Einziehung von NS-Devotionalien unabhängig von der Verwirklichung einer mit Strafe bedrohten Handlung geprüft werden. Einen genauen Zeitplan für die Überarbeitung des Verbotsgesetzes gibt es laut der Justizministerin noch nicht.

Das Gesetzespaket gegen "Hass im Netz" soll diese Woche präsentiert werden. Der Entwurf war eigentlich schon für Juli angekündigt gewesen, es wurde aber weiter verhandelt. "Es geht nur mehr um legistische Kleinigkeiten, es gibt keine Knackpunkte mehr", sagte Zadic. Die Verhandlungen hätten deswegen lange gedauert, weil es sich um ein "umfassendes Paket" handle.

Eine leichte Entspannung sieht die Justizministerin bei der Personalausstattung im Justizwesen. Einsparungen hätten abgewendet werden können und bei Staatsanwälten, Kanzleikräften und Justizwache-Beamte habe es Personalaufstockungen gegeben. Richter, Staatsanwälte, Kanzleiangestellten und Beamte der Justizwache hatten in der Vergangenheit wegen Personalmangel mehrfach vor einem Zusammenbruch der Justiz gewarnt. Die Warnung des damaligen Justizministers Clemens Jabloner vor einem "stillen Tod" der Justiz konnte abgewendet werden, sagte Zadic.

Quelle: Agenturen / Redaktion / spe