APA - Austria Presse Agentur

Suu Kyi erscheint in Myanmar erstmals persönlich vor Gericht

24. Mai 2021 · Lesedauer 2 min

In Myanmar ist die abgesetzte De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi erstmals seit dem Militärputsch am 1. Februar persönlich vor Gericht erschienen, wie ihr Anwalt Thae Maung Maung am Montag der Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Seinen Worten zufolge war die 75-Jährige dem Augenschein nach bei guter Gesundheit. Sie habe sich vor der Anhörung zunächst 30 Minuten mit ihrem Anwaltsteam beraten, hieß es. Dem Volk habe sie beste Wünsche gesendet, erklärte der Jurist.

Suu Kyi wurde sei dem Umsturz nicht mehr öffentlich gesehen. Die Justiz beschuldigt die Friedensnobelpreisträgerin verschiedener Vergehen, darunter Verstöße gegen die Außenhandelsgesetze, ein Staatsgeheimnisgesetz aus der Kolonialzeit und die Corona-Maßnahmen. Am schwersten wog bisher der Vorwurf, "Anstiftung zum Aufruhr" betrieben zu haben. Alle bisherigen Gerichtstermine waren per Videoschaltung durchgeführt worden, ohne dass Suu Kyi mit ihren Verteidigern reden konnte.

Die entmachtete Politikerin habe betont, dass 30 Minuten nicht ausreichten, um mit ihren Rechtsanwälten alle Fälle zu besprechen. Sie habe diese deshalb gebeten, beim Richter ein weiteres Treffen zu beantragen, hieß es in einer Mitteilung. Auch habe Suu Kyi der Bevölkerung ihre besten Wünsche entboten. Anschließend bekamen die Anwälte auch Zugang zum ebenfalls festgesetzten Staatspräsidenten Win Myint. Die eigentliche Anhörung wurde vom Richter auf den 7. Juni vertagt.

Das südostasiatische Land versinkt seit dem Putsch in Chaos und Gewalt. Das Militär unterdrückt jeden Widerstand mit brutaler Härte. Nach Schätzungen der Gefangenenhilfsorganisation AAPP sind bereits mindestens 818 Menschen getötet worden. Fast 5.400 Personen wurden festgenommen.

Suu Kyi hatte bereits in der Vergangenheit insgesamt 15 Jahre unter Hausarrest gestanden. Nach der Einleitung demokratischer Reformen war sie 2016 faktische Regierungschefin geworden. Sie ist beim Volk sehr beliebt und hatte sich bei der Parlamentswahl im November eine zweite Amtszeit gesichert. Beobachter glauben, dass sie den Generälen, die das frühere Burma Jahrzehnte lang mit eiserner Faust regiert hatten, zuletzt zu gefährlich geworden sein soll. Die Junta begründete den Putsch hingegen mit angeblichem Wahlbetrug.

Quelle: Agenturen