APA - Austria Presse Agentur

Südtirols Altlandeshauptmann Luis Durnwalder wird 80

22. Sept 2021 · Lesedauer 5 min

Mindestens zwei Generationen von jungen Südtirolern kannten gar keinen anderen Landeshauptmann als ihn: "Den Luis." Fast 25 Jahre lang regierte Luis Durnwalder die autonome Provinz südlich des Brenners - von 1989 bis 2014. Er prägte eine Ära, führte das Land durch bewegte Zeiten und in den wirtschaftlichen Aufschwung, der bis heute anhält. Macher, Machtmensch und Unverwechselbarer. Letzteres ist er bis heute geblieben. Am Donnerstag wird Durnwalder 80 Jahre alt.

Er folgte einer Legende und wurde selbst zu einer Legende: Durnwalder trat das Erbe von Silvius Magnago an, der von 1960 bis 1989 als Landeshauptmann fungierte und als "Vater der Südtirol-Autonomie" bezeichnet wurde. In vielem legte Magnago den Grundstein, in vielem erntete Durnwalder. Doch die Ernte fiel ihm nicht in den Schoß, er erarbeitete sie sich mit unglaublichem Arbeitseifer, der ihm auch vom politischen Gegner stets attestiert wurde. Hinzu kam eine gehörige Portion Bauernschläue, Volksverbundenheit, das mühelose Zugehen auf Menschen, das intuitive Verstehen politischer Zusammenhänge und ein gerüttelt Maß an Durchsetzungsvermögen. All das machte sich bezahlt: Mehrmals konnte er bei Landtagswahlen über 100.000 Vorzugsstimmen für sich verbuchen und die absoluten Mehrheiten seiner Südtiroler Volkspartei (SVP) absichern.

Luis Durnwalder, der Vollblutpolitiker par excellence mit politischem Urinstinkt. Die sprichwörtliche Volksnähe trug viel zur großen Popularität vom "Luis" bei, auch unter der italienischsprachigen Bevölkerung. Sie zeigte nicht zuletzt seine Sprechstunde, die er an fast jedem Wochentag um 6.00 Uhr früh abhielt. Ab den frühen Morgenstunden versammelten sich dann nächtlich wartende Grüppchen vor dem Landhaus in Bozen, um nach stundenlangem Warten beim Landesvater persönlich vorzusprechen. Kritiker legten dies Durnwalder als eine Form von Absolutismus aus und orteten Demokratiedefizite. "Ich bin sicher kein Kandidat für den Nobelpreis für demokratisches Verhalten", gab der Pustertaler denn auch durchaus etwas selbstkritisch einmal gegenüber der APA zu.

In seiner Amtszeit wurde Südtirol zu einer der reichsten Regionen Europas. Die Ära Durnwalder stand für Erneuerung, Öffnung und wirtschaftlichen Aufschwung, hatte der Südtiroler Politologe an der Universität Innsbruck, Günther Pallaver, am Ende seiner Amtszeit resümiert. Südtirol habe in dieser Zeit einen starken Modernisierungsschub erlebt. Zudem gelang es dem Pragmatiker Durnwalder nach der Streitbeilegungserklärung 1993, unter dem Schlagwort der "dynamischen Autonomie", die Rechte der Südtiroler weiter auszubauen. Auch das Verhältnis zwischen den drei Sprachgruppen in Südtirol hatte sich während Durnwalders Amtszeit sichtlich gebessert.

Kritiker bemängelten, dass der strenge ethnische Proporz, nach dem alle öffentlichen Stellen vergeben werden, sowie das nach Sprachgruppen getrennte Schul- und Vereinswesen modernisiert gehören. Gegen eine Öffnung der starren Systeme hatte sich die Südtiroler Volkspartei (SVP) unter Durnwalder jedoch stets verwahrt.

15 italienische Regierungen hat Durnwalder in seiner Amtszeit politisch überlebt. Politisch am besten harmoniert hat er nach eigenen Angaben mit Giulio Andreotti, wie er gegenüber der APA anlässlich seines 75. Geburtstages erklärte.

Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten. Gegen Ende seiner Landeshauptmann-Zeit wurde Durnwalder angreifbarer, bekam das Bild des beliebten Machers mit dem Aufkommen der SEL-Affäre Ende 2012 erste Risse. Der Skandal um Unregelmäßigkeiten der landeseigenen Energiegesellschaft SEL bei der Vergabe einer E-Werk-Konzession zog in der Folge immer weitere Kreise. Energielandesrat Michl Laimer (SVP) musste schließlich seinen Hut nehmen und wurde verurteilt. Immer öfter war nun in Medien von einem "System Durnwalder" zu lesen, da viele nicht glauben wollten, dass der Landeshauptmann nichts von der Affäre gewusst habe.

Wegen möglicher Unregelmäßigkeiten beim Sonderfonds des Landeshauptmanns geriet Durnwalder gegen Ende seiner Amtszeit auch persönlich zunehmend in Bedrängnis. Ihm war unter anderem vorgeworfen worden, Gelder aus dem jährlich mit 72.000 Euro ausgestatteten Fonds für private Zwecke verwendet zu haben. Im Juni 2016 wurde Durnwalder, der die Vorwürfe stets bestritten hatte, schließlich vom Verdacht der Amtsunterschlagung und illegalen Parteienfinanzierung freigesprochen. Doch die Causa beschäftigte ihn bis in das "aktive Pensionistendasein", das er inzwischen nach eigenen Angaben - neben Tätigkeiten als Berater und Verwaltungsrat in einigen privaten Unternehmen - angetreten hatte. Denn der Freispruch wurde in eine spätere Verurteilung "umgewandelt". Im heurigen Juni wurde sie rechtskräftig und besagte zwei Jahre und sechs Monate Haft. Der Altlandeshauptmann sah sich keiner Schuld bewusst und empfand das Urteil als grob ungerecht. Er dürfte die Strafe wahrscheinlich in Form von gemeinnütziger Tätigkeit ableisten.

Sein politisches Ende als Landeshauptmann hatte Durnwalder bereits rund ein Jahr vor der Landtagswahl im August 2012 eingeläutet, indem er ankündigte, nicht mehr zu kandidieren. Im Dezember 2013, noch als Landeshauptmann, erlitt er einen Herzinfarkt, von dem er sich aber wieder gut erholte. Anfang Jänner 2014 wurde schließlich Arno Kompatscher zu seinem Nachfolger gewählt.

Eine Legende ist "der Luis" trotz so mancher Widrigkeiten bis heute geblieben. Und er zieht die Menschen an - nach wie vor. Dies zeigte erst ein paar Tage vor seinem "Runden" eine Signierstunde in Algund, wo Durnwalder das neue, im Athesia-Tappeiner-Verlag erschienene Buch "Luis Durnwalder. Momente meines Lebens" unter das Volk brachte. Auch ein weiteres Durnwalder-Buch erblickt dieser Tage das Licht der Welt: "Luis Durnwalder. Erinnerungen. Im Gespräch mit Michael Gehler", in dem der frühere Landeshauptmann mit dem Historiker auf sein Leben zurückblickt.

Der studierte Agrarwissenschafter Durnwalder (an der Universität für Bodenkultur in Wien) hat aus einer geschiedenen Ehe Sohn Hannes. Tochter Sigrid Durnwalder, die ebenfalls aus dieser Beziehung hervorging, starb im Jahr 2002 während einer Operation auf der Insel Fuerteventura. 2009 kam seine Tochter Greta aus der Beziehung mit Angelika Pircher zur Welt, die er im Vorjahr heiratete.

Quelle: Agenturen