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Strache, Selenskyj, Sanna Marin: Prominente Drogentests und ihre Folgen

24. Aug. 2022 · Lesedauer 6 min

Als "Schnee von gestern" bezeichnete der ehemalige FPÖ-Politiker Johann Gudenus die Aufnahmen, die ihn beim Kokain-Konsum zeigen. Derart in flagranti werden nur wenige Prominente beim Drogenkonsum erwischt. Zum Drogentest mussten in Österreich und auch international dennoch schon viele - die meisten davon fielen negativ aus.

Berühmte Drogenkonsumenten gibt und gab es viele. Viele stehen oder standen sogar offen dazu bzw. spielten mit dem Image des Drogenkonsumenten. Falco etwa, Snoop Dogg oder Bob Marley. Bei Politikerinnen oder Sportlern ist die Sache schon viel heikler - noch so sehr an den Haaren herbeigezogene Vorwürfe reichen oft und schon müssen die Beschuldigten zum Drogentest schreiten. Der Ausgang ist unterschiedlich. PULS 24 hat im Archiv einige prominente Fälle gefunden.

Bei der finnischen Regierungschefin Sanna Marin etwa reichten kürzlich schon Party-Videos, die die Politikerin beim Tanzen und Singen zeigten. Die Finnin ging freiwillig zum Drogentest. Das Ergebnis: negativ.

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Oft ist es Neid von Mitbewerbern, der Drogengerüchte laut werden lässt. Die finnische Regierungschefin ist äußerst beliebt, was zahlreiche Solidaritätsvideos zeigen. Auch zwischen dem Leak des Partyvideos und dem NATO-Beitritts Finnlands, der Russland gegen den Strich geht, wurde ein Zusammenhang hergestellt. Freilich sorgten wohl auch die "Wir sind die Mehl-Gang"-Rufe auf den Videos für Skepsis in ihrem Heimatland. Und bereits zuvor hatte es mehrere Party-Eklats der Regierungschefin gegeben.

Kokain beim ESC?

Dass Erfolg eben auch Schattenseiten hat, musste die italienische Rockband Måneskin nach ihrem Sieg beim Songcontest 2021 erfahren. Twitter-User wollen die Band während der ESC-Übertragung aus dem Backstage-Bereich beim Kokain-Konsum beobachtet haben. Sänger Damiano David unterzog sich schließlich einem Drogentest, der negativ ausfiel. Die Erklärung des Sängers: Die User könnten ein zerbrochenes Glas für Drogen gehalten haben. 

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Doch der Schein trügt: Dass Drogen in Politiker- und Promikreisen tatsächlich ein Problem sein könnten, zeigte etwa ein etwas breiter angelegter Drogentest im britischen Parlament vom Jahr 2021: In 11 von 12 Toilettenräumen, darunter solche, die nur von Personen mit parlamentarischen Pässen genutzt werden, wurden Spuren von Kokain gefunden.  

Schlammschlacht in Kiew

Regelrechte Schlammschlachten um Drogentests entbrannten jedoch bei Wahlen in der Ukraine und in den USA. Als die Ukrainer 2019 die Wahl zwischen dem damaligen Amtsinhaber Petro Poroschenko und dem späteren Wahlsieger Wolodomyr Selenskyj hatten, ging dem Urnengang ein skurriler Wahlkampf voran. Über Facebook-Botschaften richteten sich die Kandidaten gegenseitig Bedingungen fürs Erscheinen bei einer TV-Konfrontation aus, darunter auch: Drogentests. 

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Öffentlichkeitswirksam ließ sich Selenskyj in einer Kiewer Privatklinik in den Arm stechen, live gestreamt auf Facebook. Wenig später zog Poroschenko im größten Stadion des Landes, dem NSC Olimpiyskyj in Kiew, vor Kameras den Arms seines weißen Hemdes hoch. Wenig verblüffend fielen beide Ergebnisse negativ aus - ein TV-Duell mit beiden Kandidaten kam dennoch nicht zustande.

Die Idee der ukrainischen Politiker dürfte auch Donald Trump gefallen haben. Im US-Präsidentenwahlkampf 2020 forderte er seinen Herausforderer Joe Biden vor dem ersten TV-Duell zum Drogentest auf. Trump - damals noch auf Twitter aktiv - nannte als Grund die wechselhaften Auftritte des Demokraten vor der Kamera. "Nur Medikamente können solche Diskrepanzen auslösen", führte er aus. Er betonte, dass er sich natürlich ebenfalls einem Test unterziehe, wenn Biden es ihm gleichtue. 

Einen Wahlkampf zuvor hatte Trump die gleiche Forderung bereits an Hillary Clinton gestellt. Dabei war es ihr Ehemann Bill Clinton der während seiner Kandidatur Anfang der 1990er zugab, in seiner Jugend Marihuana konsumiert, allerdings "nicht inhaliert" zu haben.

Vorwürfe unter Präsidenten-Söhnen

Hunter Biden, der Sohn von Joe Biden und dessen erster Ehefrau Neilia, wiederum wurde 2013 tatsächlich aus der Marine ausgeschlossen, weil er einen positiven Kokaintest abgab. Er gab damals eine Alkohol- und Kokainabhängigkeit zu.

Im Juli diesen Jahres tauchten Videos auf, die Hunter Biden beim Crack-Konsum zeigen sollen. Das rief wiederum Donald Trump Jr. auf den Plan, der bei einer Konservativen-Konferenz in Florida austeilte: Man müsse high auf Crack sein, um zu glauben, Präsident Biden würde einen guten Job machen, sagte er.

Österreichs Possen mit den Drogentests

Nicht nur im Ausland haben Politiker Erfahrungen mit Drogentests - auch Österreich erlebte diesbezüglich Sternstunden. Im Präsidentschaftswahlkampf 2016 musste Alexander Van der Bellen nach gestreuten Gerüchten über eine angebliche Krankheit einen Lungenbefund offenlegen. "Falter"-Chefredakteur Florian Klenk postete deshalb auf Facebook: "Jetzt interessiert mich noch Straches Haar- und Harntest. Dann hätten wir's." 

Obwohl sich Klenk für den "Scherz" entschuldigte, ließ der damalige FPÖ-Chef wirklich einen Drogentest durchführen - und auch Klenk sollte dies tun. Beide ließen sich untersuchen, beide Ergebnisse waren negativ. Laut Strache war das damals bereits sein siebter Drogentest - auch 2002 und 2010 hatte er nach entsprechenden Gerüchten welche absolviert. 

Brad Pitt im Scheidungsdrama

Im selben Jahr reichten "Brangelina" - also die Schauspieler Brad Pitt und Angelina Jolie - nach 12 Jahren Ehe die Scheidung ein. Es entbrannte ein Streit um das Sorgerecht für die gemeinsamen Kinder. Nachdem Brad Pitt vorgeworfen wurde, er sei auf seinen Stiefsohn Maddox losgegangen, unterzog auch er sich einem Drogentest. Pitts Test fiel negativ aus - das Sorgerecht bekam dennoch Jolie. Der Schauspieler bekam ein Besuchsrecht zugesprochen.

Zu viel Sicherheit nach negativem Test

Gemeinsam ist all den Drogentests bei Prominenten, dass sie negativ ausfielen. Wäre anderes zu befürchten gewesen, wären sie wohl auch nicht gemacht worden. Etwas anders gelagert war lediglich der Fall um den deutschen Fußballtrainer Christoph Daum. Er war im Jahr 2000 designierter Trainer der deutschen Nationalmannschaft und Trainer bei Bayer 04 Leverkusen. 

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Christoph Daum und Ulli Hoeneß.

Doch dann sagte Ulli Hoeneß in einem Interview diesen folgenschweren Satz: "Der DFB kann doch keine Aktion 'Keine Macht den Drogen' starten und Herr Daum hat vielleicht damit etwas zu tun". Daum wurde plötzlich von vielen Seiten mit Drogenvorwürfen konfrontiert und ließ eine gerichtsmedizinische Untersuchung seiner Haare zu. Sie fiel negativ aus.

Daum fühlte sich bestärkt und wollte den Test öffentlich wiederholen: Kein gute Idee - das Ergebnis war positiv. Als Trainer wurde er entlassen. Erst 2001 kehrte er zurück und gewann mit Beşiktaş Istanbul die türkische Meisterschaft, dann mit Austria Wien die österreichische und mit Fenerbahçe Istanbul erneut die türkische. Mit Drogen habe er "keinen Kontakt mehr", versicherte er.

Quelle: Redaktion / koa