Strache: "Es kommt nicht aufs Geld, es kommt aufs Herz an"

13. Aug 2020 · Lesedauer 5 min

Heinz-Christian Strache spricht im PULS 24 Interview mit PULS 24 Anchor Gundula Geiginger über das kleine Wahlkampfbudget seiner Partei, die Transparenz bei Parteispenden, die antisemitischen Vorwürfe gegen seine Kandidatin Christina Kohl und seinen Wohnsitz.

Obskure Kandidaten aus Impfgegnern und Antisemiten, eine Debatte über seinen Wohnsitz und die Ermittlungen rund um das Ibiza-Video. Wo immer der Name Heinz-Christian Strache gerade auftaucht, gibt es Auseinandersetzungen und gefühlt mehr Fragen als Antworten. PULS 24 Anchor Gundula Geiginger bringt im Interview mit dem Spitzenkandidaten des Teams HC Strache etwas Licht in das Dickicht. Die wichtigsten Aussagen von Heinz-Christian Strache kompakt zusammengefasst:

Zu Antisemitismus-Vorwürfen gegen Team Strache-Kandidatin Christina Kohl:

Ich habe gewusst, dass sie Initiatorin einer Bürgerinitiative ist. Ich muss schon zurückweisen, was sie und auch andere Medienvertreter in den Raum stellen. Die Frau Christina Kohl hat keine antisemitistischen Äußerungen zum Besten gegeben. Faktum ist: Sie hat gesagt, Kurz muss weg. Das kann ich unterschreiben. Ich kann unterschreiben, dass die Antifa weg muss. Ich kann unterschreiben, dass man Kritik an Soros und anderen übt. Ich sehe keinen Antisemitismus, den sie da unterstellen, und das ist vehement zurückzuweisen. Antisemitische Gedanken haben in meinem Team keinen Platz und sie hat mir auch versichert, dass das nicht der Fall ist.

Zur Bedeutung der Namen Soros, Rothschild, Rockefeller in antisemitischen Kreisen:

Ich habe mit diesen Codes und Thesen nichts am Hut. Ich bin auch kein Verschwörungstheoretiker. Faktum ist, dass man natürlich Menschen, gleich welcher religiösen und kulturellen Herkunft kritisieren darf. Und Soros ist zu kritisieren in machen Handlungsweisen, die er gesetzt hat. Es muss grundsätzlich Kritik an großkapitalistischen, globalen Interessenslagen auf Kosten der kleinen Leute möglich sein.

In antisemitischen Kreisen stehen diese Namen für eine Verschwörungstheorie, der zufolge einige, wenige Juden, die Welt kontrollieren. (Anm. Red.)

Zum Kandidaten Serge Paukovics, der Chemtrail-Checker und Impfgegner ist:

Er ist ein renommierter Allgemeinmediziner. Er ist auch Polizeiarzt. Da hat er offenbar in einem Buch ein Vorwort geschrieben. Man muss auch nicht alles teilen, wenn ein Kandidat unterschiedlicher Meinung ist. Das ist im Sinne der Pluralität auch gut. Wir wissen heute alle, dass es verschiedenste Verschwörungstheorien gibt. Es gibt aber auch die Praxis, die zeigt, dass das Wetter gezielt beeinflussbar ist, zum Beispiel, dass Hagel abwendbar ist. Ich bin aber nicht der Meinung, dass es Chemtrails in einer organisierten Form gibt.

Laut einem "Kurier"-Bericht am Donnerstag nehmen nun die Ärztekammer und die Polizei Paukovics unter die Lupe.  (Anm. Red.)

Zum Wahlkampfbudget des Teams HC Strache:

Wir haben eigentlich kaum finanzielle Mittel. Ich bin meinem Team sehr dankbar, was hier in kurzer Zeit gelungen ist und wie viele Menschen mit ihrem Herzblut und Idealismus sich hier eingebracht haben. Mit den wenigen Mitteln, die wir haben, die durch Mitgliedsbeiträge und kleine Spenden zusammengekommen sind, kann man keinen großen Wahlkampf finanzieren. Aber wir werden das mit Herz, mit Idealismus und mit Leidenschaft für die Wienerinnen und Wiener und den richtigen Inhalten kompensieren. Ich glaube, dass das die Menschen auch anerkennen.

Zur Frage nach möglichen Großspendern:

Wir haben keine Großspender. Die Spenden, die wir haben, die im Sinne des gesetzlichen Rahmens zu melden sind, werden wir melden. Das hält sich im Rahmen. Wir versuchen da und dort auch noch einen Kredit möglich zu machen. Je nach Kreditsituation können wir dann einen entsprechenden Wahlkampf führen. Es kommt aber nicht aufs Geld, es kommt aufs Herz an. Den Willen, den habe ich, und vor allem auch die richtigen Inhalte.

Zu seiner Tätigkeit als Berater:

Ich bin seit letztem Jahr selbstständig und komme meinem Beruf als Unternehmensberater auch nach. Natürlich muss ich meine Arbeitszeit und dieses ehrenamtliche, politische Comeback unter einen Hut bringen. Aber das ist ja auch machbar.

Zu den Ibiza-Ermittlungen:

Faktum ist: Es gibt Ermittlungen. Ich schaue dem sehr gelassen entgegen. Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen. Es wird, wenn man den Einblick in die Akten hat, eine entsprechende Aufklärung und Bewertung geben. Die ist in einem Rechtsstaat natürlich abzuwarten.

Bei den verkürzten Passagen des Ibiza-Videos handelt es sich in der Regel um Gerüchte von Spendern an andere Parteien, was sich ja im Fall der Heidi Horten bestätigt hat.

Zu seinem Wohnsitz:

Seit zwei Wochen ist das das Sommerloch-Thema und das Hick Hack auf persönlicher Ebene, wo man leider nicht zu politischen Inhalten kommt, die den Menschen wirklich berühren. Faktum ist: Mein Lebensmittelpunkt ist in Wien. Da kann der Herr Westenthaler noch so viele Purzelbäume schlagen. Meine Frau und mein Kind sind übrigens nicht in Weidling gemeldet. Ich habe mit Ende Mai, nach meiner Entscheidung ein politisches Comeback in Angriff zu nehmen, ganz deutlich und klar vor dem 14. Juli meinen Lebensmittelpunkt in Wien dokumentiert, in dem ich die ehemalige Wohnung meiner Mutter gezogen bin, die ich übernommen habe. Keine Gemeindewohnung – eine 65 Quadratmeter Wohnung. Dort bin ich von Montag bis Freitag.

Auch beruflich habe ich meinen Lebensmittelpunkt in Wien. Eine Geschäftsbüro-Adresse angemeldet zu haben ist das Eine, wo die berufliche Tätigkeit in der Regel stattfindet ist etwas Anderes. Die ist in Wien, weil meine Kunden in Wien tätig sind und ich für meine Kunden auch in Wien tätig bin.

Quelle: Redaktion / apb