Eine Angestellte des russischen Channel 1 nutzt die Nachrichten, um ein Zeichen gegen den Krieg zu setzen

"Stoppt den Krieg": Redakteurin protestiert während Newssendung

14. März 2022 · Lesedauer 2 min

Eine Angestellte des russischen Staatsfernsehens tauchte bei den live übertragenen Hauptnachrichten mit einem Anti-Kriegs-Plakat hinter der Moderatorin auf. Die Nachrichten wurden unterbrochen, die Redakteurin soll sofort von der Polizei abgeführt worden sein.

Mit einem Protestplakat und lauten Rufen hat eine Kriegsgegnerin im russischen Staatsfernsehen für eine Unterbrechung der abendlichen Hauptnachrichtensendung gesorgt. Während der Live-Übertragung am Montag um 21.00 Uhr Moskauer Zeit (19.00 Uhr MEZ) sprang die Frau plötzlich hinter Nachrichtensprecherin Jekaterina Andrejewa ins Bild und hielt ein Schild mit der Aufschrift "Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Hier werdet ihr belogen" hoch.

Dazu rief sie mehrmals laut: "Nein zum Krieg, Nein zum Krieg, Nein zum Krieg!" Anschließend brach die Übertragung ab und es wurden Bilder aus einem Krankenhaus gezeigt.

Vater ist Ukrainer, Mutter Russin

Der Videoausschnitt geht in sozialen Netzwerken viral. Bei der jungen Frau soll es sich um Marina Ovsyannikova, eine Redakteurin des Senders handeln. Sie nahm vorab ein Video auf, indem sie erklärt, dass Kind einer Russin und eines Ukrainers zu sein. Russland müsse den Brüderkrieg stoppen. 

Sie arbeite seit Jahren für Channel One und sei beschämt darüber, Propaganda verbreitet zu haben. "Wir haben 2014 nichts gesagt, als es begann. Wir haben nicht protestiert als der Kreml Nawalny vergiftet hat. Wir haben nur dem unmenschlichen Regime nur zugeschaut. Nun hat sich die ganze Welt von uns abgewendet und die nächsten zehn Generationen unserer Nachkommen werden die Früchte dieses Bruderkriegs ernten."

Vor allem russische Oppositionelle lobten die Frau für ihren Mut. "Was Mut wirklich bedeutet", twitterte der Pianist Igor Levit. In Russland ist es Medien verboten, den russischen Einmarsch in die Ukraine als "Krieg" oder "Invasion" zu benennen. Stattdessen ist offiziell von einer "militärischen Spezialoperation" die Rede.

Ovsyannikova soll nach dem Vorfall sofort verhaftet worden sein. 

Der erste russische Fernsehkanal sprach in einer Mitteilung lediglich von einem "Vorfall" während der Sendung "Wremja" und kündigte eine interne Prüfung an. Andere russische Sender berichteten über den Vorfall, zeigen die Redakteurin und ihr Plakat jedoch verpixelt, um nicht gegen die russischen Gesetze zu verstoßen. 

Quelle: Agenturen