Steirischer Altbischof Egon Kapellari feiert 90. Geburtstag
Kapellari - er lebt in einem Haus für betreutes Wohnen der Grazer Elisabethinen - gab ein einziges Interview anlässlich seines Ehrentages, nämlich der Kirchenzeitung "Sonntagsblatt für Steiermark". Er verbinde "ein vielstimmiges Danke an ungemein viele Menschen in der Kirche, in der ganzen Christenheit und weit darüber hinaus. Dieser weite Horizont umschließt auch andere Religionen - vor allem das Judentum und den Islam - und schließlich die ganze Menschheit in einer Weise, wie es gerade auch von den jüngsten Päpsten vorgelebt wurde", sagte der Altbischof in dem Gespräch.
Zudem gab es in dem Interview Lob für Papst Leo, den ersten US-Amerikaner auf dem Heiligen Stuhl. "Unter den sieben Päpsten, die ich seit Pius XII. nicht nur durch Medien, sondern im selben Raum oder auf demselben Platz erlebt habe, sind mir Johannes Paul II., Benedikt XVI. und Franziskus besonders nahe. Und Papst Leo XIV., über den ich nur durch Medien, aber reichlich informiert bin, erscheint mir als ein wahres und besonderes Geschenk Gottes", sagte Kapellari.
Durch seine Kärntner Zeit in der dortigen Diözese seien die Bindungen an das Bundesland immer noch stark. "Das wird mein Leben lang so bleiben und beruht auch auf Gegenseitigkeit. In Kärnten habe ich alle Pfarren mindestens einmal in fünf Jahren visitiert und ich habe auch, so wie es mein Vorgänger Joseph Köstner gehalten hat, die meisten Firmungen selbst gespendet", sagte Kapellari in dem Interview. Herausragend sei in dieser Zeit der Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1988 in Gurk gewesen, verbunden mit einer Dreiländer-Wallfahrt mit Pilgern aus Kärnten, Slowenien und Friaul.
Medienbischof und Buchprojekt
Kapellari wurde am 7. Dezember 1981 von Papst Johannes Paul II. zum 64. Bischof der Diözese Gurk-Klagenfurt ernannt, als Nachfolger von Joseph Köstner. Die Bischofsweihe nahm am 24. Jänner 1982 der damalige Salzburger Erzbischof Karl Berg vor. Knapp zwei Jahrzehnte später erfolgte seine Rückkehr nach Graz, wo er im März 2001 die Nachfolge von Johann Weber als Diözesanbischof antrat. Kapellari war seit 1992 Referent für Fragen von Liturgie, Europa und Kultur in der Österreichischen Bischofskonferenz und als deren stellvertretender Vorsitzender seit 2001 auch für Medienfragen zuständig.
Der eifrige Publizist - er schrieb rund 15 Bücher - war nie ein lautstarker Kirchenmann, hatte aber stets deutlich tagespolitisch Stellung bezogen - vor allem in Bezug auf Menschenrechte oder parteipolitische Vereinnahmungsversuche des Christentums, etwa in der Islamdebatte. Der gebürtige Obersteirer wurde von manchen als konservativ eingeschätzt. Mit dieser Kategorisierung konnte der Intellektuelle Kapellari nichts anfangen: In der katholischen Christenheit Europas ringe man vorrangig um "progressiv" und "konservativ", hatte er einmal laut Kathpress erklärt: "Das ist zu flach. Man müsste darüber hinaus tiefer denken und tiefer graben." Dem Vernehmen nach ist der Altbischof im Finalisieren seines letzten Buches - unter anderem ein humorvoller Blick auf die Kirche, wie es aus der Diözese hieß. Am Montag gibt es eine Messe in der Kapelle des Priesterseminars in Graz, danach ein Mittagessen mit geladenen Gästen, darunter die Altlandeshauptleute Waltraud Klasnic und Hermann Schützenhöfer (beide ÖVP) sowie die Äbte der Stifte von St. Lambrecht, Alfred Eichmann, und Rein bei Graz, Philipp Helm, sowie von Seckau, Johannes Fragner.
Langes Warten nach Bitte um Rückzug
Sein Abgang von der Spitze der Diözese Graz-Seckau erfolgte durchaus spektakulärer, als man es von dem zurückhaltenden Kirchenmann gewohnt war. 2011 hatte er die Altersgrenze von 75 Jahren erreicht und Papst Benedikt XVI. um seinen Rücktritt ersucht. Dieser wurde zwar angenommen, aber gleichzeitig auch seine Amtsdauer um zwei Jahre verlängert. Am 24. Jänner 2015 gab Kapellari dann in einem Hirtenbrief seinen Rücktritt bekannt, "weil Papst Franziskus in wenigen Tagen meinem wiederholten Ersuchen um Entpflichtung vom Amt und Dienst des Diözesanbischofs entsprechen wird". Er zog sich nach mehr als vierjährigem erfolglosen Warten auf seine altersbedingte Abberufung und auf einen Nachfolger an der Spitze der Diözese zurück.
Kapellari wurde am 12. Jänner 1936 im obersteirischen Leoben geboren und hatte 36 Jahre als Oberhirte zweier Diözesen gedient. Der Obersteirer studierte in Graz zunächst Rechtswissenschaften und dann in Graz und Salzburg Theologie. 1961 zum Priester geweiht, übernahm er in Graz das Amt eines Hochschulseelsorgers, ehe er am 24. Jänner 1982 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof der Kärntner Diözese Gurk-Klagenfurt ernannt wurde. In seiner Kärntner Zeit stellte Kapellari seinen öffentlichen Reden oft Grußworte in slowenischer Sprache voran - zu einer Zeit, als dies politisch nicht opportun war. Sein Vorgänger Köstner hatte das Slowenische als zweite Liturgiesprache in Kärnten eingeführt.
Anfang 2017 hatte Kapellari als emeritierter Bischof von Graz-Seckau auf Wunsch des verstorbenen steirischen Alt-LH Josef Krainer jun. dessen Totenmesse zelebriert - zusammen mit seinem Vorgänger Altbischof Weber und seinem Nachfolger, Bischof Wilhelm Krautwaschl. Zuletzt in einem größeren Rahmen in Graz öffentlich aufgetreten war Kapellari beim Gottesdienst für seinen am 23. Mai 2020 verstorbenen Vorgänger Bischof Weber, bei der Begleitung der Trauerfeier im Grazer Dom am 3. Juni. In Kärnten - mit dem er sich bis heute eng verbunden fühlt - wurde Kapellari Ende August 2021 bei einem gemeinsamen Festgottesdienst mit Diözesanbischof Josef Marketz und dem Linzer Altbischof Maximilian Aichern im Gurker Dom geehrt. Dies war sein persönliches rundes Dreifachjubiläum, nämlich 85. Geburtstag, 60-Jahr-Jubiläum seiner Priesterweihe sowie 40. Wiederkehr seiner Bischofsernennung. Marketz ehrte seinen Vor-Vorgänger u. a. für die "bleibenden Spuren seines Wirkens in Kärnten".
Zusammenfassung
- Der frühere steirische und Kärntner Diözesanbischof Egon Kapellari feiert am 12. Jänner 2026 seinen 90. Geburtstag mit einer Messe und einem Mittagessen im Grazer Priesterseminar.
- Kapellari blickt auf 36 Jahre als Oberhirte zweier Diözesen zurück und war unter anderem Referent für Liturgie, Europa, Kultur und Medienfragen in der Österreichischen Bischofskonferenz.
- Der gebürtige Leobener veröffentlichte rund 15 Bücher und äußerte sich wiederholt zu gesellschaftlichen und kirchenpolitischen Themen, wobei er gängige Zuschreibungen wie "konservativ" oder "progressiv" ablehnte.
- Sein Rücktritt als Bischof von Graz-Seckau erfolgte nach mehrjährigem Warten auf päpstliche Entpflichtung am 24. Jänner 2015, nachdem er bereits 2011 die Altersgrenze erreicht hatte.
- Kapellari fühlt sich weiterhin eng mit Kärnten verbunden, hat alle Pfarren mindestens einmal in fünf Jahren besucht und hebt den Papstbesuch 1988 in Gurk als Höhepunkt seiner Amtszeit hervor.
