Staaten ringen um Abschluss von Afghanistan-Evakuierungen

25. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

Knapp eine Woche vor Ablauf der Taliban-Frist zum Abzug ausländischer Truppen bemühen sich westliche Staaten um den zeitigen Abschluss ihrer Rettungseinsätze.

US-Präsident Joe Biden sagte, die amerikanischen Kräfte seien auf Kurs, die Evakuierungen bis zum 31. August abschließen zu können. Schon diese Woche könnte Medienberichten zufolge auch der Afghanistan-Einsatz der deutschen Bundeswehr enden. Laut ARD könnten die Evakuierungsflüge noch am Mittwoch eingestellt werden.

Biden hatte beim virtuellen G7-Gipfel eine Verlängerung der Evakuierungen über den 31. August hinaus zunächst abgelehnt. Er verwies auf die wachsende Gefahr durch mögliche Anschläge der Miliz "Islamischer Staat". "Je schneller wir fertig werden können, umso besser", sagte Biden. "Jeder Tag des Einsatzes bringt zusätzliche Risiken für unsere Truppen." Zudem sei man bei den Evakuierungen auf die Zusammenarbeit mit den nun in Afghanistan herrschenden Taliban angewiesen, die auf ein Ende der Rettungsflüge bis Ende August pochen.

"Geht nur gemeinsam mit den USA"

Nach den Beratungen der G7-Staats- und Regierungschefs am Dienstag sagte Merkel, man habe keine Verlängerung der Evakuierungen vereinbart. In einer Schalte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion sagte Merkel nach Informationen von Reuters aus Teilnehmerkreisen: "Solange es verantwortbar ist, werden wir Menschen evakuieren. Aber das geht nur gemeinsam mit den USA."

Die ARD berief sich in ihrer Meldung über ein Ende der Bundeswehr-Flüge schon am Mittwoch auf mehrere Quellen. Zuvor hatte die Sendergruppe nach eigenen Angaben Informationen erhalten, dass die Mission am Freitag oder Samstag beendet werden sollte. Von Freitag war auch in einem Bericht des Wirtschaftsmagazins "Business Insider" unter Berufung auf Kreise des deutschen Verteidigungsministeriums und des deutschen Außenministeriums die Rede.

Laut "Bild"-Zeitung soll der Einsatz der Bundeswehr am Wochenende beendet werden. Das Verteidigungsministerium erklärte dazu, der Bericht könne weder bestätigt noch dementiert werden. Dem Ministerium zufolge hat die Bundeswehr bisher mehr als 4.600 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen - allein am Dienstag 983 Menschen in fünf Flügen.

Evakuierungsmissionen anderer Nationen weit fortgeschritten

Voraussichtlich am Donnerstag wird Frankreichs Einsatz abgeschlossen. Dies sei sehr wahrscheinlich, sagte Europa-Minister Clement Beaune. Auch die Evakuierung britischer Staatsbürger ist weit fortgeschritten. "Der Löwenanteil jener, die raus wollten, ist nach Hause gebracht worden", erklärte Außenminister Dominic Raab.

Russland holt unterdessen mit Militärmaschinen mehr als 500 Personen aus Afghanistan. Laut der Nachrichtenagentur Interfax stammen sie aus Russland, Belarus, Kirgistan, Tadschikistan, Usbekistan sowie der Ukraine. Auch Südkorea will laut dem Außenministerium in Seoul im Rahmen einer Evakuierungsaktion etwa 390 Menschen aus Afghanistan aufnehmen.

Lage in Kabul angespannt

Die Lage am Flughafen in Kabul blieb indes angespannt. Auch am Mittwoch harrten Tausende Menschen in der Hoffnung aus, ins Ausland gelangen zu können. So zeigen in Sozialen Medien geteilte Videos Hunderte Afghanen, die teils bis zu den Hüften in einem Wassergraben vor einer Wand zum Flughafengelände stehen und warten.

Angesichts des nahenden Endes von Evakuierungsflügen werden auch Forderungen nach einem verstärkten Engagement der Nachbarländer laut. "Iran, Pakistan und Tadschikistan sollten mehr Menschen über Land oder Luft herausholen", sagte ein in Kabul ansässiger NATO-Diplomat am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die Länder sollten ihre Grenzen öffnen, forderte der Diplomat.

Quelle: Agenturen