SPÖ verlor laut Umfragen seit 2022 an alle Lager
War die SPÖ vor vier Jahren in Sonntagsfragen noch mit Zustimmungswerten von 28 bis 30 Prozent und rund 1,37 Mio. Überzeugten auf Platz eins gelegen, kommen die Sozialdemokraten mit Regierungsverantwortung in den Umfragen nur noch auf 17 bis 18 Prozent Unterstützung. Damit unterbieten die Roten noch einmal ihr historisch schlechtestes Nationalratswahlergebnis von 21,1 Prozent aus dem Jahr 2024.
Besonders hoch ist die Zahl jener ehemaligen SPÖ-Wählerinnen und Wähler, die im Februar laut OGM-Längsschnittanalysen für eine der beiden Oppositionsparteien gestimmt hätten. 155.000 Stimmen - knapp ein Drittel des sozialdemokratischen Schwunds - kassierten die Grünen demnach von der SPÖ ein. Auch die FPÖ könnte sich mit Zugewinnen von 120.000 ehemaligen SPÖ-Stimmen über rund ein Viertel des roten Verlusts freuen.
An die nunmehrigen pinken und schwarzen Koalitionspartner verlor die SPÖ ebenfalls einige Unterstützerinnen und Unterstützer. Zu den NEOS liefen 80.000 Wahlberechtigte über, die Kanzlerpartei ÖVP heimste 55.000 Sympathisantinnen und Sympathisanten ein. Ein Zehntel entfiel auf die KPÖ, die im Gegensatz zu den anderen Parteien nicht im Parlament vertreten ist.
Verluste gleichmäßig verteilt
Aus demografischer Sicht folgen die Verluste der SPÖ keinem klaren Muster: Die schwindende Unterstützung verteilt sich auf alle Bevölkerungsgruppen. Die SPÖ verlor unter Berufstätigen genauso wie unter Pensionistinnen und Pensionisten mit einem Minus von 35 bzw. 33 Prozent. Auch die Unterschiede zwischen Land- und Stadtbevölkerung mit 37 bzw. 32 Prozent Schwund sowie zwischen Befragten ohne und mit Matura (35 bzw. 32 Prozent) hielten sich in Grenzen. Exakt gleich viele Männer wie Frauen kehrten der SPÖ mit jeweils 34 Prozent den Rücken.
Wenig überraschend wanderten Stadtbewohnerinnen und -bewohner genauso wie höher Gebildete vorrangig zu den Grünen ab. Die Freiheitlichen konnten vor allem Zugewinne aus dem ländlichen Raum, von Berufstätigen und niedriger Gebildeten verzeichnen. Den Zahlen zufolge gelang es der SPÖ unter der Führung von Andreas Babler nicht, eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen. Als Vertreter des linken Parteiflügels gewann Babler 2023 zwar den parteiinternen Richtungsstreit, Debatten über die Ausrichtung der Partei ebbten seitdem aber nicht ab.
Regierende verlieren, Opposition gewinnt
Unter den drei Koalitionspartnern ist die SPÖ mit rückläufigen Umfragewerten in guter Gesellschaft. Nach dem aktuellen APA-Wahltrend, der Umfragen der letzten fünf Wochen berücksichtigt und nach Aktualität gewichtet, lag die SPÖ Ende Februar bei 17,4 Prozent und knapp vier Prozentpunkte unter dem Nationalratswahlergebnis von 2024. Noch einen stärkeren Rückgang als die SPÖ verzeichnete die ÖVP, die mit 21,8 Prozent in den Umfragen seit der Wahl 4,5 Prozentpunkte verlor.
Auch die regierenden NEOS büßten seit der Wahl ein und liegen mit 8,4 Prozent in den Umfragen mittlerweile hinter den Grünen, die bei 9,7 Prozent halten. Bei der Wahl waren die NEOS mit 9,1 Prozent noch vor der Öko-Partei (8,2) gelegen. Als einzige Partei deutlich zulegen konnte die Wahlgewinnerin FPÖ mit 35,7 Prozent Zustimmung in den Umfragen - ein Zuwachs von fast 7 Prozentpunkten gegenüber den 28,9 Prozent von 2024. Von 2,4 auf 3,5 Prozent steigern konnte sich auch die KPÖ, die damit aber den Einzug in den Nationalrat immer noch verfehlen würde.
Zusammenfassung
- Die SPÖ hat laut aktuellen Umfragen seit 2022 rund ein Drittel ihrer Unterstützung verloren und liegt nun bei nur noch 17 bis 18 Prozent, nachdem sie vor vier Jahren noch auf 28 bis 30 Prozent kam.
- Von den rund 500.000 abgewanderten SPÖ-Wählern wechselten laut OGM-Analysen über die Hälfte zu Grünen (155.000) oder FPÖ (120.000), aber auch NEOS (80.000), ÖVP (55.000) und KPÖ (10 Prozent der Abwanderer) profitierten.
