APA/ROLAND SCHLAGER

Corona-Gesetze: Angeblich nur ÖVP-geführte Länder wurden informiert

0

Der Entwurf der neuen Corona-Verordnung soll nur an ÖVP-regierte Bundesländer geschickt worden sein. Die SPÖ machte eine entsprechende Email publik. Die ÖVP dementiert die Vorwürfe.

Ein Email-Verkehr zwischen dem Finanzministerium und den ÖVP-geführten Bundesländern nach einer Videokonferenz zwischen der türkis-grünen Bundesregierung und allen Bundesländern in Sachen Corona-Bekämpfung sorgt für böses Blut zwischen ÖVP und SPÖ. Die ÖVP-geführten Bundesländer sollen bereits am Montagabend den neuen Verordnungsentwurf mit der Bitte um Rückmeldung und Prüfung erhalten haben. Das geht aus einer Email hervor, die die SPÖ am Mittwoch veröffentlichte.

In Kopie gesetzt wurden auch führende Mitarbeiter im Bundeskanzleramt. Die drei SPÖ-geführten Bundesländer fehlen im Verteiler und haben den Verordnungsentwurf bis Mittwochnachmittag offiziell noch immer nicht erhalten, berichtet die SPÖ in einer Aussendung. Parteichefin Pamela Rendi-Wagner sowie die Landeshauptmänner Hans Peter Doskozil und Peter Kaiser zeigen sich darin verärgert über diese "völlig unnötige und verantwortungslose Kommunikationspolitik".  Rendi-Wagner sprach darin von einem "höchst aufklärungswürdigen Vorfall."

ÖVP sieht "völlig normalen Prozess" 

Die ÖVP wies diese Vorwürfe zurück. "Es gibt in der Krisenbewältigung ständig Abstimmungsrunden auf allen Ebenen zwischen Ministerien, Bundesländern und Behörden." Bei dem Email-Verkehr handle es sich um eine regierungsinterne Koordination innerhalb der ÖVP und nicht um ein Begutachtungsverfahren, wie auch im Betreff ("Koordinierung") ersichtlich sei. "Es wurden alle Maßnahmen in der Videokonferenz mit den Landeshauptleuten besprochen und es ist ein völlig normaler Prozess im Sinne einer legistischen Qualitätssicherung der Verordnung", sagte ein Sprecher auf Anfrage.

SPÖ-Landeshauptmänner fordern Aufklärung

Die SPÖ-Landeshauptmänner Kaiser und Doskozil kritisierten die Vorgehensweise der Regierung. Diese würde "einerseits immer mediengerecht von notwendiger Einigkeit" reden, andererseits aber "Parteipolitik über das Gesamtwohl der Bevölkerung" stellen.

Kaiser und Doskozil betonen auch, dass es Kanzler Sebastian Kurz und der ÖVP offenbar darum gehe, der eigenen Partei die Möglichkeit zu geben, Verordnungen nach ihren Wünschen zu beeinflussen, und die SPÖ-geführten Bundesländer durch die späte Übermittlung eines Entwurfes vor vollendete Tatsachen zu stellen.

Kaiser erwartet in jedem Fall eine sofortige lückenlose Aufklärung und Stellungnahme seitens Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Und für Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil belegt dieser Skandal, dass es Kurz und Co. nicht um eine sachliche Zusammenarbeit zur Eindämmung der Covid19-Krise, sondern um Inszenierung gehe.

 

ribbon Zusammenfassung
  • Parteichefin Pamela Rendi-Wagner sowie die Landeshauptmänner Hans Peter Doskozil und Peter Kaiser zeigen sich darin verärgert über diese "völlig unnötige und verantwortungslose Kommunikationspolitik".