Sperrzone Tirol: Ausreise nur mit negativem Corona-Test

09. Feb 2021 · Lesedauer 4 min

Ab Freitag darf man aus Tirol – mit Ausnahme Osttirols – nur noch mit einem negativen Corona-Test ausreisen. Im Land selbst soll massiv getestet werden. Das Bundesheer wird dabei mithelfen.

In einer Pressekonferenz am Dienstag haben Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) eine Bewegungseinschränkung für große Teile Tirols verkündet. Ausgenommen ist nur Osttirol. 

Fast 400 Fälle, 120 davon aktiv

In Tirol – vor allem im Bezirk Schwaz – sind inzwischen schon 393 Fälle der südafrikanischen Corona-Mutation, davon über 120 derzeit aktiv, bestätigt. Diese Variante des Virus ist bis zu einem Drittel ansteckender. Die Impfung von AstraZeneca, die laut Kurz 50 Prozent des Impfstoffs für Österreich in der nächsten Zeit stellt, wirkt gegen diese Mutation nicht so gut, wie gegen andere.

Ausbreitung verhindern oder zumindest zu verlangsamen"

"Wenn sich eine Mutation wie die südafrikanische ausbreitet, kostet das viele Leben", warnte der Kanzler. Außerdem verzögere eine Ausbreitung den Rückkehr zur Normalität. Es gehe jetzt darum, die Ausbreitung der Mutation in Tirol und innerhalb Österreichs "zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen". 

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Testpflicht bei Ausreise, Test darf nicht älter als 48 Stunden sein

"Wir haben uns entschieden die Mobilität einzuschränken", kündigte Kurz an. Ab Freitag sind Fahrten aus Tirol nur noch mit verpflichtendem negativen Corona-Test möglich, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Diese Maßnahmen wurden mit Tirols Landeshauptmann Günther Platter akkordiert. Auch für Seilbahnen wird in Zukunft eine Testpflicht bestehen. Diese Maßnahmen gelten vorerst für zehn Tage. 

Polizei und Bundesheer kontrollieren nicht nur auf den Straßen sondern auch bei Zug- und Flugverkehr an den Landesgrenzen. Wer sich nicht an die Testpflicht hält, kann laut Innenminister Karl Nehammer mit bis zu 1.450 Euro belangt werden.

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Platter will Deeskalation statt Muskelspiele

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) verteidigte Dienstagabend in der "ORF"-Sendung "Tirol heute" die Ausreisetests als "gute Maßnahme", nachdem es in Tirol "sehr viele Südafrika-Mutationen" gebe. "Das gilt es zu beseitigen", aktuell seien 120 aktiv positiv, sagte der Landeshauptmann.

Die hitzigen Verhandlungen, die der Einigung auf die getroffenen Maßnahmen vorgingen, hätten das Verhältnis zwischen Bund und Land Tirol nicht beeinträchtigt, denkt Platter. "Deeskelation" statt "Muskelspiele" seien jetzt wichtig, sagte der ÖVP-Politiker. Nun gelte es, dass Bund und Land "gemeinsam an einem Strang ziehen."

Hörl: "Schmerzlicher Schritt"

Für Franz Hörl, Tiroler Wirtschaftsbund-Obmann, seien die nunmehrigen Maßnahmen ein "schmerzlicher Schritt", der aber "nachvollziehbar" sei, sagte er gegenüber der "APA". Gleichzeitig kritisierte er aber Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne), indem er ihn aufforderte, "das Datenmanagement endlich in den Griff zu bekommen". Er warnte vor einem "ministeriellen Zahlen-Lotto".

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Auch Tirols Wirtschaftskammer-Präsident Walser, der sich am Wochenende deutlich gegen mögliche Maßnahmen aus dem Gesundheitsministerium ausgesprochen hatte, kritisierte, dass bezüglich der Mutationsfälle "unterschiedliche Zahlen herumschwirren". "Wir wissen nicht, welche Zahlen stimmen", zeigte er sich verärgert. Mit der Testpflicht habe er "kein Problem".

Philip Wohlgemuth, Vorsitzender des Tiroler ÖGB, wies dagegen auf Probleme hin, die mit einer Testpflicht einhergehen könnten: "Kontrollen an den Tiroler Grenzen können schnell zum Problem werden."

Tiroler Parteien mit Kritik und Lob

Die Tiroler Parteien dagegen sehr unterschiedlich auf die Isolation.  Die FPÖ hält nichts von der Testpflicht. Stattdessen rief sie zur "Gegenwehr" auf und forderte ein sofortiges Fahrverbot für sämtliche Transit-Lkw. "Die Tiroler Bevölkerung wird nun behandelt, wie Bewohner sprichwörtlicher Lepradörfer, wir sind dank der schwarz-grünen Regierung die Aussätzigen Europas", wetterte FPÖ Landesparteiobmann Markus Abwerzger.

Der Tiroler FPÖ-Klubobmann Markus Abwerzger sagt im PULS 24 Interview, dass die Maßnahmen für ihn "nicht nachvollziehbar" sind.

Der Klubobmann der Tiroler Grünen, Gebi Mair meinte, dass mit dieser Maßnahme möglich sei, konsequent und zielgerichtet auf die Ausbreitung der B.1.351 Corona-Mutation zu reagieren. 

 

Der Artikel wurde am 09.02.2021 um 16:46 Uhr um die Reaktionen der Parteien ergänzt.

Quelle: Redaktion / lam