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Spaniens Königsfamilie auf Sommerurlaub ohne Opa

02. Aug. 2022 · Lesedauer 4 min

Frohgelaunt spazierte die spanische Königsfamilie zum Start des Sommerurlaubs auf Mallorca durchs Bergdorf Valldemossa. Es gab Scherze mit Journalisten, Selfies, Gespräche und Händeschütteln mit neugierigen Passanten und viele laute Jubelrufe à la "Viva el Rey, viva la reina!" (Hoch lebe der König, hoch lebe die Königin). König Felipe (54), Königin Letizia (49), Kronprinzessin Leonor (16) und Infantin Sofía (15) strahlten beim zweistündigen Ausflug am Montag um die Wette.

Die Royals aus Madrid schienen grenzenlos glücklich zu sein und keine Probleme zu haben. Doch der Schein trügt. Dass der Familiensegen trotz aller zur Schau gestellten Freude schief hängt, hat mit Opa Juan Carlos zu tun. Der Altkönig ist - anders als Gattin Sofía (83) - nicht mit auf Mallorca. Er lebt im über 5.000 Kilometer entfernten Abu Dhabi im Exil. Die geheimnisumwitterte Nacht-und-Nebel-Ausreise des Mannes, der zwischen 1975 und 2014 Staatsoberhaupt Spaniens war, jährt sich am Mittwoch bereits zum zweiten Mal. Während über das Leben des 84-Jährigen im Wüstenemirat kaum Informationen nach außen dringen, macht man sich in Spanien immer mehr Sorgen über den seelischen Zustand des auch gesundheitlich angeschlagenen und auf einen Gehstock angewiesenen Juan Carlos.

Dabei hatte es vor fünf Monaten sehr gute Nachrichten gegeben: Anfang März waren in Spanien alle Ermittlungen gegen den Altkönig wegen verschiedener finanzieller Unregelmäßigkeiten eingestellt worden. Einem Ende des Exils schien trotz anderer Affären, die aber nicht strafrelevant sind, nichts im Wege zu stehen. In einem Schreiben an Sohn Felipe hatte Juan Carlos daraufhin regelmäßige Besuche sowie später eine mögliche dauerhafte Rückkehr in die Heimat angekündigt. Doch dann kam im Mai der erste Besuch - und der war verhängnisvoll.

Die renommierte Zeitung "El País" schrieb zum Beispiel, der Besuch habe "Unbehagen" verursacht. Wegen des Medienrummels während eines fünftägigen Aufenthalts bei Freunden im Hafenort Sanxenxo im Nordwesten des Landes, aber auch weil Juan Carlos sehr unbescheiden aufgetreten sei. Der Ex-Monarch, der im teuren Privatjet flog, wurde damals auch von der Regierung scharf kritisiert: Er habe "die Chance verpasst", die Bürger "um Verzeihung zu bitten" und die "weder ethischen noch vorbildhaften Handlungen der vergangenen Jahre zu erklären", klagte Regierungssprecherin Isabel Rodríguez.

Ein zweiter, für Mitte Juni angekündigter Heimatbesuch wurde prompt kurzfristig abgesagt. Es gebe Gründe zur Annahme, dass das Königshaus und die linksgerichtete Regierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez Juan Carlos vom neuen Heimatbesuch abgeraten hätten, so "El País".

Dennoch war in Spanien in den vergangenen Monaten nicht ausgeschlossen worden, dass Juan Carlos zumindest im Sommer kurz nach Spanien fliegen würde, um die im Urlaub im Marivent-Palast vor den Toren der Inselhauptstadt Palma versammelte Familie zu besuchen. Dass er nun nicht gekommen ist, beweist nach einstimmiger Analyse verschiedener spanischer Medien: Opa bleibt verbannt. Es gebe keine Pläne für einen neuen Besuch, schrieb die Zeitung "El Periódico".

Dabei galt Juan Carlos daheim lange als Held. 1981 hatte er eine Putschistengruppe mit einer resoluten Rede zur Aufgabe bewegt, wofür er als "Retter" der Demokratie gefeiert wurde. Skandale im privaten Bereich sowie finanzielles Fehlverhalten beschädigten aber das Image.

Derweil wachsen in Spanien die Sorgen. Um Juan Carlos - und auch um die "Gesundheit" der Monarchie, obwohl Felipe bisher seinem Ruf als "Saubermann" noch alle Ehre macht. Der Altkönig sei am Boden zerstört, schrieb die Journalistin und Schriftstellerin Pilar Eyre, die sich im Königshaus sehr gut auskennt. Der wohl angesehenste und dienstälteste Adelsexperte Spaniens, Jaime Peñafiel, warnt derweil: "Wenn Don Juan Carlos im Exil stirbt, wird Felipe für den Rest seines Lebens von der öffentlichen Meinung verflucht werden." Das kann Felipe in einer Zeit, in der immer mehr Spanier - darunter auch der Juniorpartner in der Regierungskoalition, Unidas Podemos - eine Abschaffung der Monarchie fordern, wirklich gar nicht gebrauchen.

Quelle: Agenturen