Sloweniens Parlament zeigt Kärntner Ausstellung über NS-Zeit
Die von den Historikern Peter Pirker und Andreas Krištof kuratierte Ausstellung war von Mai bis Oktober in Klagenfurt zu sehen gewesen. Sie setzte sich im Erinnerungsjahr schonungslos auch mit der Rolle des Kärntner Landesmuseums selbst sowie der völkischen Wissenschaft auseinander. Gezeigt wurden etwa NS-Opfern geraubte Bücher im Bestand des Landesarchivs, ebenso wie eine wissenschaftliche Studie, die als Grundlage für die Aussiedlung der Kärntner Sloweninnen und Slowenen im Zweiten Weltkrieg diente.
"Die Ausstellung ist ein gelebtes Zeichen grenzüberschreitender Verständigung und gemeinsamer Aufarbeitung", betonte Kaiser laut einer Aussendung des Landes Kärnten. Klakočar Zupančič stellte in ihrer Rede aktuelle Bezüge dar. Der Faschismus erwache wieder zum Leben und sei eine ernste Bedrohung für Europa und die ganze Welt, sagte sie nach Angaben der slowenischen Nachrichtenagentur STA.
"Wir dürfen nicht zulassen, dass auf den Straßen Militär, Polizei oder irgendein anderer Sicherheitsdienst unterwegs ist und Menschen umbringt", sagte die liberale Politikerin in Anspielung auf die Tötungen durch US-Bundesbeamte in Minneapolis. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Politiker großer Staaten, die sich stark fühlen, das Ruder übernehmen und über unser Leben entscheiden", fügte die Parteifreundin des slowenischen Ministerpräsidenten Robert Golob mit Blick auf US-Präsident Donald Trump hinzu.
Ausstellung noch bis 30. Jänner in Ljubljana
Der Direktor des kaernten.museum, Wolfgang Muchitsch, betonte, dass sich die Ausstellung bewusst den "blinden Flecken" in der Erinnerungskultur gewidmet habe. Der österreichische Botschafter in Slowenien, Konrad Bühler, räumte ein, dass die dunklen Seiten der eigenen Geschichte jahrzehntelang in den Hintergrund gedrängt worden seien. Erst in den 1990er Jahren habe man sowohl in Österreich als auch in Slowenien ein neues Verhältnis zur eigenen und gemeinsamen Geschichte gefunden.
Die beiden Kuratoren zeigten sich besonders erfreut über das internationale Interesse an der Ausstellung. Mehr als 25.000 Menschen sahen sie im Vorjahr im kaernten.museum, wobei es auch 35 Führungen in slowenischer Sprache gab. Bei der letzten Kuratorführung am 26. Oktober erhielt Pirker lang anhaltenden Applaus der Besucher. Dabei versprach er eine Fortsetzung der Aufarbeitungsarbeit. In Ljubljana ist die Ausstellung bis 30. Jänner zu sehen.
Zusammenfassung
- Die Sonderausstellung „Hinschaun! Pogleijmo!“ über Kärnten und den Nationalsozialismus wurde im slowenischen Parlament in Ljubljana eröffnet und ist dort noch bis 30. Jänner zu sehen.
- Mehr als 25.000 Menschen besuchten die Ausstellung bereits 2023 im kaernten.museum in Klagenfurt, wobei 35 Führungen in slowenischer Sprache stattfanden.
- Landeshauptmann Peter Kaiser und Parlamentspräsidentin Urška Klakočar Zupančič betonten die Bedeutung grenzüberschreitender Aufarbeitung und warnten vor dem Wiedererstarken faschistischer Tendenzen.
