Slowakei

Slowakischer Außenminister: "Wir alle sind Teil des Kriegs"

13. Okt. 2022 · Lesedauer 3 min

Der slowakische Außenminister Rastislav Káčer rechnet nicht damit, dass Russland den aktuellen Konflikt in der Ukraine darüber hinaus ausweiten wird.

"Wir sehen ja, dass die konventionellen russischen Kräfte nicht einmal für die ursprünglichen Kriegsziele reichen", erklärte Káčer gegenüber der Tageszeitung "Die Presse", "sie verlieren ja sogar schon bereits eroberte Gebiete." An sich seien aber bereits "wir alle in Europa Teil dieses Kriegs", formulierte der Außenminister.

Káčer schloss Beteiligung der Slowakei nicht aus

Zudem könne es natürlich passieren, dass Länder wie die Slowakei wegen ihrer massiven militärischen Hilfe für die Ukraine noch unmittelbarer hineingezogen und selbst zum Angriffsziel werden könnten, schloss Káčer in der Freitagsausgabe der "Presse" auf eine entsprechende Frage Eskalationen jedoch nicht völlig aus.

"Manche strategische Ziele sind nahe bei uns. Zum Beispiel reicht die Fluglandebahn von Uschgorod bis 500 Meter an unsere Staatsgrenze heran. Schon zu Kriegsbeginn gab es Luftangriffe auf Ziele unweit der polnischen und slowakischen Grenze. Aber wir sind NATO-Mitglied, und unter uns allen herrscht absoluter Konsens, dass ein Angriff auf einen von uns ein Angriff auf die ganze NATO ist."

Kritik an Wirtschaftssanktionen zurückgewiesen

Kritik an Wirtschaftssanktionen gegen Russland wies der slowakische Chefdiplomat zurück. "Wenn wir nun beweinen sollten, dass unser Lebensstandard um fünf Prozent sinken sollte, was jetzt noch gar nicht passiert, oder wenn wir vielleicht wegen der Inflation um zehn Prozent weniger Lebensmittel kaufen können oder weniger heizen und gleichzeitig in der Ukraine die Menschen zu Tausenden sterben oder mit nur einer Plastiktasche an Habseligkeiten aus ihren zerstörten Häusern fliehen. Wenn wir dann mit diesen unseren winzigen Opfern ein Problem haben, dann ist das absolut zynisch und unmenschlich."

Nachsatz: "So zynisch sind aber immer mehr Politiker und heizen populistisch eine Atmosphäre des Hasses auf, damit wir nicht einmal dieses Minimum an Auswirkungen aushalten, um zur Befreiung der Ukraine beizutragen."

Kriegs-Lösung: Russland hört auf die Ukraine anzugreifen

Eine friedliche Lösung in der Ukraine sei ganz einfach zu erzielen, argumentierte Káčer: "Dafür ist nur eines notwendig, nämlich, dass Russland aufhört, anzugreifen und seine Truppen aus der Ukraine zurückzieht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir die Ukraine zu einer wie immer gearteten anderen diplomatischen Lösung drängen. Denn es liegt ausschließlich an der Ukraine zu sagen, was für sie akzeptabel ist."

Quelle: Agenturen / Redaktion / poz