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"Showpolitik im Bierzelt" am politischen Aschermittwoch

Eine bayrische Erfindung, die einst von Jörg Haider und der FPÖ nach Österreich geholt wurde, gilt mittlerweile auch bei ÖVP und SPÖ als Tradition. Vom politischen Aschermittwoch ist vor allem Wahlkampfstimmung zu erwarten. Andreas Babler hat aber - wieder einmal - auch mit internen Querelen zu kämpfen.

Traditionell geht es am politischen Aschermittwoch in der Politik noch deftiger zu als ohnehin schon. Im Superwahljahr werden die drei Kanzlerkandidaten - Karl Nehammer, Herbert Kickl und Andreas Babler - wohl vor allem gegeneinander austeilen. Getarnt als Faschingskehraus könnte der ein oder andere Sager unter der Gürtellinie landen. 

Die Blauen holen im oberösterreichischen Ried zum 31. verbalen Rundumschlag aus, die Türkisen ziehen wieder in die Klagenfurter Messearena ein und die Roten gehen diesmal am Abend ins steirische Kobenz in die Zechnerhalle.

FPÖ: Gegenwind nur vor der Halle

FPÖ-Chef Herbert Kickl wird bei seinem Auftritt vor 2.000 Anhängern in der Rieder Jahnturnhalle vom oberösterreichischen Landesparteiobmann Manfred Haimbuchner begleitet. Im Innviertel hat Kickl quasi ein Heimspiel. In Umfragen liegt die FPÖ stabil voran. Er wird vor seinen Fans wohl die üblichen Feindbilder bedienen und kann wohl mit tosendem Applaus rechnen. Gegenwind gibt es nur vor der Turnhalle: Dort stehen etwa die Demonstration "Zusammenhalten gegen rechts" oder ein "solidarisches Miteinander" in der Gießerei an.

ÖVP: Will einziger Gegner Kickls sein

Für die Klagenfurter Messearena hat die ÖVP für ihre rund 1.000 Anhänger nicht nur Bundeskanzler Karl Nehammer, sondern auch den deutschen Ex-Minister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) als Redner geladen. Nehammer ließ am Mittwoch schon mit seiner Forderung aufhorchen, das Arbeitslosengeld kürzen zu wollen. Ansonsten wird inhaltlich zum "Österreichplan" nicht viel hinzugekommen sein. Nehammer versuchte zuletzt, sich als einziger Gegner Kickls zu positionieren. 

SPÖ: Babler mit Interna beschäftigt

Der steirische Abgeordnete Max Lercher, der wie gewohnt das rote Event organisiert, hat für 550 Genossinnen und Genossen die Parteispitze um Andreas Babler in die Zechnerhalle geholt. Babler tat sich zuletzt schwer, sich zu positionieren, in Umfragen stagniert die SPÖ. Auch Babler will sich als Kickl-Verhinderer positionieren, sagte gleichzeitig, mit "dieser ÖVP" sei keine Koalition zu machen. 

Strategisch können Letzteres bei den Roten nicht alle nachvollziehen. Querschüsse aus dem Burgenland oder aus Tirol ist Babler gewöhnt, zuletzt richteten ihm aber der Kärntner Landeshauptmann Peter Kaiser und Wiens Bürgermeister Michael Ludwig ihre Präferenzen für eine große Koalition aus. Starke Unterstützung erhielt Babler stets aus der Gewerkschaft - doch nun richtete ihm selbst der FSG-Vorsitzende Josef Muchitsch aus, dass die SPÖ wirtschaftsfreundlicher werden müsse.

Noch im Juni hatte Muchitsch in einem PULS 24 Interview gesagt: "Jeder SPÖ-Parteichef ist gut beraten, sich mit der Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter auf ein Packl zu hauen". Als Warnung wollte er das nicht verstanden wissen, sondern als "Feststellung". 

Für PULS 24 war Muchitsch am Mittwoch nicht erreichbar. Andreas Babler wollte die internen Spitzen nicht kommentieren - wird sich bei seiner Rede am Abend wohl aber äußern müssen. 

NEOS kritisieren "Showpolitik im Bierzelt"

"Statt Reden zu schwingen", haben am Aschermittwoch für die NEOS Parteichefin Beate Meinl-Reisinger und Wirtschafts- und Sozialsprecher Gerald Loacker bei einer Pressekonferenz ihre teils langjährigen Forderungen nach Reformen erneuert, darunter etwa die Senkung der Steuer- und Abgabenquote, eine Senkung der Lohnnebenkosten und der Einkommensteuer für Vollzeitarbeitende bzw. auf Überstunden sowie die Streichung der Kapitalertragssteuer.

Am Aschermittwoch sei es mittlerweile "üblich in Bierlaune im Bierzelt Reden zu schwingen, über die Köpfe der Menschen hinweg", kritisierte Meinl-Reisinger, die ihre "männlichen Kollegen" auffordert, lieber "zu arbeiten statt Reden zu schwingen". Auch für Loacker ist der "Showpolitik im Bierzelt" genug. "Weg vom Labern hin zum Liefern" laute die Devise. 

Van der Bellen mahnte

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen jedenfalls fürchtet am Abend wohl Deftiges - er mahnte schon im Vorfeld: Er forderte von den Rednern ein, "kurz innezuhalten" und zu überlegen, ob man die Personen, über die man spricht, verletzte. 

Politischer Aschermittwoch auf PULS 24

Ob die Worte von Van der Bellen Früchte tragen, erfahren Sie auf PULS 24. Dort widmen wir uns dem politischen Aschermittwoch mit einem "Heiß Umfehdet Spezial" ab 18:30 Uhr in einer umfassenden Sondersendung.

PULS 24 überträgt außerdem die Reden von FPÖ-Chef Herbert Kickl aus Ried, SPÖ-Chef Andreas Babler aus der Steiermark sowie von ÖVP-Bundeskanzler Karl Nehammer aus Klagenfurt in Livestreams. 

Im Anschluss analysieren live im Studio bei Moderator Thomas Mohr PULS 24-Chefredakteur Stellvertreter Andreas Rossmeissl, PULS 24-Chefreporterin Manuela Raidl sowie Heute-Chefredakteur Clemens Oistric. Im Anschluss folgt ab 21:00 Uhr ein "Wild Umstritten", in dem Sacher-Chef Matthias Winkler, Ex-Vizekanzler und -FPÖ Chef Heinz-Christian Strache sowie Veronika Bohrn Mena (Gründerin und Vorsitzende der Gemeinwohlstiftung Común) über die drei Aschermittwochs-Reden sprechen.

ribbon Zusammenfassung
  • Eine bayrische Erfindung, die einst von Jörg Haider und der FPÖ nach Österreich geholt wurde, gilt mittlerweile auch bei ÖVP und SPÖ als Tradition.
  • Vom politischen Aschermittwoch ist vor allem Wahlkampfstimmung zu erwarten.
  • Andreas Babler hat aber - wieder einmal - auch mit internen Querelen zu kämpfen.