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Serbien löst sich aus russischer Abhängigkeit

05. Sept. 2022 · Lesedauer 3 min

Serbien setzt derzeit alles daran, die Abhängigkeit von Russland zu reduzieren und neue Gas-Lieferanten zu bekommen, sagt die serbische Vizepremierministerin sowie Ministerin für Energie und Bergbau Zorana Mihajlovic.

Derzeit sei das Land zu 100 Prozent vom russischen Gas abhängig. Derzeit gibt es einen Kontrakt über 2 Mrd. Kubikmeter Gas. Allerdings braucht Serbien bis zum Ende der Heizsaison 3,5 Mrd. Kubikmeter.

Daher hat Serbien einen Erdgas-Speicher mit 500 Mio. Kubikmeter Kapazität geleast. In Serbien hält der Staat 49 Prozent an einem Speicher, 51 Prozent gehören der russischen Gazprom. Dort hat Serbien 280 Mio. Kubikmeter. "Wir werden 2 Milliarden Euro für Gas ausgeben", sagt Mihaijlovic. Bis zu vier Mrd. Euro könnten es für Gas und Strom sein.

"Wir verhängten keine Sanktionen gegen Russland, stimmten aber für die Human Declaration. Es ist das Hauptproblem, das wir (beim Gasbezug, Anm. der Redaktion) nicht diversifiziert haben", sagt die Vizepremierministerin. "Es wird daher sehr schwierig sein, wie für jeden Energieminister".

EU-Unterstützung für Leitung nach Aserbaidschan

Allerdings wurden bereits erste Schritte eingeleitet, um von Russland unabhängig zu sein. So wird mit EU-Unterstützung bereits eine Leitung nach Aserbaidschan gebaut. Ab September nächsten Jahres sollen damit bis zu 40 Prozent des Gases von ausserhalb Russlands kommen. In zwei Jahren soll eine Leitung nach Nord-Mazedonien fertig sein. Diese Pipeline mit einer Jahreskapazität von bis zu einer Mrd. Kubikmeter wird ebenfalls mit EU-Unterstützung errichtet.

Eine weitere Leitung nach Rumänien ist geplant. Zusätzlich ist ein Anschluss an den LNG-Terminal in Kroatien geplant, der aktuell ausgebaut wird. Und Serbien soll einen Anschluss an einen LNG-Terminal in Albanien erhalten, der auf 5 Mrd. Kubikmeter Jahreskapazität kommen soll. "Es ist nicht leicht, aber wir haben einen Plan", merkt die Vizepremierministerin an.

Umstellung auf nachhaltige Energiegewinnung

Aber auch bei der Stromversorgung bedarf es einer Umstellung: Rund 70 Prozent der Stromproduktion entfallen auf alte Kohle-Kraftwerke mit entsprechendem Schadstoffausstoß. Hier müsse auf nachhaltige Energiegewinnung umgestellt werden. Die Energiekrise hat jedenfalls zu einem besseren Verständnis beigetragen. Diesbezüglich setzt die Vizepremierministerin große Hoffnungen auf die Open Balkan-Initiative. Mit Anfang nächsten Jahres bilden Serbien, Nord-Mazedonien und Albanien eine Wirtschaftszone ohne Zoll- und Kapitalbeschränkung, aber einem gemeinsamen Arbeitsmarkt und der gegenseitigen Anerkennung von Zeugnissen. "Wenn die Leute sehen, was das bringt, werden auch die anderen Länder beitreten wollen", ist Mihajlovic überzeugt. "Wir sind für die anderen Staaten dieser Region offen", ergänzt sie. Die Politik müsse mehr darauf achten, dass es der Bevölkerung spürbar besser geht.

Trotz allem hält Serbien am EU-Beitritt fest: "Die Regierung will den europäischen Weg gehen. Doch die Zustimmung der Bevölkerung zur EU sinkt deutlich: Stimmten anfangs 56-57 Prozent für den EU-Beitritt, sind es aktuell nur mehr 45 Prozent. Aber wenn sie die Leute fragen, wo ihre Kinder studieren sollen, sagen sie West-Europa, EU und USA. Da erwähnt keiner Moskau", sagt die Vizepremierministerin.

Quelle: Agenturen / Redaktion / poz