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Selenskyj besucht umkämpfte Region Saporischschja

05. Juni 2022 · Lesedauer 4 min

Bei einem Besuch in der umkämpften Region Saporischschja hat sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Sonntag über die militärische Lage informiert. Knapp 60 Prozent der südostukrainischen Region seien seit dem russischen Einmarsch von Moskaus Truppen besetzt.

"Viele Menschen treffen aus Orten ein, die zeitweise vom Feind besetzt sind", sagte Selenskyj einer Mitteilung zufolge. Die Flüchtlinge müssten mit Wohnungen versorgt werden, verlangte der Präsident. Den Vereinten Nationen zufolge sind mehr als sieben Millionen Menschen innerhalb des Landes geflohen. "Ebenso muss an die Beschäftigung dieser Menschen gedacht werden", meinte er. Nach Saporischschja waren auch besonders viele Menschen aus der Hafenstadt Mariupol geflüchtet, in der pro-russische Separatisten mit Hilfe von Moskaus Truppen die Kontrolle übernommen haben.

Annexion befürchtet

Selenskyj hatte zuletzt immer wieder schwere Waffen vom Westen gefordert, um nicht nur den russischen Vormarsch aufzuhalten, sondern auch besetzte Gebiete zurückzuerobern. 20 Prozent des ukrainischen Territoriums sind von russischen Truppen besetzt, wie er zuletzt gesagt hatte. Zum Ärger der ukrainischen Führung hatte Moskau außerdem damit begonnen, in der Region Saporischschja russische Pässe zu verteilen. Befürchtet wird in Kiew eine Annexion des Gebiets.

London will Langstreckenraketen liefern

Das Verteidigungsministerium in London teilte am Montag mit, die Lieferung des in den USA produzierten Mehrfachraketenwerfer-Artilleriesystems (MLRS) an die Ukraine sei eng mit der Regierung in Washington abgestimmt. Die geplante Lieferung der Mehrfachraketenwerfer vom Typ M270 bedeute "einen deutlichen Schub für die Fähigkeiten der ukrainischen Armee", hob das britische Verteidigungsministerium hervor. Das Waffensystem kann Ziele in bis zu 80 Kilometern Entfernung mit präzisionsgelenkten Raketen treffen. Großbritannien will ukrainische Soldaten auch im Einsatz des neuen Waffensystems schulen.

Ukrainische Gebietsgewinne in Sjewjerodonezk

Nach Angaben der Regionalverwaltung brachte die ukrainische Armee indes die Hälfte der umkämpften Stadt Sjewjerodonezk im Osten des Landes wieder unter ihre Kontrolle. Die Streitkräfte hätten die Hälfte der Industriestadt "von russischen Truppen gesäubert", teilte der ukrainische Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Gajdaj, am Sonntag in Internetbotschaften mit.

Montag früh hieß es seitens des ukrainischen Generalstabes, russische Truppen griffen weiter mit Artillerie und Mörsern an. Die Angaben können nicht unabhängig überprüft werden. Beide Kriegsparteien haben wiederholt erklärt, sie hätten einander schwere Verluste zugefügt. Nachdem die ukrainischen Streitkräfte durch eine russische Offensive auf die Stadt zurückgedrängt worden waren, hatten die Truppen dort in den vergangenen Wochen stetig an Boden zurückgewonnen.

Sjewjerodonezk ist die letzte größere Stadt der Region Luhansk, die Russland noch nicht erobert hat. Erklärtes Ziel der russischen Streitkräfte ist es, die gesamte Donbass-Region, zu der noch die Region Donezk gehört, einzunehmen. Teile des Donbass wurden seit 2014 bereits von pro-russischen Separatisten kontrolliert.

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Russischer General in Ostukraine getötet

Das ukrainische Militär tötete indes nach eigenen Angaben einen weiteren hochrangigen russischen Offizier im Generalsrang. Der Kommandant des 1. Armeekorps der separatistischen Donezker Volksrepublik, Generalmajor Roman Kutusow, sei "entnazifiziert und entmilitarisiert" worden, teilte die Verwaltung für strategische Kommunikation der ukrainischen Streitkräfte laut dem Online-Portal "Ukrajinskaja Prawda" in der Nacht auf Montag mit. Über den Tod Kutusows hatte zuerst ein Korrespondent des russischen Staatsfernsehens berichtet.

Kutusow soll gefallen sein, während er einen russischen Angriff auf eine Ortschaft nahe Popasna im Gebiet Luhansk im Osten der Ukraine leitete. Die ukrainische Seite hatte zuvor berichtet, die russische Attacke sei abgewehrt worden und der Feind habe sich unter "erheblichen Verlusten" zurückziehen müssen.

Hacker kapern russische Ministeriumsseite

Unterdessen haben Hacker offenbar die Internetseite des russischen Ministeriums für Bau-, Wohnungs- und Versorgungswesen angegriffen. Eine Internetsuche nach der Seite führt zu einem Schild mit der Aufschrift "Ruhm der Ukraine" in ukrainischer Sprache. Die staatliche russische Nachrichtenagentur RIA zitierte am späten Sonntagabend einen Vertreter des Ministeriums mit den Worten, die Website sei nicht erreichbar, aber die persönlichen Daten der Nutzer seien geschützt. RIA meldete zudem, andere Medien hätten berichtet, die Hacker hätten ein Lösegeld gefordert, um die Veröffentlichung der Nutzerdaten zu verhindern. Reuters konnte dies nicht nachprüfen.

Quelle: Agenturen / Redaktion / lam