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Schwerer Schlag: Russland gibt Lyman auf

01. Okt. 2022 · Lesedauer 4 min

Russland hat in einer weiteren Niederlage gegen die ukrainische Armee die strategisch wichtige Stadt Lyman im Gebiet Donezk aufgegeben.

Die Streitkräfte seien wegen der Gefahr einer Einkesselung abgezogen worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Samstag in Moskau. Zuvor hatten ukrainische Behörden von rund 5.000 eingekesselten russischen Soldaten gesprochen. Demnach versuchten einige Soldaten, der Einkesselung zu entfliehen.

Neue Frontlinie

Seit Wochen wurde um Lyman erbittert gekämpft. Nach der Niederlage im nordukrainischen Gebiet Charkiw und ihrem Rückzug von dort haben die russischen Truppen versucht, eine neue Frontlinie entlang der Flüsse Oskil und Siwerskyj Donez aufzubauen. Lyman als nächste Stadt gegenüber dem von Kiew gehaltenen Ballungsraum Slowjansk - Kramatorsk galt diesbezüglich als wichtig. Einerseits, um selbst Angriffe im Norden des Donbass-Gebiets lancieren zu können, andererseits als Barriere für eine ukrainische Gegenoffensive.

Angriffe aus Westen und Süden

Nach intensiven Kämpfen ist die Stadt am Samstag gefallen. Ukrainische Einheiten hissten in Lyman die blau-gelbe Landesflagge. Die Ukrainer hatten die Stadt zuvor in die Zange genommen. Angriffe wurden sowohl von Westen als auch von Norden und Süden lanciert. Die einzige Nachschub- und Rückzugsverbindung der Russen nach Osten über Saritschne und Torske geriet unter den Beschuss der ukrainischen Artillerie. Unklar ist unter diesen Umständen, wie viele russische Soldaten gefallen oder in Gefangenschaft gekommen sind.

Die ukrainischen Truppen hatten nach eigenen Angaben zeitweise etwa 5.000 russische Soldaten eingekesselt. Das sei der Stand am Samstag in der Früh, teilte der ukrainische Verwaltungschef für Luhansk, Serhij Hajdaj, mit. "Die Okkupanten haben ihre Führung gebeten, nach Möglichkeit herauszukommen, woraufhin sie eine Abfuhr erhielten", sagte er. "Sie haben jetzt drei Handlungsmöglichkeiten: Entweder können sie versuchen auszubrechen oder sie ergeben sich. Oder sie sterben alle zusammen. Da sind von ihnen etwa 5000, eine genaue Zahl gibt es nicht."

Kadyrow fordert Einsatz von Atomwaffen

Ramsan Kadyrow, Führer der russischen Republik Tschetschenien, sagte in einer ersten Reaktion, Moskau solle angesichts der Rückschläge auf dem Schlachtfeld den Einsatz einer Atomwaffe in Betracht ziehen.

In einer Telegram-Nachricht, in der er die russischen Kommandeure für die Aufgabe der ostukrainischen Stadt Lyman kritisierte, schrieb Kadyrow: "Meiner persönlichen Meinung nach sollten drastischere Maßnahmen ergriffen werden, bis hin zur Ausrufung des Kriegsrechts in den Grenzgebieten und dem Einsatz von Atomwaffen mit geringer Reichweite".

Mychajlo Podoljak, ein Berater des ukrainischen Präsidentenbüros, hält es für vorstellbar, dass Russland tatsächlich Atomwaffen einsetzen könnte.

"Günstige Ausgangslage für weitere Offensive"

PULS 24 Militärexperte Gerald Karner sprach erst am Freitag davon, dass die Russen wohl kapitulierten müssten, seien sie doch von Nachschub abgeschnitten. Lyman sei ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt - es sei nun eine "günstige Ausgangslage für eine weitere Offensive". 

Ähnliches sehe man auch in der Südukraine, wo den Russen die Einkesselung von bis zu 20.000 Mann drohe, wenn sie nicht evakuiert werden. Die russische Front droht zusammenzubrechen, sagt Karner.

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Logistik- und Transportzentrum

Russland hatte Lyman, wo vor Kriegsausbruch 20.000 Menschen lebten, im Mai eingenommen. Danach wurde es zu einem militärischen Logistik- und Transportzentrum ausgebaut. Nach der russischen Schlappe in Charkiw galt die Stadt als so wichtig, dass die russische Führung sie möglichst lange halten wollte, zumindest aber bis zur Erklärung der Annexion der vier ukrainischen Gebiete Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja.

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte die Annexion am Freitag im Rahmen eines Festakts im Kreml erklärt. Kein Staat erkennt diesen Bruch des Völkerrechts an. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte angekündigt, alle besetzten Territorien zu befreien. Er setzt dazu auf schwere Waffen des Westens und auf Militärberater der NATO-Staaten.

Quelle: Agenturen / Redaktion / msp