Wieder mehrere Tote nach russischen Angriffen in der Ukraine
"Jeder dieser russischen Angriffe untergräbt die laufenden diplomatischen Bemühungen und die Bemühungen unserer Partner, den Krieg zu beenden", erklärte der ukrainische Präsident am Dienstag in Onlinediensten. "Wir erwarten von den USA, von Europa und den anderen Partnern, dass sie nicht schweigen und sich daran erinnern, dass ein echter Frieden voraussetzt, dass Druck auf Moskau ausgeübt wird", fügte Selenskyj hinzu.
Die Region Odessa wurde örtlichen Behörden zufolge von etwa fünfzig russischen Drohnen angegriffen, in der gleichnamigen Stadt wurden demnach drei Tote aus den Trümmern gezogen, rund 30 Menschen wurden zudem verletzt. Nach Angaben des örtlichen Gouverneurs Oleh Kiper sind zwei Kinder und eine schwangere Frau unter den Verletzten.
Eine AFP-Journalistin in Odessa sah ein Wohngebäude mit eingestürzter Fassade sowie Rettungskräfte, die in den Trümmern nach Menschen suchten. Gouverneur Kiper erklärte, die Drohnen hätten dutzende Wohngebäude, eine Kirche, einen Kindergarten, eine Schule und ein Fitnesscenter beschädigt.
Das Energieunternehmen DTEK teilte mit, dass russische Streitkräfte eine seiner Anlagen stark beschädigt hätten. Odessa ist der größte ukrainische Schwarzmeerhafen. Die Energie- und Hafeninfrastruktur ist häufig Ziel russischer Angriffe.
Im Osten der Ukraine traf indes eine russische Gleitbombe die Stadt Slowjansk. Die Staatsanwaltschaft der Region Donezk gab den Tod eines Ehepaars bekannt, deren 20-jähriger Sohn zudem verletzt worden sei. Slowjansk liegt etwa 20 Kilometer von der Frontlinie entfernt und wird regelmäßig von russischen Streitkräften angegriffen.
Mindestens vier Tote bei Drohnenangriff auf Passagierzug
In der Region Charkiw wurde ein Passagierzug mit Drohnen angegriffen. Nach ukrainischen Angaben befanden sich fast 300 Fahrgäste an Bord. Laut Präsident Selenskyj wurden mindestens vier Menschen getötet. Nach vier weiteren werde noch gesucht, zwei seien verletzt worden, schrieb Selenskyj in sozialen Medien. Er wirft Russland deswegen "Terrorismus" vor. "In jedem Land würde ein Drohnenangriff auf einen zivilen Zug genauso bewertet werden - als reiner Terrorismus", schrieb er auf Telegram.
In der Region Saporischschja im Süden sowie in der Nachbarregion Cherson wurde ukrainischen Angaben zufolge insgesamt zwei Menschen in ihren Häusern getötet.
Insgesamt 165 russische Drohnen in einer Nacht
Nach Angaben der ukrainischen Luftabwehr wurde das Land in der Nacht mit insgesamt 165 russische Drohnen angegriffen, 135 davon konnten demnach abgefangen werden. Das staatliche Gasunternehmen Naftogaz gab bekannt, dass eine seiner Anlagen im Westen des Landes getroffen wurde - bereits zum fünften Mal in diesem Monat.
Weitere trilaterale Gespräche am Sonntag in Abu Dhabi
Die am Wochenende gestarteten trilateralen Gesprächen zwischen Russland, der Ukraine und den USA sollen nach Angaben Washingtons und Kiews am Sonntag in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate fortgesetzt werden. Selenskyj hatte die Gespräche am vergangenen Wochenende als "konstruktiv" bezeichnet, forderte mit Blick auf die nächste Runde jedoch "echte Ergebnisse".
Auch Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte am Montag, die Verhandlungen am Wochenende hätten in einem "konstruktiven Geist" stattgefunden. Zugleich betonte er, "es wäre ein Fehler, von diesen ersten Kontakten bedeutende Ergebnisse zu erwarten". "Es liegt noch viel Arbeit vor uns", fügte Peskow hinzu.
Russen melden Einnahme zweier ukrainischer Ortschaften
Das russische Verteidigungsministerium gab indes die Einnahme von zwei weiteren Ortschaften in der Ukraine bekannt. Das Dorf Kupjansk-Wuslow in der Region Charkiw und das Dorf Nowojakowlikwa in der Region Saporischschja seien durch russische Truppen eingenommen worden, erklärte das Ministerium.
Der russische Armeechef Waleri Gerassimow besuchte nach Angaben Moskaus im Osten der Ukraine kämpfende Soldaten. Gerassimow habe "den Fortschritt der Kampfeinsätze der militärischen Formationen und Einheiten der Streitkräftegruppe Sapad (West) im Spezialoperationsgebiet" geprüft, teilte das Verteidigungsministerium am Dienstag im Onlinedienst Telegram mit.
Die in der Ukraine kämpfenden russischen Soldaten "setzen ihre Offensive an allen Fronten fort", sagte Gerassimow laut einem vom Verteidigungsministerium veröffentlichten Video. Weiter sagte er, die russischen Streitkräfte hätten seit Jahresbeginn 17 Ortschaften und "mehr als 500 Quadratkilometer" ukrainischen Territoriums unter ihre Kontrolle gebracht.
Zusammenfassung
- Nach den Ukraine-Verhandlungen in Abu Dhabi setzte Russland massive Angriffe fort, bei denen laut ukrainischen Angaben elf Menschen getötet wurden.
- In Odessa griffen etwa 50 russische Drohnen an, drei Menschen kamen ums Leben und rund 30 wurden verletzt, darunter zwei Kinder und eine schwangere Frau.
- Ein Drohnenangriff auf einen Passagierzug in der Region Charkiw forderte mindestens vier Todesopfer und verletzte zwei weitere, fast 300 Fahrgäste waren an Bord.
- Die ukrainische Luftabwehr meldete in einer Nacht insgesamt 165 russische Drohnenangriffe, von denen 135 abgefangen werden konnten.
- Russland gab die Einnahme von zwei weiteren Ortschaften bekannt und beansprucht seit Jahresbeginn die Kontrolle über 17 Ortschaften und mehr als 500 Quadratkilometer ukrainisches Gebiet.
