APA - Austria Presse Agentur

Schweden sieht sich auf dem richtigen Weg

19. Apr 2020 · Lesedauer 4 min

In Schweden, jenem Land, das mit seiner Art mit der Coronakrise umzugehen, für Aufsehen gesorgt hat, haben sich vergangene Woche erste Anzeichen für eine Entspannung der Lage gezeigt. Gesundheitsbehörden und Regierung wähnen sich trotz Fehlern in einzelnen Bereichen im Großen und Ganzen auf dem richtigen Weg. Auch die Nachbarländer schwenken nun zum Teil auf die Stockholmer Linie ein.

In Schweden, jenem Land, das mit seiner Art mit der Coronakrise umzugehen, für Aufsehen gesorgt hat, haben sich vergangene Woche erste Anzeichen für eine Entspannung der Lage gezeigt. Gesundheitsbehörden und Regierung wähnen sich trotz Fehlern in einzelnen Bereichen im Großen und Ganzen auf dem richtigen Weg. Auch die Nachbarländer schwenken nun zum Teil auf die Stockholmer Linie ein.

In der täglichen Pressekonferenz der staatlichen Gesundheitsbehörde am Freitag sagte die Mikrobiologin Karin Tegmark Wisell, es gebe bereits einen "Abwärtstrend" bei der Entwicklung der Covid-19-Erkrankungen in Schweden. Mit einem Anstieg von lediglich 67 auf insgesamt 1.400 Fälle war das Wachstum zudem niedriger als in den Tagen davor und deutlich weniger als noch vor Ostern.

Bereits am Vortag sagte Chef-Epidemiologe Anders Tegnell, man habe nach Ostern mit neuen Spitzenwerten gerechnet. Dies sei nicht eingetreten. Als mögliche Erklärung dafür nannte der Epidemiologe, der wegen seiner außergewöhnlichen Medienpräsenz auch international schon so etwas wie ein schwedischer "Mister Corona" ist, eine beginnende "Herdenimmunität".

Die Strategie Schwedens war es von Beginn an, möglichst wenige gesetzliche Verbote zu erlassen und keine Maßnahmen einzuführen, die länger als ein paar Wochen durchzuhalten sind. Unterstufen, Kindergärten, die Gastronomie, Hotellerie und anfangs sogar die Skigebiete blieben offen. Sowohl die Gesundheitsbehörden als auch Ministerpräsident Stefan Löfven operierten mit Empfehlungen wie beispielsweise, nach Möglichkeit von zuhause aus zu arbeiten oder ältere Verwandte einstweilen nicht zu besuchen.

Diese Linie rief vor allem im Ausland, wo im Gegensatz dazu mit gesetzlichen Mitteln teils drastische Einschnitte in den Alltag der Bevölkerung gemacht wurden, einiges an Skepsis hervor. Die vergleichsweise hohe Todesrate in Schweden schien die Bedenken auch zu bestätigen. Tegnell räumte unverblümt ein, dass bei der Arbeit in den Altersheimen "Fehler gemacht" worden seien. Tatsächlich sind rund ein Drittel aller Corona-Toten in Schweden Bewohner solcher Institutionen. Der Epidemiologe betonte aber, dass in Schweden fast nur Menschen ins Altersheim kommen, die eine verbleibende Lebenserwartung von wenigen Monaten haben.

Daher ist man in Schweden davon überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein. Die Bevölkerung halte sich zu 98 Prozent an die Ratschläge der Behörden, sagte Tegnell vergangene Woche in einem Journalistengespräch via Internet. Nun sollen zur Sicherheit bestimmte Berufsgruppen, die viel Kontakt mit Menschen haben, verstärkt auf das Virus getestet werden. Am Freitag trat die Regierung dem ihrer Meinung nach im Ausland herrschenden Bild entgegen, in Schweden gehe das Leben weiter, als wäre nichts geschehen. Vielmehr lägen auch in Schweden viele Lebensbereiche auf Eis. Auch die Wirtschaft leide stark darunter, so Außenministerin Ann Linde.

Am Donnerstag segnete der Reichstag in Stockholm zudem einige Sonderbefugnisse ab, die es der Regierung ermöglichen, rasch bestimmte Betriebe und Institutionen zu schließen und die Versammlungsfreiheit weiter einzuschränken - derzeit liegt die Corona-bedingte Grenze für Versammlungen bei 50 Personen.

Auch andere Länder - insbesondere in der skandinavischen Nachbarschaft - beginnen nun teilweise auf die schwedische Linie einzuschwenken und bestimmte Vorschriften zu lockern. Den Anfang machte Dänemark mit der Öffnung von Kindergärten und Schulen bis zur fünften Schulstufe unmittelbar nach Ostern. Das stieß bei vielen Eltern zunächst auf heftige Ablehnung. Die Regierung in Kopenhagen zeigte sich von den Protesten unbeeindruckt und verfügte, dass ab Montag auch einige persönliche Dienstleister wie Friseure oder Fahrschulen wieder aufsperren dürfen. Ab Montag sollen auch in Norwegen die Kindergärten wieder aufsperren, eine Woche später die Klassen der ersten vier Schulstufen.

Während man in Dänemark noch an einer - freiwilligen - Corona-App bastelt, ist in Norwegen ein entsprechendes Programm bereits im Einsatz. Beide Apps werden auf strikt freiwilliger Basis angeboten. In Norwegen hat seit der Einführung am Donnerstag über eine Million Menschen - rund ein Fünftel der Gesamtbevölkerung - die App heruntergeladen. In Dänemark wollen die Behörden ebenfalls eine Corona-App anbieten. Derzeit gibt es aber noch technische Probleme. Einsatzfähig soll die dänische App erst in einigen Wochen sein.

Quelle: Agenturen