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"Schwarzer Sonnenkönig": Wie internationale Medien über den Kurz-Rücktritt berichten

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Der Rücktritt von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Samstagabend beschäftigte nicht nur Österreichs Presse, auch international berichteten die größten Medien über die Alpenrepublik und den Machtwechsel.

"Österreichischer Kanzler Kurz tritt während Korruptions-Vorwürfen zurück", titelte die "Washington Post". Der Kanzlerwechsel - Alexander Schallenberg übernimmt für Kurz - schaffte es damit auch in den USA in die Qualitätsmedien. Das Aufsehen war auch in Europa groß. 

Die Schweizer "Blick" berichtete unter dem Titel "Ösi-Kanzler beteuert Unschuld - und tritt trotzdem zurück". Die deutsche "Bild" sprach davon, dass Kurz "nach Korruptions-Skandal als Kanzler von  Österreich" hinwerfe. Auch die französische "Le Monde" brachte die Korruptionsvorwürfe im Titel unter. 

Ein Überblick der größten internationalen Medien: 

"Die Welt" (Berlin): "Rücktritt sieht anders aus"

"Im Nationalrat wird in Paragrafen gegossen, was auf Regierungsbänken beschlossen wird. Ein Clubchef ist der Rammbock einer Partei. Ein Rücktritt sieht anders aus. Vor allem, wenn ein zwar durchaus charmanter und schlauer Karrierediplomat das Amt übernehmen soll, dieser allerdings keinerlei politisches Profil und einem Hang zum Ablesen ihm vorgelegter Positionen hat.

Und so ist das, was Kurz am Samstagabend zur besten Sendezeit direkt in die Wohnzimmer der Österreicher sprach, nicht mehr als ein Manöver. Eines, das Druck von ihm selbst nimmt und ihn angesichts einer drohenden Lawine an Korruptions-Anklagen vor allem in die parlamentarische Immunität rettet.

Was da nicht ist, ist Einsicht. Kurz hat eben nicht die Konsequenzen aus dem gezogen, was ihm vorgeworfen wird. Er hat durchwegs die Position weiter getragen, dass er im Zentrum einer Intrige stehe. Er hat sich aus der Schusslinie gerettet, nicht mehr und nicht weniger. Die Koalition kann damit weiter bestehen. Mit Kurz als Schattenkanzler."

"Neue Zürcher Zeitung am Sonntag": Kurz "wollte das erst nicht einsehen"

"Es war die Entscheidung, die eigentlich am naheliegendsten war und Sebastian Kurz doch besonders undenkbar erschien: ein Rücktritt als Kanzler nach den so schwerwiegenden Vorwürfen der Staatsanwaltschaft gegen ihn und seine engsten Mitarbeiter. (...)

Der junge Kanzler wollte das erst nicht einsehen. Drei Tage hat er gebraucht für den Sinneswandel. So lange lagen die polizeilichen Durchsuchungen des Kanzleramts und des Parteisitzes seiner ÖVP zurück. Aber Kurz, der Shootingstar der Bürgerlichen in Europa, hat sich am Ende zu diesem Schritt durchgerungen: Staatsräson über Parteiräson, das Wohl des Landes über den eigenen Ehrgeiz und den Willen zur Machtausübung. Kurz hat staatsmännische Reife bewiesen. Gerne hätte man sie auch vorher gesehen, während der zehn Jahre, in denen Kurz hohe Regierungsämter bekleidet hat. Dass er sich nun als Märtyrer stilisiert und an ein Comeback glaubt, schmälert die Größe der Entscheidung zum Rücktritt nicht."

"La Repubblica" (Rom): "Schwarzer Sonnenkönig":

"Kurz muss kapitulieren. Korruption versenkt Europas jüngsten Premierminister. Der Kanzler steht im Mittelpunkt eines ausgedehnten Skandals wie ein schwarzer Sonnenkönig. (...) Die Justiz ermittelt wegen Begünstigung und Korruption auch der Kreis von Kurz ́ engsten Mitarbeitern".

"Corriere della Sera" (Mailand): Märchen zu Ende

"Das Märchen Sebastian Kurz', dem Wunderkind der Politik, der Wien verzaubert hat, ist zu Ende. Der Prinz mit dem Porzellangesicht, der aus dem Nichts gekommen ist und eine ehrwürdige Partei wie die ÖVP zu einem zahmen Instrument seines politischen Aufstiegs gemacht hat, hatte einem satten, reichen und verschlafenen Land den Nervenkitzel des Wandels und einer neuen politischen Grenze angeboten".

"Il Messaggero" (Rom): Nur Schritt zur Seite

"Wer glaubt, dass die Karriere des jungen österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz hier endet, der irrt sich gewaltig: Der Rücktritt könnte nur ein Schritt zur Seite sein. Kurz hat nämlich schon einmal die Macht zurückerobert, nachdem er wegen des Sturzes seines damaligen rechtsextremen Verbündeten Heinz Christan Strache kurzzeitig das Kanzleramt verlassen hatte. Der 35-Jährige verlässt auch diesmal die Politik nicht: Er bleibt Fraktionsvorsitzender und Vorsitzender der ÖVP, zwei wichtige Funktionen, mit denen er die politische Agenda weiterhin auf entscheidende Weise beeinflussen wird".

"Il Giornale" (Mailand): Ruhestand?

 "Mit Alexander Schallenberg ist die Führung der österreichischen Regierung in die Hände eines erfahrenen Diplomaten übergegangen. Es wird viel Diplomatie nötig sein, um sicherzustellen, dass die ÖVP an der Führung der Regierung bleibt, während man darauf wartet, dass Kurz das Kapitel des neuen Skandals abschließt, in den er involviert ist, und an die vorderste Front zurückkehrt. Vorausgesetzt, er wird nicht im Alter von 35 Jahren von jenen endgültig in den Ruhestand geschickt, die er in seiner eigenen Partei beseitigt hat und die immer noch auf Rache aus sind".

"Il Tempo" (Rom): Zum zweiten Mal jüngster Ex-Kanzler

"Kurz, der jüngste Minister in der Geschichte eines EU-Landes und der jüngste Bundeskanzler der Zweiten Republik in Österreich ist nun auch zum zweiten Mal der jüngste Ex-Kanzler. Die politische Zukunft von Italiens benachbartem Österreich ist vorerst ungewiss. Kurz schafft es nicht, dem neuen Skandal Stand zu halten, den ihn wie eine Lawine verschüttet hat."
 

ribbon Zusammenfassung
  • Der Rücktritt von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) am Samstagabend beschäftigte nicht nur Österreichs Presse, auch international berichteten die größten Medien über die Alpenrepublik und den Machtwechsel.