APA - Austria Presse Agentur

Schallenberg 9/11-Jahrestag in den VAE und Riad

10. Sept 2021 · Lesedauer 4 min

Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) beginnt heute, Freitag, seine viertägigen Reise an den Persischen Golf, die ihn in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Saudi-Arabien und in den Oman führen wird. Dass Schallenberg dann gerade am 11. September - also dem 20. Jahrestag der Anschläge in den USA - in den VAE und Riad weilen wird, entbehrt nicht einer leichten Pikanterie. Aus den VAE flossen Gelder an die 9/11-Terroristen, Riad unterstützte jahrelang die Taliban.

Als die Taliban zwischen 1996 und 2001 Afghanistan regierten, zählte Saudi-Arabien neben Pakistan und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) - der ersten Station Schallenbergs auf der Arabischen Halbinsel - weltweit zu jenen drei Ländern, welche die Regierung der Radikalislamisten offiziell anerkannten. Den Emiraten wurde auch vorgeworfen, zumindest die an den Anschlägen von "9/11" federführend beteiligte "Hamburger Zelle" mitfinanziert zu haben.

Nach den Attacken auf mehrere Ziele in New York und Washington am 11. September 2001 mit rund 3.000 Toten setzten die USA dann jedoch die Staatsführung von Saudi-Arabien unter Druck, ihre Bande zu den Taliban zu kappen, da diese der Al-Kaida-Führungsriege Unterschlupf gewährten. Es war aber ein offenes Geheimnis, das unterschwellig weiterhin Verbindungen zwischen den staatlichen, religiösen und privaten Akteuren bestanden.

Aktuell ist Saudi-Arabien zu seinen ehemaligen Partnern in Afghanistan auf Distanz. Selbst die frühere Vermittlerrolle zwischen den Taliban und der abgesetzten afghanischen Regierung wurde an das Emirat Katar weitergereicht. Die saudi-arabische Führung versucht aktuell - wie auch jene der VAE - zu demonstrieren, dass sie islamistischen Terror und Extremismus ablehnt und im Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS) und Al Kaida an der Seite der USA steht. So gab es nicht zuletzt durch Vermittlung des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump auch Annäherungen in den Beziehungen zu Israel.

Dennoch wird Saudi-Arabien von manchen Experten noch immer als "Teil des Problems" gesehen. Etwa weil das Königreich mit dem Wahhabismus auch eine Islaminterpretation verbreitet, die dem IS als Grundlage seiner Weltanschauung dient und eine strikte Abgrenzung von allen nicht-wahhabitischen Muslimen beinhaltet. Mitunter mischt sich Saudia-Arabien auch vehement in Konflikte in der Nachbarschaft ein. Im Frühjahr 2015 begann der Krieg Saudi-Arabiens und der VAE gegen die Houthi-Rebellen im Jemen, gefolgt von der Blockade Katars, die die beiden Nachbarn im Juni 2017 verhängten.

An sich ist Saudi-Arabien unter der De-Facto-Führung des Kronprinzen Mohammed bin Salman auf einem Modernisierungskurs. Dieser beinhaltet auch wirtschaftliche Innovationen. So will der Prinz das Königreich aus der Abhängigkeit der Erdölproduktion und des -exports führen. Ein Projekt ist, das Land zu einem Zentrum der Wasserstoffwirtschaft zu machen, wozu im Nordwesten des Staatsterritoriums die 500 Milliarden teure Technologie-Megacity "Neom" entstehen soll. Dort wird den Visionen zufolge in einigen Jahren neben Tausenden Windrädern und kilometerlangen Sonnenkollektoren auch ein 2000 Megawatt-Elektrolyseur an der Arbeit sein. Ähnliche Ziele verfolgt aber auch der Oman. Dort ist die weltweit größte Wasserstofffabrik in Planung.

Diese Themen und die Lage in Afghanistan werden zur Sprache kommen, wenn Schallenberg am Sonntag in Riad mit dem saudi-arabischen Außenminister Prinz Faisal bin Farhan al-Saud zusammenkommt. Im Sultanat Oman trifft er am Montag neben Außenminister Sayyid Badr al-Busaidi und dem "Minister für den Königlichen Hof", General Sultan al-Nu'amani, auch den Minister für Handel und Industrie, Qais al-Yousef. In der Hauptstadt Maskat steht auch die Eröffnung einer österreichische Botschaft auf dem Programm. In Abu Dhabi wird Schallenberg bereits am Samstag mit dem dortigen Industrieminister Sultan al-Jaber zusammenkommen.

Der ÖVP-Minister wird von Vertretern der heimischen Wirtschaft begleitet. Mit von der Partie sind Repräsentanten des Mineralölkonzerns OMV sowie von voestalpine (Stahl und Technologie), Rosenbauer (Feuerwehrausrüster), VAMED (Gesundheitsdienstleister) und PORR (Bau). "Diese Woche haben wir gemeinsam den Startschuss gesetzt für ReFocus Austria, der größte Business Outreach, den Österreich bisher gesehen hat", ließ Schallenberg in diesem Zusammenhang wissen. "Bis zum nächsten Sommer werden an den über 100 Außenvertretungen Österreichs maßgeschneiderte Veranstaltungen stattfinden, um die österreichische Exportwirtschaft zu unterstützen und ihre Leistungsfähigkeit und Stärke noch deutlicher ins Rampenlicht zu rücken."

Quelle: Agenturen