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Russland will zwischen Armenien und Aserbaidschan vermitteln

17. Juli 2020 · Lesedauer 2 min

Russland hat sich als Vermittler im bewaffneten Konflikt zwischen den ehemaligen Sowjet-Staaten Armenien und Aserbaidschan angeboten. Präsident Wladimir Putin und der russische Sicherheitsrat seien "sehr besorgt" über das Wiederaufflammen der Kämpfe im Süden des Kaukasus, teilte ein Kreml-Sprecher am Freitag mit. Baku und Eriwan meldeten unterdessen, dass sich die Situation vorerst beruhigt habe.

Die Konfliktparteien müssten sich dringend auf einen Waffenstillstand einigen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax. Russland sei bereit, die beiden Seiten dabei zu unterstützen. Russland hat bereits in früheren Auseinandersetzungen zwischen Eriwan und Baku vermittelt.

Ein Sprecher der armenischen Regierung meldete aus der Nacht zu Freitag "sporadisches" Feuer von aserbaidschanischen Soldaten, sonst aber eine "relativ ruhige" Nacht. Die "allgemeine Situation bleibt angespannt", hieß es aus dem aserbaidschanischen Verteidigungsministerium. Die beiden Länder hatten sich zuvor gegenseitig beschuldigt, Grenzdörfer mit Artillerie beschossen zu haben.

In den vorangegangenen Tagen hatte es wiederholt Grenzgefechte zwischen der aserbaidschanischen und der armenischen Armee gegeben. Dabei wurden laut offiziellen Angaben insgesamt mindestens 17 Menschen getötet. Es waren die schwersten Gefechte zwischen den beiden verfeindeten Nachbarländern seit 2016.

Die beiden Kaukasus-Länder Armenien und Aserbaidschan befinden sich seit fast 30 Jahren in einem Konflikt um die Kontrolle über die Region Berg-Karabach. Das mehrheitlich von Armeniern bewohnte Berg-Karabach war zu Sowjetzeiten Aserbaidschan zugeschlagen worden. Pro-armenische Rebellen brachten das Gebiet Ende der 80er Jahre unter ihre Kontrolle. 1991 rief Berg-Karabach seine Unabhängigkeit aus, international wird das Gebiet jedoch bis heute nicht als eigenständiger Staat anerkannt.

Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev hatte vor ein paar Tagen kritisiert, die Gespräche zur Beilegung des Konflikts um Berg-Karabach seien festgefahren. In diesem Zusammenhang schloss er einen neuen militärischen Konflikt mit Armenien nicht aus.

Die politischen und militärischen Beziehungen zwischen Russland und Armenien sind sehr eng; Ankara ist ein wichtiger Verbündeter Aserbaidschans, dessen Bevölkerung mehrheitlich eine dem Türkischen ähnliche Sprache spricht.

Quelle: Agenturen