APA - Austria Presse Agentur

Russland bietet 1 Million Sputnik-Dosen, EMA-Zulassung aber nicht in Sicht

30. März 2021 · Lesedauer 4 min

Russland hat Österreich offenbar die Lieferung von einer Million Dosen des Impfstoffes Sputnik V angeboten, wie das Kanzleramt am Dienstag mitteilte. Die Zulassung des Impfstoffes dauert aber wohl noch länger.

Österreich verhandelt derzeit offenbar mit Russland über die Lieferung von einer Million Dosen des Corona-Impfstoffes Sputnik V. Aus dem Bundeskanzleramt in Wien hieß es am Dienstag gegenüber der APA, man verhandle über die Lieferung von 300.000 Dosen im April, 500.000 Dosen im Mai und 200.000 Dosen Anfang Juni.

Eine Kaufentscheidung für die insgesamt eine Million Impfdosen sei aber noch nicht getroffen worden. Denn in der Europäischen Union ist Sputnik V derzeit noch nicht zugelassen. Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) hat aber ein sogenanntes rollierendes Verfahren zur beschleunigten Prüfung einer Zulassung erst am 4. März gestartet. Bis April wird diese wohl nicht abgeschlossen sein.

Herzog: Sputnik V "sehr willkommen"

Alexander Herzog, der Generalsekretär der Pharmig (Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs) zeigte sich im PULS 24 Interview erfreut über das Angebot, dass Österreich den Corona-Impfstoff Sputnik V bekommen könnte. Jeder Impfstoff, den Österreich bekommt und der von der EMA, der Europäischen Arzneimittel-Agentur, zugelassen sei, sei sehr willkommen. Die Pharmig begrüße die ernsthaften Gespräche mit den Russen ausdrücklich.

EMA prüfe "Tag und Nacht"

Herzog könne nicht beantworten, ob es sich bis dahin ausgehen würde, dass die EMA-Zulassung dann schon da sei. "Die EMA wird sich von der einen oder anderen Liefer-Deadline" nicht beeindrucken lassen. Das sei auch gut so. Sie sei eine der strengsten und sichersten Behörden weltweit, prüfe aber "Tag und Nacht". Herzog geht davon aus, dass bis Juni drei Viertel der österreichischen Bevölkerung eine Impfung angeboten bekommen würden, auch ohne Sputnik. 

Die Informationen, die die Phamig habe, ließen darauf schließen, dass Sputnik V sicher sei. Das müsste die EMA entscheiden, aber "theoretisch schaut es ganz gut aus", so Herzog. 

Gesundheitsminister Rudolf Anschober hat in der Vergangenheit immer wieder betont, er werde der EMA nicht vorgreifen - zuletzt etwa in der Frage der Verimpfung von AstraZeneca. Auch in Bezug auf Sputnik V hatte Anschober wiederholt gesagt, dass in Österreich nur von der EMA zugelassene Impfstoffe verimpft werden.

Im Gegensatz zu anderslautenden Informationen vom Vormittag, betonte das Gesundheitsministerium gegenüber PULS 24 am frühen Nachmittag, nun doch von Anfang an in den Prozess eingebunden gewesen zu sein.

Telefonat mit Putin

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) habe am 26. Februar mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert und über mögliche Lieferungen des russischen Impfstoffs Sputnik V nach Österreich gesprochen, so das Bundeskanzleramt. Noch am selben Tag sei eine Kontaktaufnahme mit dem Russian Direct Investment Fund (RDIF), der mit dem internationalen Vertrieb von Sputnik V beauftragt ist, erfolgt.

Am 5. März habe Kurz dann mit Kirill Dmitriev, dem RDIF-Vorstandsvorsitzenden, gesprochen. Seitdem habe es bereits mehrere Videokonferenzen und Telefonate mit dem RDIF sowie dem russischen Botschafter in Österreich, Dmitri Ljubinski, unter Einbindung des Gesundheitsministeriums und der Finanzprokuratur gegeben.

EU-Kommission verhandelt nicht zu Sputnik V

Die EU-Kommission äußerte sich zu den Verhandlungen zwischen Wien und Moskau zu Sputnik V zurückhaltend. Der Impfstoff gehöre nicht zu dem von der EU-Kommission ausverhandeltem Portfolio, sagte eine Sprecherin am Dienstag in Brüssel. Sie verwies darauf, dass "Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit" von Impfstoffen geprüft werden müssen.

Im Falle einer Notfallzulassung müssen die "Konsequenzen" getragen werden. So würde die Haftung nicht mehr bei den Herstellern, sondern bei den Mitgliedstaaten liegen. Die EU-Kommission verhandle nicht zu Sputnik V, hieß es letztlich. Man sei "zuversichtlich" mit der derzeitigen Impfstrategie, das Ziel, 70 Prozent der Erwachsenen in der EU bis Sommer geimpft zu haben, zu erreichen.
 

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, das Gesundheitsministerium sei überrascht von dem Angebot. Das Ministerium hat dies gegenüber PULS 24 richtig gestellt.

Dieser Artikel wurde am 30.3. um 18:20 Uhr um die Aussagen von Pharmig-Generalsekretär Herzog ergänzt. 

Quelle: Agenturen / Redaktion / hos/APA