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Ruf nach besserem Betreuungsschlüssel in Kindergärten

Zum bereits sechsten Mal hat am Dienstag (24. Jänner) der Tag der Elementarbildung stattgefunden. Und zum wiederholten Mal fordern die im Netzwerk Elementarer Bildung Österreichs (NEBÖ) vereinigten Praktikerinnen kleinere Gruppengrößen, ein einheitliches Dienstrecht sowie die Eingliederung des vor allem die Kindergärten umfassenden Elementarbereichs in die Zuständigkeit des Bundes bzw. des Bildungsministeriums.

Das NEBÖ ist aus dem Berufsverband der Kindergarten- und HortpädagogInnen hervorgegangen und umfasst nun auch Berufsgruppen wie Assistenzen und Tageseltern. Grundproblem der Kindergärten, die unter anderem mit Personalmangel kämpfen, ist laut NEBÖ-Vorsitzender Natascha Taslimi das Ignorieren der Veränderung der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen durch die Politik. "Elementarbildung muss gleichwertig der Schulbildung angesehen werden", so Taslimi bei einer Pressekonferenz. "Das ist noch nicht in der Politik angekommen."

Mittlerweile müssten die Beschäftigten die Kinder nicht nur in ihrer Entwicklung begleiten, meinte Taslimi. Dazu kämen noch Aufgaben wie verpflichtende Sprachstandserhebungen, gezielte Beobachtungen, die Beratung der Eltern, Team - sowie Standortentwicklung. Dadurch sowie durch die schlechten Betreuungsverhältnisse würden aber vor allem Absolventinnen und Absolventen der Bildungsanstalten für Elementarpädagogik, die unmittelbar nach der Schule in den Kindergarten wechseln, abgeschreckt.

Viele dieser Personen würden aber vermutlich in den Beruf gehen bzw. dort verbleiben, wenn der Betreuungsschlüssel verbessert würde, vermutet Taslimi. Derzeit ist dieser je nach Bundesland unterschiedlich - anzustreben wäre eine Fachkraft pro acht Kindern bzw. eine Fachkraft pro sechs Kindern bis zum Alter von drei Jahren. Es sei nicht einzusehen, warum für ein Kind in Vorarlberg andere Bedingungen gelten sollten als im Burgenland.

Für die Erreichung des angestrebten Betreuungsschlüssels wären laut Taslimi rund 13.000 zusätzliche Personen nötig. Dazu brauche man auch zusätzliches Geld. Die in der jüngsten 15a-Vereinbarung festgehaltene Streckung von einer Milliarde Euro über mehrere Jahre sei zu wenig - die gleiche Summe müsse pro Jahr aufgewendet werden.

Am heutigen Dienstag stehen in mehreren Bundesländern Veranstaltungen und Aktionen am Programm. In Wien wird in den städtischen Kindergärten und Horten ein zusätzlicher "pädagogischer Tag" abgehalten, auch ein Teil der Wiener Privatkindergärten blieb zu.

Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) verwies in Sachen Personalmangel auf die bereits initiierte Ermöglichung von Quereinstiegsmodellen sowie die Ausbildungsinitiativen an Kollegs. Im Kindergartenbereich seien die Kompetenzen aber zwischen Bund, Ländern und Gemeinden geteilt: "Aufgrund der großen Zersplitterung der Zuständigkeiten in diesem Bereich, können nachhaltige Lösungen nur gemeinsam mit allen relevanten Akteur/inn/en gelingen", so Polaschek in einer Aussendung.

Die NEOS nutzten den Tag der Elementarbildung, um noch einmal ihre Forderung nach einem flächendeckenden Kinderbetreuungsangebot ab dem ersten Geburtstag zu erheben. Als Musterbeispiel nannte Parteichefin Beate Meinl-Reisinger Dänemark. Überhaupt würde in skandinavischen Ländern wesentlich mehr Geld in die Bildung investiert. Die NEOS-Obfrau sieht in einem Rechtsanspruch nicht nur Chancen für die Bildung selbst, sondern auch für die Wirtschaft, hätten Eltern doch auch Wahlfreiheit.

"Es geht primär um Kinder", betonte NEOS-Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre. Diese müssten in ihren Bedürfnissen wahrgenommen, Chancen gefördert werden - und das von gut ausgebildeten Fachkräften. Personal werde zwar ausgebildet, nur wenige würden dann aber tatsächlich den Beruf ergreifen. Generell vermissen die NEOS ein vom Bund ausgegebenes echtes Bildungsziel.

Die Grünen wollen die Zuständigkeit für die Elementarbildung in einer Hand vereinigt wissen - am besten beim Bund, so Bildungssprecherin Sibylle Hamann in einer Aussendung. "Ich finde es unerträglich, dass die Zersplitterung der Kompetenzen im Kindergartenbereich große, wichtige Reformen verhindert, und jeder dem anderen die Verantwortung zuschieben kann."

Die SPÖ wiederum will die 15a-Vereinbarung neu verhandelt wissen, um so eine Milliarde Euro pro Jahr in den bundesweiten Ausbau der Kinderbetreuung investieren zu können. "Mit der vorliegenden Vereinbarung wird nichts weitergehen. Auch in fünf Jahren werden wir dem Ziel eines Rechtsanspruchs kaum nähergekommen sein", meinte Bildungssprecherin Petra Tanzler in einer Aussendung.

Auch die Wiener ÖVP will kleinere Gruppen, einen besseren Fachkraft-Kind-Schlüssel, eine adäquate Vorbereitungszeit sowie ausreichendes Supportpersonal für die Kindergärten. Als Adressat sieht sie aber nicht den Bund, sondern die Stadt Wien.

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  • Zum bereits sechsten Mal hat am Dienstag der Tag der Elementarbildung stattgefunden.
  • Dazu brauche man auch zusätzliches Geld.