APA/APA/AFP/CLEMENT MAHOUDEAU

Rückenwind für Macron durch Risse im rechten Lager

In Frankreich zeigen sich wenige Wochen vor der Präsidentenwahl Risse im rechts-nationalistischem Lager, welche die Wiederwahlchancen von Amtsinhaber Emmanuel Macron erhöhen könnten. Marion Maréchal, die Nichte von Marine Le Pen, Chefin der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National, bekannte sich am Sonntag zu dem rechtsextremen Bewerber Éric Zemmour. Das wurde auch als Tiefschlag für Le Pen gewertet.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung in Toulon erklärte Marion Maréchal am Sonntag mit Blick auf Zemmour: "Hinter Ihrer Kandidatur steht eine große, nationale Bewegung." Wie Zemmour sprach sie von einem "Kampf der Kulturen" mit Blick auf Migration. Der Zeitschrift "Valeurs Actuelles" sagte sie: "Ja, ich habe entschieden, Éric Zemmour bei der Präsidentschaftswahl zu unterstützen. Ich schließe mich dem Kandidaten an, den ich heute am besten positioniert sehe, die Ideen, die ich immer verteidigt habe, zum Erfolg zu führen."

Zwar hatte Maréchal (32) sich vor fünf Jahren aus der Politik und der inzwischen in Rassemblement National (RN) umgetauften rechten Partei von Le Pen zurückgezogen. Dennoch wird ihr Wechsel ins Lager von Zemmour als Schwächung von Le Pen gesehen, die in den Umfragen vor der Wahl im April zeitweise von dem noch weiter rechts stehenden Publizisten Zemmour eingeholt wurde.

Am Sonntagabend präsentierte Maréchal sich bei dem Wahlkampftreffen von Zemmour im südfranzösischen Toulon, das auf dem Youtube-Kanal von Zemmour von über 100.000 Menschen verfolgt wurde. "Marion, die ganze Rechte wartete auf dich", begrüßte Zemmour sie.

Le Pen erhält nicht das erste Mal familiären Gegenwind bei ihrer Parteiarbeit. Mit ihrem Vater und Parteigründer Jean-Marie Le Pen lieferte sie sich eine politische Dauer-Fehde über den richtigen Kurs, bis dieser schließlich aus der Partei ausgeschlossen wurde. Lange Zeit war Marine Le Pen (53) das bekannte Gesicht des rechten Lagers gewesen und galt als dessen einzige ernstzunehmende Anwärterin auf das höchste Staatsamt.

Doch seit Verkündung seiner Kandidatur im November bringt der mehrfach wegen rassistischer Äußerungen verurteilte Publizist Zemmour (63), der bisher nicht parteipolitisch aktiv war, Le Pen in Bedrängnis. Mit Maréchal hofft er nun, seiner frisch geschaffenen Bewegung Reconquête (deutsch: Wiedereroberung) ein junges, weibliches Gesicht und frischen Schub zu geben.

Der erste Wahlgang der Präsidentschaftswahl ist am 10. April, die zweite Runde am 24. April. Zuletzt sahen die Umfragen Präsident Emmanuel Macron, der für eine zweite Amtszeit kandidiert, klar vorne, gefolgt von Le Pen auf Platz zwei vor Zemmour und der Kandidatin der konservativen Républicains, Valérie Pécresse.

Spaltungen im rechten wie im linken Lager gelten als vorteilhaft für Macron. Zudem wirkte sich die Invasion der Ukraine negativ auf die Beleibtheitswerte von Le Pen und Zemmour aus, die bisher eine freundliche Haltung zur Regierung in Moskau vertreten hatten.

ribbon Zusammenfassung
  • In Frankreich zeigen sich wenige Wochen vor der Präsidentenwahl Risse im rechts-nationalistischem Lager, welche die Wiederwahlchancen von Amtsinhaber Emmanuel Macron erhöhen könnten.
  • Marion Maréchal, die Nichte von Marine Le Pen, Chefin der rechtspopulistischen Partei Rassemblement National, bekannte sich am Sonntag zu dem rechtsextremen Bewerber Éric Zemmour.
  • Wie Zemmour sprach sie von einem "Kampf der Kulturen" mit Blick auf Migration.