Fußi über Kickl im Sommergespräch: "Locker war der nicht"

20. Juli 2021 · Lesedauer 3 min

Nach dem Sommergespräch analysierten die beiden Polit-Insider Rudi Fußi und Andreas Mölzer gemeinsam mit PULS 24-Infochefin Corinna Milborn den Auftritt von Herbert Kickl.

Während der ehemalige FPÖ-Abgeordnete Andreas Mölzer in Kickl die "dominante Figur" in der Opposition sieht und ihn als "einzige Alternative" zu Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bezeichnet, sagt Rudi Fußi nach dem Sommergespräch, dass er bei Kickl keinen Gestaltungswillen sehe. Kickl habe laut Fußi "ein radikales Programm", das aber wenige ansprechen würde. "Locker war der nicht", ist das Fazit von Fußi, der dem FPÖ-Chef deswegen einen Orthopäden empfiehlt. 

Mölzer meinte hingegen, dass Kickl mäßig und rational aufgetreten sei. Derzeit befinde man sich klar auf Oppositionskurs, doch früher oder später wolle man wieder Regierungsverantwortung übernehmen. Kickl versuche, wenn es um Corona-Maßnahmenkritiker gehe, Skeptiker zu vertreten. Auch Mölzer selbst zweifle derzeit daran, seinen 14-jährigen Sohn impfen zu lassen. Wenn sich auf den Demonstrationen, bei denen auch Kickl war, auch Rechtsextreme befinden würden, dann könne sich das Kickl nicht aussuchen, so Mölzer.

Annäherung an Identitäre

Wenn es um die Identitären geht, dann würden diverse Gerichtsurteile, bei welchen die Identitären freigesprochen wurden, dafür sprechen, dass diese eine "NGO von rechts" seien, so Mölzer. Die FPÖ dürfe sich diesen deswegen wieder annähern, wie es unter Kickl auch passiert ist.

Fußi erinnert hingegen an den Kontakt der Identitären zum Christchurch-Attentäter und kritisiert Kickls Corona- und auch Klimapolitik als "wissenschaftsfeindlich". Fußi fragt sich, ob es strategisch ratsam für Kickl sei, auf "Narren" als politisches Signal zu setzen. Damit spielt der Polit-Berater auf die Teilnehmer bei den Corona-Demonstrationen an. Kickl wende sich an alle, "die sich mit Veränderung schwer tun", das sei aber beim Klimawandel "zu wenig", sagt Fußi. 

LGBTIQ-Gesetz in Ungarn

Für Kritik sorgten auch die Aussagen Kickls im Sommergespräch zum umstrittenen LGBTIQ-feindlichen Gesetz Ungarns. Man solle sich dort nicht einmischen und es sei mittlerweile "besonders hip", sich "in der einen oder anderen Weise darzustellen", sagte Kickl. Fußi kritisierte, dass Kickl nicht überlege, dass er damit "Menschen und Familien" verletze, die sexuelle Orientierung könne sich schließlich niemand aussuchen. Mölzer hingegen verteidigte Kickl: Ungarn sei der "Prügelknabe" der Union geworden, das Gesetz sei demokratisch entstanden.

Mölzer und Fußi sind sich einig, dass die FPÖ bei kommenden Wahlen wieder an Stimmen zulegen werde. Norbert Hofer hätte aber mehr ÖVP-Wähler ansprechen können, so Fußi. 

Quelle: Redaktion / koa