Erdogan droht Griechenland: "Wir kommen über Nacht"

05. Sept. 2022 · Lesedauer 3 min

Differenzen im Luftraum finden zwischen Athen und Ankara fast täglich statt. Nun verschärft der türkische Präsident Recep Tayyib Erdogan seine Diktion.

Nach einem Vorfall im Luftraum über der Ägäis hatte Erdogan Griechenland Konsequenzen angedroht. "Hey Griechenland, schau Dir die Geschichte an. Wenn Du weiter gehst, wirst Du einen hohen Preis zahlen", wenn es türkische Kampfjets über der Ägäis "bedrängt", sagte Erdogan am Samstag bei einer Kundgebung in der Stadt Samsun am Schwarzen Meer.

"Tun, was nötig ist"

"Wenn die Zeit kommt, werden wir tun, was nötig ist", sagte Erdogan weiter. "Wir können plötzlich über Nacht kommen", fügte er hinzu – eine unverhohlene Kriegsdrohung gegen einen NATO-Partner.

Erdogan wirft Griechenland Bedrohung vor

Am vergangenen Wochenende hatte Ankara Griechenland eine "feindliche Aktion" gegen türkische Kampfflieger vorgeworfen. Dabei habe die griechische Armee ein aus Russland stammendes Luftabwehrsystem genutzt, um die türkischen Kampfflieger per Radar zu verfolgen, hieß es. In seiner Rede warf Erdogan Griechenland nun vor, es versuche, die Türkei mit dem Raketensystem "S-300 zu bedrohen".

Die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu hatte zunächst nur von "Belästigung" geschrieben und behauptet, die türkischen Jets seien dabei im internationalen Luftraum geflogen. Das System sei nicht aktiviert worden, hieß es aus Kreisen des griechischen Verteidigungsministeriums laut Staatsfernsehen.

Spannungen um Gebietsansprüche

Griechenland und die Türkei sind Bündnispartner in der NATO, ihre Beziehungen sind aber schon seit Jahrzehnten von großen Spannungen geprägt. In der Ägäis und im östlichen Mittelmeer streiten die Türkei und Griechenland um Abgrenzungen maritimer Wirtschaftszonen sowie um meist mit Rohstoffvorkommen verbundene Hoheitsrechte und Gebietsansprüche bezüglich diverser ägäischer Inseln.

Beide Seiten werfen einander regelmäßig die Verletzung von Grenzen und Verträgen vor. Fast täglich gibt es zudem Aufklärungsflüge beider Länder vor allem rings um die griechischen Inseln nahe der türkischen Küste.

Souveränität der Ägäis infrage gestellt

Die Türkei hatte zuletzt den Ton gegenüber Griechenland deutlich verschärft. Die Regierung in Ankara stellte die griechische Souveränität über mehrere Ägäis-Inseln in Frage und legte ihre Kontakte zur griechischen Regierungsspitze auf Eis.

Ankara behauptet, die Ägäisinseln seien Griechenland im Rahmen der Verträge von 1923 und 1947 unter der Bedingung überlassen worden, dass es sie nicht bewaffnet. Außenminister Mevlut Cavusoglu erklärte wiederholt, Athen beharre auf einer Militarisierung der Inseln. Daher könne die Türkei die griechische Souveränität über die Inseln in Frage stellen. Der konservative griechische Premierminister Kyriakos Mitsotakis bezeichnete hingegen die Vorwürfe sowie die Haltung der Türkei in dieser Frage als "völlig absurd".

Quelle: Agenturen / Redaktion / msp