APA - Austria Presse Agentur

"Politische Spiele" beim Klimaticket: Warum der Osten streikt

19. Aug 2021 · Lesedauer 3 min

Das von Leonore Gewessler lang angekündigte 1-2-3-Ticket kommt im Oktober unter dem Namen Klimaticket. Nicht dabei sind vorerst Wien, Niederösterreich und das Burgenland. Experte Günter Emberger von der TU ortet "gewisse politische Spiele" im Hintergrund.

Eine "Revolution im öffentlichen Verkehr" soll es werden, das neue Klimaticket, das am 26. Oktober in ganz Österreich hätte starten sollen. In ganz Österreich? Nein, die drei östlichen Bundesländer Wien, Niederösterreich und das Burgenland sind vorerst nicht mit an Bord. 40 Tage soll bereits verhandelt worden sein, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Die Umweltschutzorganisation Global 2000 bezeichnet Gewesslers Revolution als "unbefriedigendes Zwischenergebnis". 

Doch warum kommen Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) und die VOR-Region zu keiner Einigung beim Öffi-Ticket für ganz Österreich? Günter Emberger ist an der TU Wien Forschungs-Bereichsleiter am Institut für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik. Er freut sich im "Ö1 Morgenjournal" über die Ergebnisse. Nach fast 15 Jahren Diskussion über das Thema sei er "fast überrascht", dass man nun so weit sei. 

Der VOR wolle mehr Geld herausschlagen, Gewessler versuche im Gegenzug, den Druck zu erhöhen, analysiert der Experte. Er finde die schrittweise Einführung deshalb "sinnvoll". 

Gewessler "drückt" Klimaticket durch

Das österreichweite 1-2-3-Ticket, nunmehr Klimaticket genannt, startet am Nationalfeiertag, dem 26. Oktober, um knapp 1.100 Euro. 

"Politische Spiele"

Es gehe aber nicht nur ums Geld. Es sei auch "nicht ganz unwahrscheinlich", dass man der Ministerin den Erfolg auch nicht gönnen möchte. Emberger spricht die von Gewessler auf Eis gelegten Straßenbauprojekte an. Der Lobau-Tunnel in Wien ist mit 2.5 Milliarden Euro Kosten veranschlagt, das Klimaticket soll sich mit 150 Millionen im Jahr zu Buche schlagen. "Hier sind sicher gewisse politische Spiele im Hintergrund wirksam". 

Das Ticket wird teurer als angekündigt. Für einzelne Bundesländer wird es rund 600 Euro kosten. Im Vorfeld war die Hälfte, also rund 300 Euro, in Aussicht gestellt worden. Aus Sicht des TU-Forschers ist stellt das kein Problem dar. Für sein Auto müsse man im Monat rund 400 Euro zahlen, eine Jahreskarte um 600 sei da im Vergleich noch immer günstig, rechnet er vor. Deshalb zweifelt er auch nicht am Erfolg der Fahrkarte. 

Flächendeckende Kurzparkzone in Gemeinden? 

Der Autoverkehr zeige nur ein Drittel seiner Kosten, die er verursache. Um den Menschen "aus dem Auto zu helfen", müsse man diese sichtbarer machen, so Emberger. Er schlägt vor die Pendlerpauschale oder Dienstwagenregelungen anzupassen. Auch eine flächendeckende Maut wäre eine Möglichkeit. In den Bezirkshauptstädten und Gemeinden solle man über eine bessere Parkraumbewirtschaftung nachdenken. "Es ist nicht einsehbar, dass Autos gratis im öffentlichen Raum für 24 Stunden abgestellt werden können." 

Marianne LamplQuelle: Redaktion / lam