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Plagiatsskandal erschüttert slowakische Regierungskoalition

01. Juli 2020 · Lesedauer 2 min

Die Vier-Parteien-Koalition der Slowakei wird von einem Plagiatsskandal erschüttert. Die liberale Tageszeitung "Dennik N" enthüllte vergangene Woche, dass sich Parlamentspräsident Boris Kollar seinen Hochschulabschluss offenbar erschwindelt hat. An Mittwoch forderte die von Vize-Regierungschef Richard Sulik geführten Liberalen den Rechtspopulisten zum Rücktritt auf.

Kollar hatte zuvor mit dem Austritt der von ihm gegründeten zweitstärksten Regierungspartei "Wir sind eine Familie" aus der Koalition, falls ihn die Partner weiter angreifen sollten. Zwar gab er Fehler in seiner Diplomarbeit zu, betonte aber vor Journalisten: "Niemand kann mir vorwerfen, dass ich ein Gesetz verletzt habe." Er verschwieg, dass das vor allem am Fehlen klarer gesetzlicher Regelungen in der Slowakei liegt.

"Dennik N" hatte dokumentiert, dass der Millionär wesentliche Teile seiner Diplomarbeit mitsamt den darin zitierten Originalquellen direkt von einer wissenschaftlichen Arbeit seines Betreuers an einer kleinen Privathochschule übernommen hatte. In der Zeitung veröffentlichte Fotos zeigten eine phasenweise völlig identische Absatzeinteilung. Der inzwischen zum Rektor dieser Privathochschule aufgestiegene Betreuer steht nun selbst im Zwielicht, weil er die abgeschriebene Arbeit des einflussreichen Unternehmers nicht abgelehnt hatte.

Für Empörung sorgt seit Tagen auch Kollars Eingeständnis, er habe sich seinen Studienabschluss wegen Arbeitsüberlastung "ein bisschen leichter gemacht, wie jeder Student". Damit habe er alle gewissenhaften Absolventen beleidigt und dem Image der slowakischen Hochschulen geschadet, kritisierten Wissenschafter und Studierenden-Vertreter in offenen Briefen und Protestkundgebungen. Auch die parteilose Präsidentin Zuzana Caputova warnte die Regierungskoalition vor einem drohenden Vertrauensverlust.

Quelle: Agenturen