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Pipeline-Lecks: Methanwolke zieht über Europa

30. Sept. 2022 · Lesedauer 2 min

Aus den Lecks der Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und 2 dürften hunderttausende Tonnen Methan in die Atmosphäre gelangen. Den Weg der Gaswolke haben nun Fachleute verfolgt.

Wie hoch die exakte Menge des ausgetretenen Methans ist, kann jetzt noch nicht gesagt werden. Das Integrated Carbon Observation System (ICOS) hat nun in einer Auswertung gezeigt, wie eine gewaltige Gaswolke über der Ostsee aufstieg und sich ihren Weg über Europa bahnte.

Sowohl in Schweden als auch in Finnland und Norwegen zeigen Methan-Messstationen einen Anstieg in den letzten Tagen, berichtet der "Spiegel". Aufgrund des bewölkten Himmels hätten Beobachtungssatelliten die Emissionen wahrscheinlich nicht erfasst, teilte ICOS mit. 

Methan zunächst in den Norden gezogen

Stephan Platt vom Norwegian Institute for Air Research (NILU) sagt: "Wir gehen davon aus, dass der Wind das Methan zunächst Richtung Norden bis zum finnischen Archipel getragen hat und dann Richtung Schweden und Norwegen abgebogen ist."

Unregelmäßige Werte

Die erste Erhöhung der Methanwerte wurde in der Nacht von Montag auf Dienstag an einer Station auf der Insel Utö vor der finnischen Südküste gemessen. Am Dienstag stiegen die Werte laut schwedischer Messtation massiv in die Höhe. Dabei wurde ein Anstieg von 300 ppb (Parts per Billion) auf 2300 ppb gemessen. Gemeint sind damit Teilchen pro Milliarden Luftteilchen. Später wurden auch Ausschläge im Westen Schwedens und im Süden Norwegens aufgezeichnet. 

Trotzdem kam es zwischenzeitlich zu einem Knick der Werte, der sich jedoch jetzt noch nicht erklären lässt. ICOS-Direktor Werner Kutsch sagt im Interview mit dem "Spiegel" das liege daran, dass "Luft der Atmosphäre wie ein Mixer wirkt und nicht immer direkt von der Methan-Quelle zur Messstation fließt". 

Methanmenge genauer ermitteln

Wie viel Gasmenge bisher in die Atmosphäre gelangt ist, lässt sich derzeit nur schätzen. Das deutsche Umweltbundesamt geht davon aus, dass Emissionen von etwa 7,5 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalenten entstanden sind. Laut ICOS-Mitteilung könnte "aus den Lecks so viel Gas entwichen sein, wie in einer Stadt von Paris oder einem Land wie Dänemark in einem ganzen Jahr".

Astrid PozarekQuelle: Redaktion / poz