"Gab es noch nie"
Pilnacek-U-Ausschuss: Ärztin schildert Diskussion mit Beamten
Sie berichtete, vor Ort die Totenbeschau durchgeführt und danach eine Obduktion angeregt zu haben. Dabei strich sie den begrifflichen Unterschied zu einer kriminalpolizeilichen Leichenbeschau hervor. Später ist eine Staatsanwältin aus Krems geladen.
Am Vortag hatten zwei befragte Polizisten angegeben, die Ärztin sei bei der Leichenbeschau anwesend gewesen. Diese widersprach, die Totenbeschau sei etwas anderes. Ihre Aufgabe sei es gewesen, festzustellen, ob die Person lebt oder nicht und ob sie die Todesursache kennt. Eine Totenbeschau sei stets Sache der Gemeindeärztin. Leichenbeschau habe sie hingegen "noch nie gemacht" - und erst später erfahren, dass sie dies überhaupt dürfte.
Auch Ärztin hatte kein Thermometer
Für Unterhaltung bei der Verfahrensrichterin sorgte die Gemeindeärztin mit der Auskunft, sie habe kein Thermometer zur Messung der Wassertemperatur bei sich gehabt. Auch die am Mittwoch befragten Beamten hatten vom Fehlen dieses Geräts berichtet. Am betreffenden Tag sei sie telefonisch aus ihrer Ordination gerufen worden, da eine Wasserleiche gefunden worden sei, so die Gemeindeärztin. Die Todesursache sei nicht ersichtlich gewesen, daher habe sie eine Obduktion anfordern wollen.
Mit den anwesenden Polizisten sei daraufhin eine Diskussion entstanden, da diese die Obduktion als nicht berechtigt ansahen. "Sicher zehn Minuten" habe die Auseinandersetzung gedauert, das gab es "in meinem ganzen Leben noch nie". Letztendlich sei das Verlangen aber an die Staatsanwaltschaft weitergegeben worden. Nach den Vorfällen sei sie persönlich nicht unter Druck gesetzt worden, sagte die Ärztin: "Ich wurde auch nicht bedroht." Allerdings seien "komische Sachen" passiert, an ihrem Auto etwa Reifen aufgeschlitzt und Scheiben eingeschlagen worden.
Video: Zunächst keine Autopsie: Wurde Pilnacek-Ärztin bedrängt?
Obduktion im Fokus
Die Ärztin sei das einzige medizinische Fachpersonal am Fundort des Leichnams gewesen und habe eine Obduktion angeregt, erzählte FPÖ-Fraktionsführer Christian Hafenecker vor Ausschussbeginn vor Journalistinnen und Journalisten. Die zentrale Frage an sie sei, ob Druck ausgeübt wurde, die Obduktion nicht durchzuführen. Diese hat einige Tage nach Pilnaceks Tod stattgefunden. Bei der zweiten Auskunftsperson handle es sich um die erste zuständige Staatsanwältin, so Hafenecker.
Polizisten hätten am Vortag im U-Ausschuss behauptet, sie hätten keinen Druck auf die Ärztin ausgeübt, meinte SPÖ-Fraktionsführer Jan Krainer. Die Ärztin habe in der Vergangenheit wiederum gesagt, sie habe sich Druck ausgesetzt gefühlt. Das Zusammenwirken zwischen Ärztin und Polizei am Fundort sei "nicht total super" gewesen, schloss er. Zudem sah er einen Engpass in der Pathologie, weswegen Todesfälle mitunter nicht untersucht würden. Auch die Grüne Fraktionsführerin Nina Tomaselli ortete strukturelle Probleme. Sie kritisierte etwa, dass die Ausbildung für Tatortbeamte nur zwei Monate dauere und will diesbezüglich eine parlamentarische Anfrage an Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) stellen.
NEOS-Fraktionsführerin Sophie Wotschke interessierte sich für Pilnaceks Handy, das "ohne Not" noch am Todestag seiner Witwe übergeben worden sei. Hier gehe es bereits um potenzielle politische Einflussnahme. Der ÖVP-Abgeordnete Jakob Grüner geht indes davon aus, dass sich während der Befragungen viele Gerüchte in Luft auflösen werden. Er glaube nicht daran, dass ein Komplott aus Dutzenden Polizistinnen und Staatsanwälten hier etwas vertuscht habe.
Video: Die Akte Pilnacek – Bringt der U-Ausschuss Aufklärung?
Zusammenfassung
- Der parlamentarische Untersuchungsausschuss zu den Ermittlungen nach dem Tod des ehemaligen Justiz-Sektionschefs Christian Pilnacek ist am Donnerstag mit der Befragung der am Fundort anwesenden Gemeindeärztin fortgesetzt worden.
- Sie berichtete, vor Ort die Totenbeschau durchgeführt und danach eine Obduktion angeregt zu haben.
- Dabei strich sie den begrifflichen Unterschied zu einer kriminalpolizeilichen Leichenbeschau hervor.
- Später ist eine Staatsanwältin aus Krems geladen.
