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Pflege-Hilferuf aus Salzburg: Wir fahren mit Vollgas gegen die Wand

27. Jan. 2022 · Lesedauer 3 min

Salzburgs Sozialstadträtin Anja Hagenauer (SPÖ) hat am Donnerstag erneut auf die dramatische Situation im Bereich der Pflege von betagten Menschen hingewiesen.

So müssen in Salzburg beispielsweise seit einem halben Jahr rund 30 Senioren in Spitälern betreut werden, weil weder in einem Heim ein Platz noch in der Heimhilfe eine Betreuung aufzutreiben ist. Hagenauer forderte eine Pflege-Milliarde des Bundes und klare Zuständigkeiten beim Land.

Wie sehr sich die Situation in der Stadt Salzburg zuletzt zugespitzt hat, zeigt sich an der Zahl der Beratungsgespräche: Mit rund 300 Erstgesprächen, denen oft zwei oder drei weitere Beratungen folgten, haben sich die Hilferufe von Angehörigen oder Nachbarn alleine 2021 im Vergleich zum Jahr davor verdreifacht.

"Komplett am Limit"

"Wir sind komplett am Limit, wir wissen oft nicht mehr, was wir den Angehörigen sagen sollen", schilderte Susanne Mayer-Seeleitner, die Leiterin der städtischen Seniorenberatung, am Donnerstag bei einem Mediengespräch. Nach den Erstberatungen würden sie und ihre Kolleginnen "hin- und hertelefonieren", und am Ende reiche es dann vielleicht gerade, dass eine pflegebedürftige Person einmal in der Woche eine Pflegerin nach Hause bekomme. "Die Lage ist dramatisch, wir haben den Pflegenotstand längst."

Auch die Seniorenheime der Stadt Salzburg können nicht mehr unterstützen. Schon jetzt müssen Plätze frei bleiben, weil das Pflegepersonal dafür nicht vorhanden ist, sagte der Leiter der Heime, Christoph Baumgärtner. Früher sei es noch gegangen, dass zwischen den drei Bereichen Heime, Spitäler und Heimpflege kompensiert werde, heute sei das kaum noch möglich.

Und Abteilungsvorstand Patrick Pfeifenberger wies darauf hin, dass im Grunde ja alle drei Bereiche mit öffentlichem Geld finanziert würden, weshalb es eine klare Zuständigkeit geben müsse, um das Hin- und Herschieben der Verantwortung zu unterbinden. "Auf ministerieller Ebene sind Gesundheit und Soziales (Pflege) noch unter einem Dach, aber ab der Ebene der Länder zerspragelt es sich völlig."

Pflege-Milliarde soll auch mobile Pflege einschließen

Hagenauer erhob heute mehrere Forderungen, die vielfach bereits wiederholt vorgebracht wurden: Zum einen ist das eine Pflege-Milliarde seitens des Bundes, die auch die mobile Pflege einschließt. "Es geht einfach nichts weiter. Wir hören derzeit nur von einem Gesundheitsminister, aber nichts von einem Sozialminister."

Weiters müsse es sowohl im Bund als auch in den Ländern klare Pflegebeauftragte geben, dazu brauche es ein Konzept mit allen Trägern und Einrichtungen. "Wir müssen die Pflege und Betreuung neu denken, wir brauchen den großen Wurf."

Weiters fordert Hagenauer klare Richtlinien und Rahmenbedingungen für das betreute Wohnen, "weil das allemal günstiger ist als die Langzeitpflege in Einrichtungen". Und Pfeifenbergers Analyse des Ist-Zustandes fällt nüchtern aus: "Wir fahren mit Vollgas gegen die Wand, und trotzdem ändert sich nichts."

Stephan HoferQuelle: Redaktion / hos