Hajek: ÖVP leidet unter "Zusammenbruch des türkisen Konstrukts"

13. Jan. 2023 · Lesedauer 3 min

Eine neue ATV/PULS 24-Umfrage prognostiziert der ÖVP bei der anstehenden Landtagswahl in Niederösterreich deutliche Verluste. Für Meinungsforscher Peter Hajek ist dafür auch Sebastian Kurz mitverantwortlich.

Laut einer aktuellen ATV/PULS 24-Umfrage würde die ÖVP in Niederösterreich 9,6 Prozentpunkte im Vergleich zur Landtagswahl 2018 verlieren. Damit käme die Volkspartei rund um Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner nur noch auf knapp 40 Prozent.

Sonntagsfrage zur Landtagswahl in Niederösterreich

Der "Zusammenbruch des türkisen Konstrukts"

Für Meinungsforscher Peter Hajek ist der deutliche Stimmenverlust auch auf das starke Ergebnis der vergangenen Wahl von vor fünf Jahren zurückzuführen. "Das ist Sebastian Kurz geschuldet gewesen", so Hajek. Vom Höhenflug der ÖVP unter dem türkisen Ex-Kanzler habe man auch in Niederösterreich profitiert. "Mit dem Zusammenbruch des türkisen Konstrukts schlägt das natürlich auch auf die niederösterreichische ÖVP durch."

Zudem sei die Themenlage für regierende Parteien schwierig. Energiekrise und Teuerung belasten die Menschen - dieses Umfeld sei für regierende Parteien immer schwierig. Ziel der ÖVP dürfte ein Wahlergebnis von 42 Prozent sein. Damit gelte laut dem Meinungsforscher die absolute Mehrheit in der Proporzregierung als wahrscheinlich.

FPÖ legt kräftig zu, SPÖ "bekommt keinen Fuß auf den Boden"

Gewinner dieser Entwicklungen könnte die FPÖ sein, sie fischt im türkisen Wähler-Pool. Jeder vierte FPÖ-Wähler komme laut Hajek aus dem türkisen Lager der Landtagswahl 2018 und der Nationalratswahl 2019. Der Meinungsforscher sieht dabei die "stringente Wahlkampf-Führung" der FPÖ als entscheidenden Vorteil. 

Enttäuschte ÖVP-Wähler:innen kann die SPÖ demnach kaum für sich gewinnen. Sie versuche, mit Sozialthemen zu punkten, bekomme da laut Peter Hajek aber "keinen Fuß auf den Boden". Sollte sich die FPÖ Platz 2 sichern, habe man auch in der Bundes-SPÖ "Erklärungsbedarf", warum man die Schwächen der ÖVP und der türkis-grünen Bundesregierung nicht nutzen konnte. 

Für NEOS und Grüne sei Niederösterreich generell ein schweres Pflaster. Das Bundesland sei nicht "gekennzeichnet durch eine breite Medienpalette", sagt Hajek. "Da ist es wirklich, wirklich schwer, mit seinen Themen durchzukommen."

Umfrage zur Direktwahl des Landeshauptmanns in Niederösterreich

Landeshauptmann-Direktwahl eine "gerüttelte Überraschung"

Als "gerüttelte Überraschung" bezeichnet Hajek die Ergebnisse der Direktwahl-Umfrage. Würde der Landeshauptmann direkt gewählt werden, würde FPÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer auf Platz 2 landen und deutlich vor SPÖ-Spitzenkandidat Franz Schnabl liegen. Für den Meinungsforscher zeige das "die Stärke der Freiheitlichen Partei, oder wenn sie so wollen, die Schwäche der Sozialdemokratie". 

 

Michael ZehenterQuelle: Redaktion / zeh